Niedrigwasser: Chemiebranche warnt vor Produktionskürzungen


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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Chemieindustrie warnt vor Produktionskürzungen wegen des Niedrigwassers im Rhein und anderen Flüssen. "Wenn Schiffe weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen Kosten, Lieferketten geraten unter Druck und es kommt zu Produktionseinschränkungen", sagte Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, der Deutschen Presse-Agentur.

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Zwar seien Chemie- und Pharmaunternehmen auf Niedrigwasser vorbereitet, aber Notfallpläne ersetzten keine funktionierende Infrastruktur. "Der Investitionsstau bei den Wasserstraßen muss endlich weg", forderte er vor einer Fachkonferenz zum Niedrigwasser, zu der Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) heute in Bonn eingeladen hat.

Tiefer baggern allein reiche nicht, sagte Große Entrup. "Wenn kein Wasser da ist, hilft auch die tiefste Fahrrinne nicht". Deutschland brauche ein Verkehrsnetz, das auch in Extremlagen funktioniere: "robuste Wasserstraßen, leistungsfähige Schienen und Straßen und echte Ausweichmöglichkeiten für die Industrie."

Niedrigwasser könnte Wirtschaft Milliarden kosten

Das Niedrigwasser im Rhein, einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas, und anderen Flüssen setzt der deutschen Wirtschaft zu. Schiffe können weniger laden, was die Transportkosten für die Industrie hoch treibt. Nach Schätzung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft könnte das Niedrigwasser im dritten Quartal zwischen ein 1 und 2 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten und das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen.

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In der Chemie, wo Konzerne wie BASF, Evonik und Covestro am Rhein sitzen angesiedelt sind, werden Chemikalien in großem Stil übers Wasser transportiert - darunter Methanol oder Flüssiggase wie Butan, Propan und Ammoniak. 2024 wurden nach jüngsten Daten rund 20 Millionen Tonnen Chemie-Erzeugnisse per Binnenschiff befördert. BASF etwa transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk Ludwigshafen per Schiff und verlagert nun Güter teils auf Lkws und die Schiene.

Sanierung bei Bahn erschwert Verlagerung auf Schiene

Zwar sei die Industrie mit besseren Wasserstandprognosen und speziellen Schiffen für Niedrigwasser gerüstet, so der VCI. "Extrem niedrige Pegelstände beeinträchtigen die Schifffahrt jedoch weiterhin stark, was die Logistik erschwert und verteuert und besonders bei länger anhaltendem Extrem-Niedrigwasser zu Einschränkungen der Produktion führen kann."

Derzeit erschwere zudem die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite das Verlagern von Transporten auf die Schiene. Dadurch stünden zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet nur die zwei Gleise der linksrheinischen Strecke zur Verfügung, sonst seien es vier Gleise. Auf der anderen Seite steckt die Chemiebranche schon länger in der Krise, was die Produktion dämpft - so muss auch weniger transportiert werden.

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Der VCI fordert schon länger das Beseitigen von Engstellen in der Rheinrinne, um Transporte per Schiff zu erleichtern. Komplexe Verfahren sowie Personalmangel in der Verwaltung verzögerten die erwartete Realisierung bis in die 2030er Jahre, kritisiert der Verband./als/DP/zb

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