ACV Auctions-Aktie +45% auf Höhenflug: Copart übernimmt Auktionsspezialisten in Milliardendeal
Copart kauft ACV Auctions für einen Milliardenbetrag komplett und die Aktie des Auktionsspezialisten profitiert massiv vor dem Wochenende.
Werte in diesem Artikel
- Copart kauft ACV Auctions für Milliardenbetrag komplett in bar
- 10,50 US-Dollar je Aktie sind rund 45 Prozent Aufschlag zum Basiskurs
- Deal soll bis Jahresende 2026 stehen und ab 2028 den Gewinn je Aktie heben
ACV-Aktie profitiert von Nachricht zu Übernahme
Copart greift nach dem digitalen Auktionsanbieter ACV Auctions und zahlt dafür rund 1,9 Milliarden US-Dollar in bar. Der Konzern übernimmt sämtliche Aktien von ACV zu 10,50 US-Dollar je Anteilsschein und rückt damit in ein Geschäftsfeld vor, das er bislang kaum bespielt. Die Copart-Aktie notiert heute an der NASDAQ 2,91 Prozent tiefer bei 29,86 US-Dollar, nach einem deutlichen Plus im vorbörslichen Handel. Derweil schießt die ACV-Aktie an der NYSE zeitweise fast 45 Prozent auf 10,43 US-Dollar nach oben und nähert sich damit dem Angebotspreis an.
Übernahme per Barangebot - Abschluss bis Jahresende geplant
Copart hat die Transaktion am Donnerstag nach US-Börsenschluss angekündigt. Die Struktur ist schlank. Über eine Tochtergesellschaft startet Copart ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden ACV-Aktien zu 10,50 US-Dollar je Papier, anschließend verschmilzt die Tochter mit ACV, verbliebene Aktien werden zum selben Preis abgefunden. Der Preis entspricht einem Aufschlag von rund 45 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs vom Vortag, dem letzten Handelstag vor ersten Medienberichten über einen möglichen Deal, und von rund 41 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der 30 Tage bis zum 9. September. Finanziert wird der Zukauf vollständig aus vorhandenen Barmitteln, ohne Finanzierungsvorbehalt. Beide Boards stimmten einstimmig zu, der Abschluss wird bis zum Jahresende erwartet. Daneben legte Copart gestern die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtgeschäftsjahr 2026 vor.
Der strategische Hebel liegt im Händlergeschäft
Für Copart ist ACV weniger Konkurrent als fehlendes Puzzlestück. Das Kerngeschäft des Konzerns sind Auktionen von Unfall- und Totalschadenfahrzeugen für Versicherer, das Feld der Wiedervermarktung zwischen Händlern hat Copart bislang kaum besetzt. Genau dort ist ACV mit einer digitalen Plattform für den Großhandel etabliert und liefert dem Käufer einen sofort skalierten Zugang zum Dealer-to-Dealer-Geschäft. Dazu kommen ACVs datengetriebene Werkzeuge, von der Fahrzeuginspektion über Zustandsdaten bis zu KI-gestützten Bewertungsmodellen. Copart bringt im Gegenzug seine physische Infrastruktur mit mehr als 250 Standorten und ein globales Käufernetzwerk ein. Gemeinsam entsteht laut Mitteilung eine durchgängige, vollständig digitale Remarketing-Plattform über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus, von der Inzahlungnahme bis zum internationalen Weiterverkauf.
ACV wächst - schreibt aber noch rote Zahlen
ACV ist ein wachsender, aber noch defizitärer Betrieb. Im zweiten Quartal 2026 kam die Gesellschaft auf einen Rekordumsatz von 214 Millionen US-Dollar, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA lag mit 21 Millionen US-Dollar über der eigenen Prognosespanne, unter dem Strich stand ein GAAP-Verlust von 8 Millionen US-Dollar nach 7 Millionen im Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2026 stellt ACV 845 bis 855 Millionen US-Dollar Umsatz in Aussicht, ein Wachstum von 11 bis 13 Prozent. Getragen wird das Plus von höheren Preisen und Zusatzdiensten, denn die Zahl der gehandelten Fahrzeuge und das Transaktionsvolumen traten zuletzt weitgehend auf der Stelle. Für Copart soll der Zukauf im ersten vollen Jahr ergebnisneutral bleiben und ab dem Geschäftsjahr 2028 den Gewinn je Aktie steigern.
Wo die Risiken für ACV- und Copart-Anleger liegen
Zwei Punkte bleiben offen. Erstens der Vollzug. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt, dass genügend Aktien angedient werden und die kartellrechtliche Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino-Gesetz abläuft, zudem kann ein konkurrierendes Gebot für ACV auftauchen. Zweitens die Integration. Der Deal hebt den Gewinn je Aktie erst ab 2028, die erwarteten Synergien über Händler, Gewerbe und Endkunden müssen sich erst materialisieren, und Copart baut ein Geschäftsmodell an, das mit dem angestammten Auktionsgeschäft nur teilweise deckungsgleich ist. Für ACV-Aktionäre ist der Preis bei 10,50 US-Dollar zugleich gedeckelt. Der Anteilsschein handelt bereits nahe am Angebot, das Aufwärtspotenzial ist damit weitgehend ausgereizt, während ein Scheitern die Prämie wieder kosten würde.
Nun bleibt der formale Start des Übernahmeangebots abzuwarten. Mit ihm reichen Copart eine Angebotsunterlage (Schedule TO) und ACV eine Stellungnahme (Schedule 14D-9) bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, dort werden Bedingungen und Zeitplan im Detail sichtbar. Ob der angepeilte Abschluss bis Jahresende 2026 hält, entscheidet dann vor allem das Tempo der kartellrechtlichen Prüfung.
Julia Walter, Bettina Schneider, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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