Infineon-Aktie nach Kurssprung unter Druck: Warum auch AIXTRON, Siltronic und SUSS MicroTec bremsen
Die Infineon-Aktie hat am Freitag kräftig zugelegt, steht zum Wochenstart aber wieder unter Druck. Auch andere Chiptitel rutschen ab. Das steckt dahinter.
Werte in diesem Artikel
- Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht hatte am Freitag die Zinssorgen gedämpft
- Zum Wochenstart rücken Anleiherenditen und Ölpreis wieder in den Fokus
- Nächste Bewährungsprobe sind die eigenen Zahlen im November
Die Infineon-Aktie gab am Montag auf XETRA letztlich 1,81 Prozent auf 63,47 Euro nach, nachdem sie am Freitag ohne eigene Unternehmensnachricht der stärkste DAX-Wert gewesen war. Auch AIXTRON, Siltronic, SUSS MicroTec und JENOPTIK rutschen ab. Ein neuer Auslöser fehlt, stattdessen rücken nach der Erholung zum Wochenschluss die hohen Anleiherenditen und der Ölpreis wieder in den Vordergrund.
Warum die Infineon-Aktie am Freitag davonzog
Der US-Arbeitsmarktbericht war mit 29.000 neuen Stellen deutlich schwächer ausgefallen als die erwarteten 90.000. Nach Einschätzung der Landesbank Helaba könnten die Daten die Erwartungen an steigende US-Leitzinsen etwas dämpfen. Davon profitierten zinssensible Technologiewerte besonders, Chiptitel führten die Gewinnerlisten an. Dazu kamen Signale von Micron zum KI-Boom, die die gesamte Branche anschoben.
Warum der Schwung am Montag fehlt
Aus Asien kommt der Gegenwind für Chipaktien unterdessen diesmal nicht: In Tokio waren Technologiewerte zum Wochenauftakt gefragt, gestützt von den guten US-Vorgaben. Die Bremse sitzt an den Anleihemärkten. "Für Kopfzerbrechen dürfte weiterhin die Entwicklung der Anleihemärkte dies- und jenseits des Atlantiks sorgen", sagte Timo Emden, Chefmarktanalyst bei CapTrader laut dpa. Ölpreis und Anleiherenditen seien derzeit die entscheidenden Faktoren für die Börsen, zusätzlichen Druck bringt die Inflation in der Eurozone, die im September vor allem wegen hoher Energiepreise auf 3,8 Prozent gestiegen ist, den höchsten Stand seit drei Jahren.
Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg, sieht steigende Renditen nicht per se als Belastung, solange die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unter 5 Prozent liegt. Diese Marke hat sie inzwischen deutlich überschritten, zuletzt aber stabilisiert. Für hoch bewertete Wachstumswerte wie Chipaktien wiegt das besonders schwer, weil ihre künftigen Gewinne bei höheren Zinsen stärker abgezinst werden. Nach dem Kurssprung vom Freitag fehlt zudem der Anlass, die Gewinne sofort auszubauen.
Was bei Infineon fundamental zählt
Im Fokus stehen die Erwartungen für das vierte Geschäftsquartal. Mit den Zahlen zum dritten Quartal hatte der Chipkonzern einen Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das laufende Quartal stellte Infineon bei einem angenommenen Euro-Dollar-Kurs von 1,15 rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht, die Segmentergebnis-Marge soll von 19,1 auf etwa 23 Prozent steigen. Treiber sind Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren, dazu meldete das Unternehmen mehrjährige Kapazitätsreservierungen mit KI-Kunden im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich.
Spannende Handelswoche voraus
Neue Impulse für die Branche könnten schon diese Woche kommen: Am Dienstag lädt Marvell Technology zu einer Anlegerveranstaltung, am Donnerstag legt der Auftragsfertiger TSMC Umsatzzahlen für die ersten neun Monate vor. Der nächste belastbare Datenpunkt für Infineon selbst sind die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal im November, die zeigen werden, ob Umsatz und Marge die hohen Erwartungen tragen.
Claudia Stephan, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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