Porsche-Aktie im Minus: Angebot mit margenstarken Autos möglicherweise vor Ausbau - Fokus auf Kosten
Porsche will zwar weiterhin den Fokus auf die Kosten legen, könnte aber künftig auch das Angebot von Sportwagen mit guter Marge ausbauen.
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Porsche denke über eine Ausweitung des Produktportfolios in margenstärkeren Segmenten nach, erklärte CEO Michael Leiters anlässlich der Hauptversammlung laut Redetext. "Da geht es um Modelle und Derivate sowohl oberhalb unserer heutigen zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne."
Aktuell sei die Lage des Sportwagenherstellers aber weiter "herausfordernd", so der Manager. Das Unternehmen erarbeite eine Strategie, die zu einer "nachhaltig gesunden Profitabilität" führe. "Wir schauen dafür sehr genau auf unser Portfolio, auf unsere Kosten und unsere Komplexität." Das Portfolio sei zu komplex geworden. Leiters betonte, dass die Neuausrichtung von Porsche aber nicht in ein paar Monaten erledigt sein werde. "Deswegen ist mir wichtig, dass wir den gleichen realistischen Blick auf Tempo und Erwartungen haben". Kurzfristig werde es keine Rückkehr zu den Margen geben, die man aus der Vergangenheit kenne.
Von Aktionären kam bereits im Vorfeld der Aktionärsversammlung Kritik. "Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen", erklärte Ingo Speich von Deka. "Die Aktie hat sich seit dem Börsengang inklusive Dividenden 55 Prozentpunkte schlechter als der europäische Branchenindex Stoxx und 144 Prozentpunkte schlechter als der DAX entwickelt, nicht nur ein Rückschlag, sondern ein massiver Vertrauensverlust des Kapitalmarkts." Das sei das Resultat "klar verfehlter Zielsetzungen, unzureichender Steuerung und einer Governance, die zu lange nicht eingegriffen hat."
Zum Börsengang seien drei zentrale Versprechen abgegeben worden. Drei Kernziele, die Porsche als wachstumsstarkes, hochprofitables Luxusunternehmen positionieren sollten. "Heute müssen wir feststellen: Alle drei Ziele wurden nicht nur verfehlt - sie haben sich deutlich ins Gegenteil verkehrt", so Speich. Es gebe aber einen Hoffnungsschimmer. Deka begrüße die eingeleiteten Schritte des neuen Managements, wie Restrukturierung der Kapazitäten, Bereinigung der Modellpalette oder die Fokussierung des Portfolios.
Porsche-Aktionäre rechnen ab: 'Ein Scherbenhaufen'
Nach dem Krisenjahr 2025 haben die Porsche-Aktionäre mit der Führung des Sportwagenbauers abgerechnet. "Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen", sagte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka auf der virtuellen Hauptversammlung des Stuttgarter Unternehmens. Für Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS hat die Porsche-Kapitalmarktstory mit einem starken Überholmanöver begonnen. Zwischenzeitlich sei die Aktie aber auf dem Standstreifen liegengeblieben. Am Dienstag notiert die Porsche-Aktie via XETRA zeitweise 1,15 Prozent tiefer bei 47,39 Euro.
Speich rechnete vor: Seit dem Börsengang 2022 habe sich die Aktie inklusive Dividenden 146 Prozentpunkte schlechter als der DAX entwickelt. Das sei ein Vertrauensverlust des Kapitalmarkts. Alle drei Versprechen des Börsengangs seien nicht nur verfehlt worden, sondern hätten sich ins Gegenteil verkehrt. "Das ist kein zyklischer Dämpfer - das ist ein strukturelles Problem".
Der Unmut der Investoren richtete sich auch gegen den Aufsichtsrat: Kritische Personalentscheidungen seien zu spät getroffen, Ex-Chef Oliver Blume zu lange in einer überlastenden Doppelrolle belassen und die verfehlte Elektro-Strategie des Vorstands nicht ausreichend kontrolliert worden. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sagte, man fühle sich an das Bild der drei Affen erinnert: "Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Man müsste fast sagen, es fehlt der vierte Affe: Nichts verstehen".
Leiters: Verbesserung kommt mit neuen Produkten
Die eingeleitete Restrukturierung des seit Januar amtierenden Porsche-Chefs Michael Leiters begrüßten die Investoren hingegen weitgehend. Dem Manager zufolge steht das Jahr 2026 im Zeichen der Neuausrichtung. Die "deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen", sagte Leiters. Das brauche Zeit.
Gewinneinbruch um 91 Prozent
Aus Porsche - früher die Gewinnperle des Volkswagen-Konzerns - ist 2025 ein Unternehmen im Krisenmodus geworden. Der Überschuss brach um rund 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Ursachen waren das schwächelnde China-Geschäft, die US-Zollpolitik und die geringere Nachfrage nach E-Modellen. Allein der Strategieschwenk, wieder mehr Verbrenner zu entwickeln und zu produzieren, kostete Milliarden. Auch im ersten Quartal ging es weiter bergab. Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte Leiters jedoch.
DOW JONES / STUTTGART (dpa-AFX)
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