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Trotz Fed-Zinsschritt über 4.000 Dollar: Warum der Goldpreis alle Regeln der Lehrbücher bricht


Trotz Fed-Zinsschritt über 4.000 Dollar: Warum der Goldpreis alle Regeln der Lehrbücher bricht

Nach einem Rechenmodell des World Gold Council müsste Gold nach der Zinserhöhung der Fed unter 4.000 US-Dollar gefallen sein, doch der Markt spielt nach anderen Regeln.

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  • Fed hat am 16. September erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht
  • Notenbanken kauften im zweiten Quartal 2026 rund 289 Tonnen Gold
  • Goldminen arbeiten hochprofitabel, spüren aber jeden Rückgang beim Goldpreis
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Die US-Notenbank strafft ihre Geldpolitik, der US-Dollar zieht an und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen klettert, doch Gold hält sich mit rund 4.137 US-Dollar weit über dem Niveau, das die klassische Zinslogik vorgibt (Stand: 04.10.2026). Nach Modellrechnungen des World Gold Council, auf die Kitco verweist, kostet jeder Renditeanstieg um 25 Basispunkte das Edelmetall unter sonst gleichen Bedingungen rund 1,75 Prozent. Nach dieser Rechnung müsste die Feinunze klar unter 4.000 US-Dollar liegen. Kitco deutet die Widerstandskraft als Zeichen dafür, dass sich der Goldmarkt grundlegend verändert hat.

Die Fed erhöht erstmals seit 2023 die Zinsen

Den Takt gibt die Federal Reserve vor. Am 16. September hob sie den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Erhöhung seit Juli 2023. Die Prognosen der Notenbanker sehen den Leitzins Ende 2026 im Median bei 4,1 Prozent und damit einen weiteren Schritt bis zum Jahresende. Nach der alten Lehrbuchlogik ist das Gift für Gold: Steigende Realrenditen verteuern das Halten einer Anlage ohne laufenden Ertrag, und ein festerer US-Dollar kommt als Gegenwind hinzu. Dennoch bleiben die Verluste gemessen an diesem Gegenwind überschaubar.

Notenbanken kaufen, westliche Fondsanleger ziehen ab

Die Stütze kommt aus einer Richtung, die kaum auf Zinsen reagiert. Im zweiten Quartal 2026 kauften Notenbanken nach Daten des World Gold Council 289 Tonnen Gold und kehrten damit nach einem schwächeren Jahresauftakt auf das hohe Niveau zurück, das seit 2022 üblich ist. So robust, wie Kitco die Nachfrage über börsengehandelte Goldfonds beschreibt, war das Bild allerdings nicht. Dieselben Fonds verloren im Quartal 45 Tonnen, in Nordamerika vor allem wegen höherer Erwartungen an Inflation und Zinsen sowie eines stärkeren US-Dollar. Westliche Finanzanleger folgen der Zinslogik also weiterhin, Notenbanken dagegen kaum. Der World Gold Council erwartet, dass die Nachfrage aus Asien auch künftig das Gegengewicht zu den schwankenden Fondsströmen im Westen bildet.

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Warum hohe Renditen für Gold zweischneidig sind

Kitco verweist zudem auf eine US-Staatsverschuldung von inzwischen mehr als 40 Billionen US-Dollar. Jeder Prozentpunkt mehr an durchschnittlichen Finanzierungskosten würde nach der Rechnung von Kitco, umgelegt auf den gesamten Schuldenstand, auf Dauer rund 400 Milliarden US-Dollar zusätzliche Zinslast pro Jahr bedeuten. Er folgert daraus, dass dieselben Kräfte, die die Renditen treiben, also hartnäckige Inflation, wachsende Schulden und Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen, zugleich die Argumente für Gold stärken. Letztlich hält er nur zwei Auswege für denkbar: Entweder kühlt die Konjunktur so weit ab, dass Renditen und Zinserwartungen sinken, oder die Zinsen bleiben hoch und legen die Verwundbarkeit durch die Schuldenlast offen. Weitere Verluste bei steigenden Renditen und festerem US-Dollar schließt er ausdrücklich nicht aus.

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger verschiebt sich damit der Blickwinkel. Wer Gold hält, setzt weniger auf fallende Zinsen als auf eine Nachfrage, die von Notenbanken und von Sorgen um die Staatsfinanzen getragen wird. Kurzfristig bleibt das Edelmetall trotzdem zinsempfindlich, denn die Fondsanleger im Westen reagieren weiterhin auf jede Verschiebung der Zinserwartungen. Die veränderte Logik federt Zinsschocks ab, sie hebt sie aber nicht auf.

Noch deutlicher zeigt sich das bei Goldminenaktien. Newmont meldete im Juli für das zweite Quartal einen Free Cashflow von 2,2 Milliarden US-Dollar nach 1,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal, bei Gesamtkosten von 1.621 US-Dollar je Unze. Doch schon niedrigere realisierte Preise für Gold und Silber ließen den operativen Cashflow vor Veränderungen im Working Capital gegenüber dem Vorquartal um 24 Prozent auf 3,0 Milliarden US-Dollar schrumpfen. Der Hebel der Produzenten wirkt also in beide Richtungen.

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Anleger dürften nun den nächsten Zinsentscheid der Fed am 28. Oktober abwarten. Er dürfte zeigen, ob die Notenbank den angedeuteten zweiten Zinsschritt bereits im Oktober geht und wie fest die Zinslogik den Goldpreis dann noch im Griff hat.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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