Siemens Energy-Aktie vor dem Showdown: Wie viel Luft ist noch nach oben?
Siemens Energy geht mit Rekordaufträgen in die Jahreszahlen. Doch nach der starken Entwicklung rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie nachhaltig das hohe Wachstumstempo ist.
Werte in diesem Artikel
- Rekordaufträge füllen die Bücher des Energietechnikers weit in die Zukunft
- Windtochter meldet erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis
- Analysten sehen überwiegend Aufwärtspotenzial, der nächste Test naht im November
Siemens Energy hat sein Geschäftsjahr Ende September abgeschlossen, die Zahlen legt der Konzern im November vor. Die Ausgangslage ist dabei komfortabel: Rekordaufträge, eine angehobene und zuletzt bestätigte Prognose sowie ein laufender Aktienrückkauf stützen das Bild. Offen ist, wie belastbar diese Treiber über das Jahresende hinaus sind.
Rekordaufträge und kräftige Gewinne
Wie stark die Nachfrage ist, zeigte bereits das dritte Quartal. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy verbuchte Aufträge im Rekordwert von 17,9 Milliarden Euro und damit gut anderthalbmal so viel, wie er im selben Zeitraum umsetzte. Das Verhältnis von Aufträgen zu Umsatz lag bei 1,57, der Auftragsbestand wuchs auf 162 Milliarden Euro.
Diese Nachfrage kommt inzwischen auch in Umsatz und Ergebnis an. Der vergleichbare Umsatz stieg um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, wobei alle Segmente zulegten. Noch deutlicher fiel der Sprung beim Ergebnis vor Sondereffekten aus, das sich auf 1,62 Milliarden Euro mehr als verdreifachte, nach 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn erreichte 1,19 Milliarden Euro. Auch der Free Cashflow vor Steuern kletterte kräftig auf 2,32 Milliarden Euro, was das Unternehmen auf höhere zahlungswirksame Gewinne und Kundenanzahlungen zurückführt.
Prognose, Windkraft-Turnaround und Umbau
Auf dieser Basis hatte der Konzern seine Jahresprognose bereits im Mai angehoben und mit den Quartalszahlen bestätigt. Sie sieht ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent vor, die im oberen Bereich liegen soll. Beim Nettogewinn peilt Siemens Energy rund 4 Milliarden Euro an, beim Free Cashflow vor Steuern rund 8 Milliarden Euro.
Zum besseren Gesamtbild trägt auch die frühere Problemsparte bei. Siemens Gamesa meldete erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis und lag damit auf Kurs zum angestrebten Break-even im Geschäftsjahr 2026. Ob er gelungen ist, zeigen die Jahreszahlen.
Parallel schärft Siemens Energy sein Profil. Im August kündigte der Konzern an, den Bereich "Transformation of Industry" zu verselbstständigen und zu entkonsolidieren, dabei aber eine bedeutende Minderheitsbeteiligung zu behalten. Künftig sollen Stromerzeugung und Stromübertragung im Mittelpunkt stehen, also jene Geschäfte, die derzeit am schnellsten wachsen.
Analystenbild bleibt positiv für die Siemens Energy-Aktie
Im September legte der Konzern für seine Aktionäre nach: Er beschloss eine dritte Rückkauftranche von bis zu 2 Milliarden Euro, die bis spätestens Ende März 2027 laufen kann. Sie gehört zum Programm von bis zu 6 Milliarden Euro bis zum Geschäftsjahr 2028. Die Deutsche Bank wertete den Rückkauf als sehr positives Signal vor den Jahreszahlen und stufte die Aktie mit Buy und einem Kursziel von 210 Euro ein. Noch optimistischer ist Evercore ISI, das die Aktie ebenfalls zum Kauf empfiehlt und ein Kursziel von 250 Euro ausgegeben hat. Auch die Mehrheit der übrigen Analysten bewertet die Siemens Energy-Aktie positiv.
Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten
Für Anleger spricht einiges für Siemens Energy: Der Auftragsbestand verschafft dem Konzern eine Sichtbarkeit bei Umsatz und Auslastung, die über mehrere Jahre reicht. Der Rückkauf stützt den Gewinn je Aktie, und die Verselbstständigung von "Transformation of Industry" könnte zusätzlichen Wert heben. Die hohen Erwartungen bergen allerdings auch Fallhöhe. Nicht alle Analysten teilen die Zuversicht: Barclays stuft die Aktie mit Underweight und einem Kursziel von 130 Euro ein. Die Bank hält es für möglich, dass Auftragseingang und Free Cashflow bereits 2026 ihren Höhepunkt erreichen. Bei Siemens Gamesa brach der Auftragseingang im dritten Quartal auf rund 1,05 Milliarden Euro ein, nach 4,89 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Für das Gasgeschäft erwartet das Management im vierten Quartal einen saisonal ruhigeren Verlauf. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der neuen Gasturbinenaufträge auf Rechenzentrumsbetreiber und Kunden aus dem Nahen Osten entfiel. Das macht die Aktie anfällig für Zweifel am Tempo des KI-Ausbaus.
Umso mehr Gewicht haben die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, die vorläufig für den 11. November erwartet werden. Dann zeigt sich, ob die Prognose gehalten wurde, ob Siemens Gamesa den Break-even geschafft hat und wie der Ausblick für das Folgejahr ausfällt. Vor allem der Ausblick dürfte entscheiden, ob der Markt den Rekord beim Auftragseingang als Ausgangspunkt für weiteres Wachstum oder als Höhepunkt des Zyklus liest.
Die Siemens Energy-Aktie, die im bisherigen Jahresverlauf bereits über 20 Prozent zugelegt hat, zeigt sich im XETRA-Handel am Mittwoch mit einem Abschlag von 3,36 Prozent auf 142,48 Euro. Damit gehört die Aktie zeitweise zu den schwächsten Werten im DAX.
Claudia Stephan, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar.
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Bildquellen: Siemens Energy AG, Siemens Energy AG
