Rüstungsboom: KNDS will Tausende neue Jobs schaffen - Zeitplan für IPO wackelt
Der Rüstungskonzern KNDS setzt beim Ausbau seiner Produktion auf zusätzliche Standorte in Deutschland und eine engere deutsch-französische Zusammenarbeit.
Deutschlandchef Florian Hohenwarter nennt im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den neuen Capint-Kampfpanzer als Beispiel: "Diese Lösung bringt Technik aus beiden Ländern zusammen: Der untere Teil dieses Kampfpanzerkonzepts basiert auf dem Leopard 2 von KNDS Deutschland, der Turm kommt auf Wunsch des französischen Militärs von KNDS Frankreich."
Den Produktionshochlauf bei KNDS sollen auch zwei neue Standorte in Deutschland sicherstellen. "In Deutschland werden wir nach jetziger Planung noch zwei zusätzliche Produktionsstätten aufbauen. Ein Standort wird sich der ganzen Produktionskette vom Rohbau bis zum fertigen Fahrzeug widmen, in dem Fall mit dem Schwerpunkt Radfahrzeuge, also Boxer", sagt Hohenwarter. Der zweite Standort werde schwerpunktmäßig ein Schweißstandort sein.
Zu Standortdetails machte er keine Angaben: "Ich möchte nicht spekulieren. Nur so viel: Wir sprechen mit Unternehmen und schauen uns mögliche Standorte an. Es sind aber noch keine finalen Entscheidungen getroffen."
Auch in puncto Jobs soll viel passieren. "Wir rechnen damit, dass sich die Belegschaft von KNDS Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppelt, also 4.000 bis 5.000 Mitarbeiter dazukommen." Hinzu kämen weitere Arbeitsplätze etwa bei Zulieferern.
KNDS ging 2015 aus der Fusion des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann und des staatlichen französischen Rüstungsunternehmens Nexter hervor - damals unter anderem bedingt durch die Kürzungen in den Verteidigungsetats Deutschlands und vieler weiterer europäischer Länder. Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München.
Zeitplan für KNDS-IPO wackelt - Dissens zwischen Bund und Eigentümern
Die Chancen für den Börsengang des deutsch-französischen Panzerkonzerns KNDS noch vor der Sommerpause werden laut einem Pressebericht geringer. Wie die "Börsen-Zeitung" am Mittwoch unter Berufung auf Konzern- und Verhandlungskreise berichtet, liegen die Positionen der Bundesregierung und der deutschen Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens bei den Verhandlungen über einen Anteilsverkauf an den Bund in Höhe von 40 Prozent derzeit "weit auseinander". Dabei geht es vor allem um den Kaufpreis.
Während der Bund sich laut Zeitung an dem beim Bookbuilding des geplanten Börsengangs zu bildenden Marktpreis orientiert, fordern die Vertreter der Familien einen Aufschlag. Eine solche Prämie aus Steuergeldern ließe sich für den Bund kaum rechtfertigen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss zustimmen. Der Gesamtwert von KNDS werde am Markt auf 15 bis 20 Milliarden Euro taxiert, schreibt die "Börsen-Zeitung". Unabhängig von einem Aufschlag würden die Familien um die sieben Milliarden Euro erhalten. Zudem sei der vom Bund geforderte Einfluss auf die Vorstandsbesetzung umstritten, heißt es weiter. Die Bundesregierung hatte sich schon Mitte Mai laut Kreisen gegen einen Paketaufschlag auf den Kaufpreis ausgesprochen.
Durch die festgefahrenen Verhandlungen gerät der Zeitplan für das größte europäische IPO (Initial Public Offering - Erstnotiz) dieses Jahres ins Wanken. Eigentlich müsste die "Intention to Float" (ITF), wie die Absichtserklärung im Fachjargon der Investmentbanker heißt, in wenigen Tagen erfolgen - spätestens bis Dienstag. "Für die ITF sollte feststehen, ob der Bund einsteigt oder nicht", sagt Stefanie Berlinger, Managing Partner beim IPO-Berater Lilja der Zeitung. Für die IPO-Investoren bliebe sonst offen, wer die Großaktionäre des Unternehmens sind.
KNDS ist Hersteller von Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000. Das Unternehmen entstand durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Aktuell befindet sich KNDS im Besitz der deutschen Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens und der französischen Regierung.
BERLIN/FRANKFURT (dpa-AFX)
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