Nach 65 Prozent Plus kommt der Rückschlag für die Infineon-Aktie - Wie viel Potenzial bleibt?
Die Infineon-Aktie gerät am Mittwoch deutlich unter Druck. Steigende Ölpreise und hohe Anleiherenditen belasten den gesamten Technologiesektor.
Werte in diesem Artikel
- Infineon gehört zu schwächsten DAX-Werten
- Steigende Ölpreise und Anleiherenditen belasten Chipwerte weltweit
- Analysten sehen mehrheitlich Kurspotenzial, Kursziele reichen von 60 bis 102 Euro
Die Aktie des Halbleiterkonzerns Infineon rutscht im Mittwochshandel auf XETRA zeitweise um 4,82 Prozent auf 61,56 Euro ab und gehört damit zu den schwächsten DAX-Werten. Eine Unternehmensnachricht steckt nicht dahinter. Belastend wirkt vielmehr ein Marktumfeld, in dem steigende Ölpreise, hohe Anleiherenditen und das Warten auf das Fed-Protokoll Anleger zu Gewinnmitnahmen bewegen.
Ölpreis und Anleiherenditen drücken auf die Stimmung
Den Ton gaben bereits die asiatischen Börsen vor, die unter hohen Anleiherenditen und steigenden Ölpreisen litten. Auslöser des Ölpreisanstiegs waren Raketen- und Drohnenangriffe der Huthi-Miliz auf Energieanlagen von Saudi Aramco.
Teureres Öl verschärft ein Problem, das die Märkte ohnehin beschäftigt. In der Eurozone stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent, den höchsten Stand seit drei Jahren, vor allem wegen hoher Energiepreise. Entsprechend hoch bleiben die Renditen: Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am Mittwoch bei rund 5,3 Prozent, dreißigjährige bei über 5,6 Prozent. Für wachstumsstarke und hoch bewertete Titel wie Chipwerte ist das ein Gegenwind, weil steigende Zinsen künftige Gewinne weniger wert machen. Vor der Veröffentlichung des Protokolls der US-Notenbank halten sich Anleger zusätzlich zurück.
Kräftige Schwankungen seit Freitag
Wie nervös der Markt bei Infineon ist, zeigt der Kursverlauf der vergangenen Tage. Am Freitag war die Aktie ohne Unternehmensnachricht der stärkste DAX-Wert gewesen, am Montag gab sie wieder nach und zog weitere deutsche Chipwerte mit nach unten. Nach einer Erholung am Dienstag sind nun erneut Verluste zu sehen.
Von operativer Seite erhielt Infineon jüngst Rückenwind. Zuletzt hat der Konzern einen Backend-Standort in Bangkok eröffnet und die Übernahme von C2i Semiconductors abgeschlossen, die sein Geschäft mit der Stromversorgung von KI-Rechenzentren stärkt. Gegen das schwache Umfeld konnten sich diese Meldungen jedoch nicht durchsetzen.
Was Infineon selbst in Aussicht stellt
Gerade das KI-Geschäft ist der Kern der Investmentstory. Mit den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal meldete Infineon einen Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro und eine Segmentergebnis-Marge von 19,1 Prozent. Für das inzwischen abgelaufene Geschäftsjahr stellte der Konzern einen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro und eine Segmentergebnis-Marge von rund 20 Prozent in Aussicht. Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bleiben laut CEO Jochen Hanebeck der wichtigste Wachstumstreiber.
Parallel strafft Infineon sein Portfolio. Im September vereinbarte der Konzern den Verkauf des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts an Winbond für 1,12 Milliarden US-Dollar in bar. Der Abschluss wird in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet.
Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich
Die Tagesschwäche ändert wenig an der Einschätzung der meisten Analysten. Barclays bestätigte am Dienstag die Einstufung Buy mit einem Kursziel von 90 Euro. Jefferies sieht die Aktie unterdessen bei einem Kursziel von 96 Euro ebenfalls als Kauf. Auch andere Analysten bleiben für die Infineon-Aktie zuversichtlich – trotz einer deutlichen positiven Kursentwicklung von +65 Prozent seit Jahresstart.
Ob sich die Zuversicht bestätigt, zeigt sich mit den Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr: Dann wird sich zeigen, ob Infineon die Jahresziele erreicht hat und wie der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr ausfällt.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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