ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax geht fester aus dem Handel
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FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Kurse am Dienstag zum Teil leicht stabilisiert. Der Leitindex Dax (DAX 30) schloss nach einem schwankungsreichen Tag mit einem Plus von 2,25 Prozent bei 8939,10 Punkten. Kurz zuvor hatte er es in der Spitze noch mit einem Zuwachs von mehr als 3 Prozent über die 9000-Punkte-Markte geschafft. Am Vormittag hatte noch ein Minus von fast vier Prozent zu Buche gestanden. Der MDAX wechselte ebenfalls mehrmals am Tag das Vorzeichen und endete schließlich mit einem Minus von 1,43 Prozent bei 18 954,61 Punkten.
"Derzeit kämpfen die Börsenbullen weiter gegen die Börsenbären und es ist noch kein Gewinner in der aktuellen Situation zu erkennen", kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank das Geschehen. Noch sei zu viel Unsicherheit in den Märkten, so dass sich kein Gewinner halten könne.
Am Montag hatte der Leitindex wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus weitere gut fünf Prozent verloren und war zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit September 2013 eingebrochen.
Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten derzeit in einem Videogipfel über einen geplanten weitgehenden Einreisestopp in die Europäische Union. Die 27 Mitgliedstaaten suchen auch insgesamt weiter nach einer gemeinsamen Linie im Kampf gegen die Pandemie. EU-Ratschef Charles Michel nannte als Themen für den Videogipfel die Beschaffung von Schutzkleidung, die Forschung an Medikamenten und die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Krise. Von der Leyen hatte auch gemeinsame Regeln für die Grenzüberwachung angemahnt.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) stand nach Börsenschluss mit 3,27 Prozent bei 2530,50 Punkten ebenfalls deutlich im Plus. Nach den Kurseinbrüchen der vergangenen Tage wurde es am Dienstag von einigen Börsen verboten, sogenannten Short-Positionen einzugehen. Darunter befinden sich die Handelsplätze in Spanien, Italien und Frankreich, zum Teil zumindest mit einem Verbot für selektive Aktien. Dies machte sich regional bei einigen Aktien positiv bemerkbar, vor allem einige spanische gehörten im EuroStoxx noch zu den Gewinnern.
Der französische Leitindex CAC 40 stieg in Paris um 2,84 Prozent, der britische FTSE 100 gewann ebenfalls knapp 3 Prozent dazu. Und auch in den USA präsentierte sich der Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) zum europäischen Börsenschluss stabiler.
Papiere von MTU (MTU Aero Engines) verloren 5,4 Prozent. Der Triebwerksbauer setzt wegen der möglichen Virusfolgen für sein Geschäft die Dividendenzahlung für das vergangene Jahr aus. Volkswagen (Volkswagen (VW) vz) will zudem die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des Virus vorübergehend stoppen. Die VW (Volkswagen (VW) vz)-Aktien legten um 1,74 Prozent zu und waren zwischenzeitlich sogar führend im Dax.
Gesucht waren daneben solche Aktien, die Anleger als potenzielle Profiteure der Pandemie des Virus ausmachen. So schnellten Drägerwerk nach einem starken Vortag um 9,3 Prozent nach oben. Der Hersteller von Medizintechnik hatte jüngst vom Bund einen Großauftrag für Beatmungsgeräte erhalten.
Als weiteren möglichen Gewinner in der Pandemie haben Investoren zudem den Online-Arzneimittelhändler Shop-Apotheke (Shop Apotheke Europe NV) ausgemacht, der am Dienstag seine vollständigen Jahreszahlen für 2019 vorgelegt hat. Das Unternehmen sprach von einem temporären Auftragsschub wegen der Viruskrise und hat sich beim Umsatz 2020 einen deutlichen Sprung von rund einem Fünftel vorgenommen. Mit einem Kursplus von 15,2 Prozent war die Aktie zweitgrößter Gewinner im Nebenwerteindex SDAX.
Osram (OSRAM)-Aktien brachen dagegen am MDax-Ende um knapp ein Viertel ein. Das Unternehmen soll vom Chip-Hersteller ams übernommen werden. Dessen Aktienkurs ist jedoch seit Mitte Februar um fast 70 Prozent eingebrochen, womit eine zur Finanzierung der Übernahme geplante Kapitalerhöhung von AMS ausfallen könnte, vermuteten Händler. Das laste schwer auf dem Osram-Kurs.
Die Reißleine zogen Anleger auch bei Immobilienaktien. So sackten Aroundtown (Aroundtown SA), TLG IMMOBILIEN Adler Real Estate, ADO Properties und der Einkaufszentrenbetreiber Deutsche Euroshop um 11 bis 15 Prozent ab. Mit minus 4 Prozent fiel der Kursrutsch bei Grand City Properties etwas milder aus.
Sixt (Sixt SE St) verloren 14,38 Prozent. Das immer mehr zum Erliegen kommende öffentliche Leben dürfte die Geschäfte des Autovermieters erheblich belasten. Die Aktionäre sollen deswegen in diesem Jahr auf eine Dividende verzichten. Aktien von Hamburger Hafen & Logistik (HHLA) brachen um fast 10 Prozent ein. In Deutschlands Seehäfen kommen wegen des Coronavirus immer weniger Schiffe an.
Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,60 Prozent am Montag auf minus 0,50 Prozent. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) fiel um 0,63 Prozent auf 144,99 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,34 Prozent auf 179,42 Zähler.
Der Eurokurs geriet angesichts zunehmender konjunktureller Risiken für die Eurozone wegen des Coronavirus stark unter Druck und wurde zuletzt mit 1,0978 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,0982 Dollar festgesetzt./bek/kro/he
--- Von Benjamin Krieger und Karolin Rothbart dpa-AFX ---