High-Margin Nischen: Warum Spezialpharma boomt und welche Aktien profitieren
GLP-1-Medikamente, Biologika und komplexe Therapien treiben die Nachfrage nach spezialisierten Pharma-Zulieferern. Diese Aktien rücken dabei in den Anlegerfokus
Werte in diesem Artikel
- JPMorgan startet SCHOTT Pharma mit Overweight und Kursziel 27,10 Euro
- Lonza steigerte die Kern-EBITDA-Marge im ersten Halbjahr auf 34,8 Prozent
- Auch Gerresheimer und West Pharma bauen Kapazitäten für Spezialpharma aus
Die US-Bank JPMorgan hat die Bewertung der SCHOTT Pharma-Aktie am Montag mit dem Rating Overweight und einem Kursziel von 27,10 Euro aufgenommen und dem Verpackungsspezialisten für injizierbare Medikamente bis 2029 ein jährliches Ergebnissteigerungspotenzial von 14 Prozent zugetraut. Die Einstufung passt in ein größeres Bild: Mehrere hoch spezialisierte Zulieferer der Pharmaindustrie, die sich auf Verpackung und Verabreichung von Spritzen, Biologika und Wirkstoffen konzentrieren, wachsen derzeit mit überdurchschnittlichen Margen, gestützt auf strukturelle Nachfrage nach Abnehmspritzen, Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten und anderen komplexen Biopharmazeutika.
Spezialisierte Pharma-Zulieferer profitieren von komplexen Produkten
Ob Glasspritzen, Gummistopfen oder Auftragsfertigung für Biologika: Anbieter mit technischer Spezialisierung profitieren von einem robusten Nachfragetrend. Pharmakonzerne wie Novo und Eli Lilly bringen immer mehr injizierbare Wirkstoffe gegen Adipositas, Diabetes und andere chronische Erkrankungen auf den Markt, während Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und weitere Biologika komplexere Herstellungs- und Verpackungsprozesse erfordern. Die hohen regulatorischen Hürden und die technische Komplexität erschweren den Markteintritt neuer Wettbewerber, während etablierte Zulieferer ihre Position behaupten und der Anteil hochwertiger Produkte am Umsatz die Margen stützen kann.
SCHOTT Pharma und Lonza mit hohen Margen
Bei SCHOTT Pharma trieb die Verschiebung hin zu margenstarken High Value Solutions die EBITDA-Marge von 26,6 Prozent im Geschäftsjahr 2023 auf 28,4 Prozent im Geschäftsjahr 2025. Nach einem starken dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von rund 8 Prozent hob der Konzern am 8. Juli die Jahresprognose auf ein Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent und eine EBITDA-Marge von 27 bis 28 Prozent an.
Noch höher liegt die Marge beim Schweizer Auftragsfertiger Lonza: Im ersten Halbjahr 2026 kletterte die Kern-EBITDA-Marge um 4,4 Prozentpunkte auf 34,8 Prozent, bei einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 16 Prozent. Der Konzern trennte sich zudem im Frühjahr von seinem margenschwächeren Geschäft mit Kapseln und Nahrungsergänzungsmitteln und verkaufte es für rund 2,3 Milliarden Franken an den Finanzinvestor Lone Star, um sich vollständig auf die Auftragsentwicklung und -fertigung für Biologika und Wirkstoffkonjugate zu konzentrieren.
Gerresheimer und West Pharma bauen Kapazitäten aus
Auch der Düsseldorfer Verpackungskonzern Gerresheimer und der US-Zulieferer West Pharmaceutical Services bauen ihre Kapazitäten für Spritzen, Pens und Verschlusssysteme aus, um von der GLP-1-Nachfrage zu profitieren. Bei West Pharmaceutical Services wuchs das Geschäft mit hochwertigen Produkten zuletzt um 18 Prozent und macht mittlerweile fast die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Gerresheimer trennte sich im Juli von seinem globalen Geschäft mit Kunststoffverpackungen und der Tochter Centor, um die Bilanz zu entlasten; für das Geschäftsjahr 2026 peilt das Management dennoch nur eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 17 bis 18 Prozent an, deutlich weniger als bei SCHOTT Pharma oder Lonza.
Kapazitätsausbau bringt neue Risiken
Der nächste Prüfstein für die Branche folgt mit den Jahresabschlüssen: SCHOTT Pharma legt seinen zum 30. September endenden Turnus traditionell im Dezember vor, dann zeigt sich, ob die im Sommer angehobenen Prognosen halten.
Aktien kein Selbstläufer
Anleger sollten zwei Punkte im Blick behalten: Zum einen bleiben einzelne Segmente von Großkunden abhängig, wie sich bei SCHOTT Pharma Ende 2025 zeigte, als die veränderte Markteinschätzung eines wichtigen Abnehmers die Glasspritzen-Prognose belastete. Zum anderen fordert der branchenweite Kapazitätsausbau, etwa in Ungarn, der Schweiz oder den USA, hohe Investitionen, während einzelne Randgeschäfte wie Polymerspritzen unter der rückläufigen Nachfrage nach mRNA-Impfstoffen leiden.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: SCHOTT Pharma, anyaivanova/shutterstock.com