Rheinmetall-Aktie: BVB-Deal wackelt - doch Anleger blicken auf etwas anderes
Beim BVB gibt es offenbar eine Tendenz gegen die Verlängerung des Rheinmetall-Deals, doch für den Konzern bleibt die Partnerschaft ein Thema mit Rückhalt.
Werte in diesem Artikel
- Beim BVB wächst offenbar die Skepsis gegenüber dem umstrittenen Sponsor
- Rheinmetall wertet die Partnerschaft weiter als Erfolg für Marke und Team
- Analysten sehen den Rüstungskonzern überwiegend positiv
Beim Fußball-Bundesligisten BVB gibt es laut einer Exklusivmeldung der Sport Bild eine Tendenz, den 2027 auslaufenden Sponsoringvertrag mit Rheinmetall nicht zu verlängern. Beschlossen ist nichts.
Fans als Hauptgrund
Als Hauptgrund nennt die Sport Bild das Verhältnis zum eigenen Anhang. Carsten Cramer, Vorsitzender der Geschäftsführung, betone die Geschlossenheit im Klub und gelte als entscheidende Figur.
Der Widerstand der Basis ist dokumentiert: Auf einer Mitgliederversammlung stimmten 65 Prozent der 855 teilnehmenden Mitglieder gegen die Vereinbarung, zudem protestierten Fans mit Bannern im Stadion.
Rheinmetall hält an der Partnerschaft fest
Auf Anfrage der Sport Bild bewertete der Rüstungsriese Rheinmetall die Partnerschaft als Erfolg. Sie stärke die Sichtbarkeit als Technologiekonzern und attraktiver Arbeitgeber, in der Belegschaft herrsche große Begeisterung. Genannt wurden ein offizieller Fanclub und Fußballcamps für ukrainische Kinder.
Über eine Verlängerung über 2027 hinaus und den Umfang des Engagements wolle man gemeinsam mit dem BVB entscheiden, ebenso über den Zeitpunkt. Einen Termin für Gespräche gibt es dem Bericht zufolge noch nicht.
Die Partnerschaft war Ende Mai 2024 mit drei Jahren Laufzeit angekündigt worden. Rheinmetall erhielt als Champion Partner Werbeflächen, Vermarktungsrechte sowie Hospitality-Angebote. Der Vertrag soll dem BVB je nach sportlichem Erfolg bis zu 10 Millionen Euro jährlich bringen, was nicht offiziell bestätigt ist.
Was der BVB für Rheinmetall bedeutet
Finanziell spielt das Engagement für Rheinmetall kaum eine Rolle. Selbst die kolportierten bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr entsprechen weniger als 0,1 Prozent des für 2026 angepeilten Konzernumsatzes. Beim Ruf könnte das anders sein. Bei der Bekanntgabe nannte Rheinmetall als Ziel, die Marke im In- und Ausland bekannter zu machen, und stellte die gemeinsame Verwurzelung in Nordrhein-Westfalen heraus - es war zudem das erste Sponsoring eines Rüstungskonzerns in der Fußball-Bundesliga. Für Rheinmetall ist der BVB damit vor allem ein Instrument, um die eigene Branche gesellschaftlich sichtbarer zu machen und sich im Wettbewerb um Fachkräfte als Arbeitgeber zu präsentieren. Ein Ausstieg des Klubs mit Verweis auf die eigenen Fans würde vor allem diese Botschaft beschädigen.
Geschäft, Risiken und Analysten
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Rheinmetall-Umsatz eigenen Angaben zufolge um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand lag Ende Juni 2026 bei 80,5 Milliarden Euro. Die Umsatzprognose für 2026 senkte der Konzern nach dem F126-Aus um 300 Millionen Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Als Risiko bleibt diese gesenkte Prognose, hinzu kommt der mögliche Imageschaden durch den Fanprotest.
Die Deutsche Bank sieht die Aktie unterdessen weiter mit Buy bei einem Kursziel von 1.800 Euro. Bernstein traut dem Anteilsschein mit 1.900 Euro sogar noch deutlich mehr zu.
Was das für Anleger bedeutet
Für die Bewertung der Rheinmetall-Aktie dürfte ein mögliches Sponsoring-Aus kaum ins Gewicht fallen. Kurstreibend bleiben Auftragseingang, Margen und die Frage, ob der Konzern die gesenkte Umsatzprognose erreicht. Mehr Aufschluss darüber liefern die Zahlen im November. Die Debatte um den BVB zeigt aber, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Rüstungsunternehmen trotz Zeitenwende nicht selbstverständlich ist. Für Anleger, die auf Nachhaltigkeitskriterien achten, bleibt das ein Faktor, der den Investorenkreis begrenzen kann.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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