Abschied von den ADRs? Was ein NYSE-Direktlisting für die Novo Nordisk-Aktie bedeuten würde
Novo Nordisk-Chef Mike Doustdar bringt ein direktes Listing an der NYSE ins Spiel und rührt damit an einem Mechanismus, den US-Investoren seit Jahrzehnten kennen.
Werte in diesem Artikel
- CEO Doustdar sieht Vorteile in einem direkten NYSE-Listing der Aktie statt der ADRs
- Aktiv verfolgt das Unternehmen die Idee nach eigenen Worten derzeit nicht
- Eli Lilly setzt Novo Nordisk im Gewichtsreduktions-Markt zunehmend unter Druck
Novo Nordisk-CEO Mike Doustdar hat im Interview mit der "Financial Times" erklärt, offen für ein direktes Listing an der New York Stock Exchange zu sein, das die bisherigen American Depositary Receipts (ADRs) ersetzen könnte. Für US-Anleger würde sich damit vor allem die Handelsstruktur ändern. Wie sich ein solcher Schritt auf die Notierung in Kopenhagen auswirken würde, ließ Doustdar offen.
Doustdar öffnet die Tür für ein NYSE-Direktlisting der Novo Nordisk-Aktie
Im Interview mit der "Financial Times" sagte Doustdar auf die Frage nach einem direkten Listing an der New York Stock Exchange, er sehe darin klar Vorteile. Als Grund nannte er die veränderte Aktionärsstruktur: Die Investorenbasis habe sich in den vergangenen 20 Jahren zunehmend aus Skandinavien heraus verlagert. Laut Jahresbericht lagen Ende 2025 bereits rund 25 Prozent des Aktienkapitals in Nordamerika. Zugleich betonte der Novo Nordisk-Chef jedoch, dass das Unternehmen die Idee derzeit nicht aktiv verfolge und zunächst Für und Wider abwägen wolle.
Bislang ist die Novo Nordisk-B-Aktie primär an der NASDAQ Copenhagen notiert, während US-Investoren über American Depositary Receipts unter dem Kürzel NVO an der NYSE handeln. Laut dem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2025 verwaltet JPMorgan diese Hinterlegungsscheine, wobei ein ADR eine B-Aktie repräsentiert.
Die seit Jahresbeginn stark unter Druck stehende Novo Nordisk-Aktie kam am Mittwoch aus ihrem Abwärtsstrudel nicht heraus. Im Heimathandel ging es letztlich um 1,97 Prozent abwärts auf 253,70 DKK, während die ADRs an der NYSE letztlich 3,15 Prozent auf 38,16 US-Dollar verlieren.
Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly als Hintergrund
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der US-Markt für Novo Nordisk an Gewicht gewinnt: Mehr als die Hälfte des Umsatzes stammt aus den USA, der Großteil davon aus dem Verkauf von Diabetes- und Adipositas-Präparaten wie Ozempic und Wegovy. Gleichzeitig gerät das Unternehmen im Gewichtsreduktions-Markt zunehmend unter Druck, da Eli Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound die Wegovy-Umsätze im Jahr 2026 laut Prognosen um mehr als 7 Milliarden US-Dollar übertreffen soll.
Potenzielle Folgen eines direkten Listings
Ein Wechsel des Primärlistings nach New York könnte laut einer Einordnung von Finimize die technische Abwicklung vereinfachen, die Liquidität verbessern und die Preisfindung stärker in die US-Handelszeiten verlagern. Zudem würde die Bewertung enger an US-Wettbewerber wie Eli Lilly gekoppelt, ein Pharmakonzern mit ebenfalls stark wachsendem Gewichtsreduktions-Geschäft.
Für deutsche und europäische Privatanleger bliebe die B-Aktie das Standardinstrument, gehandelt unter anderem in Frankfurt, über XETRA und in Kopenhagen. Die ADRs bestehen bereits seit 1981 und sind für Novo Nordisk mit geringerem Verwaltungsaufwand verbunden als eine vollständige Notierungsaufnahme der Originalaktie in New York.
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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