ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax rutscht ins Minus
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax (DAX 30) ist am Donnerstag nach moderaten Anfangsgewinnen ins Minus gerutscht. Mehr als eine Stunde nach Handelsbeginn sank der deutsche Leitindex um 0,51 Prozent auf 12 844,38 Punkte. Als Belastung erwies sich eine Kreise-Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach China bezweifelt, dass mit US-Präsident Donald Trump ein langfristiges Handelsabkommen möglich ist. Trump hatte sich zu diesem Thema zuletzt optimistisch geäußert.
Für den Monat Oktober steuert er auf ein sattes Plus von fast dreieinhalb Prozent zu. Der MDAX für mittelgroße Werte verlor am Donnerstagvormittag 0,40 Prozent auf 26 286,13 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) gab um 0,33 Prozent auf 3608,18 Zähler nach.
Die US-Währungshüter hatten am Mittwochabend zwar wie schon erwartet zum dritten Mal in Folge die Zinsen gesenkt. Sie sendeten aber klare Signale für eine Pause der geldpolitischen Lockerung. "Wir glauben, dass die Geldpolitik gut aufgestellt ist", sagte Notenbankpräsident Jerome Powell nach Veröffentlichung der geldpolitischen Beschlüsse. Allerdings setzt er dabei voraus, dass es keine unerwartete und drastische Veränderung der konjunkturellen Entwicklung geben dürfe.
Der Dax gilt bei Charttechnikern nach seiner Rally zwar nach wie vor als deutlich überkauft. Bei Gewinnmitnahmen finden sich bisher jedoch schnell neue Käufer - wie tags zuvor beim zwischenzeitlichen Rutsch auf 12 830 Punkte. Unterstützung kommt zudem von den Börsen in Übersee: An der Wall Street hatte es der marktbreite S&P-500-Index (S&P 500) zur Wochenmitte auf ein weiteres Rekordhoch geschafft. Auch in Japan legten die Kurse zuletzt zu, obwohl die dortigen Währungshüter bei einem unverändert lockeren geldpolitischen Kurs ihre Wachstumsprognose senkten.
Im Leitindex zählten die Aktien des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer mit erneuten Gewinnen von fast zwei Prozent zu den besten Werten. Händler werteten Aussagen des renommierten Mediators und Experten in Entschädigungsfragen Ken Feinberg in einem Interview mit dem "Handelsblatt" positiv. Feinberg bezweifelt, dass die gestiegene Zahl von Klagen in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter einen Vergleich schwieriger und teurer für die Leverkusener macht. Am Vortag hatten die Aktien bereits von den bekräftigten Jahreszielen des Unternehmens profitiert.
Beim Energieversorger Eon (EON SE) sorgte eine neue Kaufempfehlung des Analysehauses Jefferies für ein ähnlich hohes Kursplus wie bei Bayer. Jefferies-Experte Ahmed Farman hält den Bewertungsabschlag der Eon-Aktie zum Sektor für nicht gerechtfertigt.
Ansonsten wurde das Geschehen am deutschen Aktienmarkt weiter von der laufenden Berichtssaison dominiert. Mangels Dax-Mitgliedern mit Zahlen standen nun vor allem Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe im Fokus.
Unter den MDax-Favoriten war Nemetschek (Nemetschek SE) mit einem Kurssprung von fast vier Prozent zu finden. Der Bausoftwarehersteller begeisterte die Anleger mit deutlichen Umsatz- und Gewinnzuwächsen im dritten Quartal. Deshalb geht das Unternehmen nun auch davon aus, das obere Ende seiner Jahresziele für den Umsatz und die operativen Ergebnismargen (Ebitda) zu erreichten.
Für Rational-Titel (RATIONAL) ging es dank ebenfalls starker Zahlen um über sechs Prozent bergauf an die MDax-Spitze. Analyst Sebastian Künne von der Investmentbank RBC hob die sehr starke Profitabilität im dritten Quartal positiv hervor, wobei der Markt doch eigentlich mit steigendem Kostendruck gerechnet habe. Die zwischenzeitlich angezweifelten Jahresziele schienen nun in Reichweite.
Dagegen rutschten Zalando-Titel (Zalando) mit einem Minus von mehr als vier Prozent ans MDax-Ende. Zwar berichtete der Online-Modehändler ebenfalls über ein starkes Wachstum im vergangenen Quartal. Marktteilnehmer stören sich aber am lediglich bestätigten Jahresausblick. Selbst wenn Zalando das obere Ende seiner Jahresziele erreiche, würde dies einen Rückgang für das operative Ergebnis im Schlussquartal gegenüber dem Vorjahr bedeuten, erklärte Analystin Georgina Johanan von JPMorgan.
Im Nebenwerte-Index SDAX verloren die Aktien von Befesa mehr als anderthalb Prozent. Sie litten darunter, dass der Recyclingspezialist beim operativen Jahresergebnisausblick nun nicht mehr mit einem Wachstum, sondern von einem Rückgang ausgeht./gl/jha/