Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed


WASHINGTON (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Federal Reserve hebt wegen der hartnäckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins an. Dieser steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Fed-Zentralbankrat mitteilte. Notenbank-Chef Kevin Warsh gerät damit auf Konfrontationskurs mit Donald Trump, nachdem die Fed seit Monaten nichts geändert hatte und die Forderungen des US-Präsidenten nach niedrigeren Zinsen wirkungslos geblieben waren.

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Einschätzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Beschlüssen im Überblick:

Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank

"Die Fed hat heute die Leitzinsen in einer einstimmigen Entscheidung um 25 Basispunkte angehoben, um das Erreichen des Inflationsziels zu beschleunigen. Ausschlaggebend für die Zinserhöhung war wohl die angespannte Lage am Anleihemarkt, der ein Stillhalten vermutlich sehr übel genommen hätte. Wir passen unsere Fed-Prognose an und erwarten für Dezember eine weitere Leitzinserhöhung."

Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg

"Jetzt macht die Fed auch unter der Leitung von Kevin Warsh das Gegenteil dessen, was sich US-Präsident Trump wünscht. Die erneute Konfrontationen zwischen Fed und Weißem Haus war indes absehbar, da die vom Nahost-Konflikt herkommenden Inflationsrisiken in den vergangenen Wochen gewachsen sind. Zudem haben die Inflationsdaten für August nicht die Fortschritte beim Zurückdrängen der unterliegenden US-Teuerung gezeigt, welche der Fed-Chef faktisch als Voraussetzung für ein Stillhalten genannt hatte. Im Grunde blieb der Notenbank daher keine andere Wahl, als die Geldpolitik zu straffen, sofern sie keinen massiven Schaden an ihrer Glaubwürdigkeit riskieren wollte. Dass es zu einer baldigen weiteren Leitzinsanhebungen kommen wird, ist damit zwar noch nicht ausgemacht. Die fehlende Aussicht auf eine zeitnahe Wiederöffnung der Straße von Hormus weist derzeit jedoch in Richtung einer weiteren Straffung im vierten Quartal. Die Unsicherheit bleibt bei alldem überaus hoch."

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Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

"Wir teilen die Ansicht der Fed?Offiziellen. Sollte es zu einer Beruhigung der Lage im Persischen Golf kommen, werden die Ölpreise merklich fallen. Im kommenden Jahr käme es dann zu statistischen Basiseffekten und merklich rückläufigen Teuerungsraten. Deutliche Zinserhöhungen sind bei diesem Szenario nicht angebracht. Die Fed tut gegenwärtig gut daran, lediglich den Leitzins behutsam zu adjustieren."

Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader

"Wie erwartet hat die US-Notenbank das Leitzinsniveau um 25 Basispunkte nach oben geschraubt. Alles andere als ein Drehen an den Zinsschrauben nach oben wäre eine große Überraschung gewesen. Nun stellt sich die Frage, wie stark der geldpolitische Gegenwind in den kommenden Monaten auffrischt.

Die Fed sorgt zwar für keinen Paukenschlag, allerdings für den nächsten Takt im Börsenorchester. Für Kevin Warsh dürfte es ein schwieriger Spagat bleiben, auf der einen Seite die Inflation nachhaltig zu bekämpfen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen."

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Samuel Tombs, Chief US Economist Pantheon Macroeconomics

"Insgesamt gerät unsere Einschätzung, dass die heutige Zinserhöhung eine einmalige Anpassung und nicht der Beginn einer längeren Straffungsphase ist, bereits unter Druck. Wir können eine weitere Zinserhöhung im Oktober oder Dezember sicherlich nicht ausschließen, insbesondere da die Energiepreise so empfindlich auf Ereignisse im Nahen Osten reagieren. Doch angesichts des nachlassenden Lohnwachstums, des nachlassenden positiven Impulses durch die Fiskalpolitik, der durch KI gebremsten Beschäftigungsentwicklung und der zu erwartenden Rückgänge bei den Nicht-KI-Investitionen als Reaktion auf den starken Anstieg der langfristigen Kreditkosten fehlen die Voraussetzungen für anhaltend hohe Zinsen."/jsl/zb

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