ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Stabilisierung - Historisches Dax-Wochenminus
Werte in diesem Artikel
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktienmärkte in Europa und den USA haben sich nach dem Crash vom Donnerstag stabilisiert. Hierzulande hatte die Ankündigung umfangreicher Staatshilfen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise dem Dax (DAX 30) am Freitag zeitweise eine kräftige Erholung beschert, bevor die Gewinne fast vollkommen weggeschmolzen. Der deutsche Leitindex schloss 0,77 Prozent höher bei 9232,08 Punkten. Zuvor hatte die tonangebende Wall Street (Dow Jones 30 Industrial) einen Teil ihrer Anfangsgewinne wieder eingebüßt. Der MDAX der mittelgroßen Werte legte am Freitag um 0,44 Prozent auf 20 256,48 Punkte zu.
Am Donnerstag hatte der Dax mit dem zweitgrößten prozentualen Tagesverlust in seiner gut dreißigjährigen Geschichte unter der psychologisch wichtigen Marke von 10 000 Zählern geschlossen. Auf Wochensicht ergibt sich ein Minus von rund 20 Prozent - auch auf die Woche Betrachtet der zweitgrößte Verlust, den die Dax-Anleger je erlebt haben.
Die Investoren blicken auf eine der wohl turbulentesten Wochen in der Börsengeschichte zurück. Am vergangenen "Schwarzen Montag" war es für den Dax angesichts der Virusängste und eines Ölpreisschocks bereits um fast 8 Prozent abwärts gegangen. Am Donnerstag dann war der Dax trotz eines umfangreichen Hilfspakets der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Wirtschaft des Euroraums um mehr als 12 Prozent eingebrochen. Seit Beginn des virusbedingten Börsencrashs am 24. Februar hat er inzwischen rund 32 Prozent an Wert eingebüßt.
Auch europaweit beruhigte sich die Lage nun: Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50), der Leitindex der Eurozone, stieg um 1,60 Prozent auf 2586,02 Punkte. Etwas deutlicher nach oben ging es in Paris (CAC 40) und in London (FTSE 100). Der italienische Leitindex FTSE MIB (FTSE MIB Italien) zog sogar um gut 7 Prozent an.
Der Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) stieg zum europäischen Börsenschluss nur noch um 3,5 Prozent, nach fast 6 Prozent zum Handelsstart. Die Unsicherheit nach dem größten Börsencrash seit 1987 bleibt weiter hoch. Die meisten asiatischen Börsen hatten vor dem Wochenende sogar nochmals kräftig nachgegeben.
Dass die Bundesregierung jetzt Unternehmen in der aktuellen Krise mit unbegrenzten Kreditprogrammen helfen will, sei lobenswert, sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Nun komme es auf die EU-Kommission an, da diese die Sonderkreditprogramme genehmigen müsse. "Die Maßnahmen sind effektiv, da sie direkt bei den Firmen ankommen. Das lindert tatsächlich den wirtschaftlichen Stress, denn das kann den Unternehmen über eine schwierige Zeiten hinweghelfen."
Nachrichten zu einzelnen Unternehmen fanden am Freitag wieder mehr Beachtung. Die Aktien von Wirecard waren kurz nach dem Handelsstart um 30 Prozent hochgeschnellt und schlossen 4,47 Prozent höher. Am Vortag hatten die Papiere allerdings auch fast 18 Prozent eingebüßt. Laut dem Zahlungsabwickler ist die Sonderprüfung seiner Bücher mit Blick auf das Singapur-Geschäft "weitestgehend abgeschlossen". Wirecard sieht daher vorerst keinen Korrekturbedarf an den Jahresabschlüssen. Ein anderer Teil der Untersuchung, die Einsichtnahme in das Drittpartnergeschäft, läuft noch.
An der Dax-Spitze gewannen die Papiere der Lufthansa mehr als 7 Prozent. Die Fluggesellschaft lotet wegen der immensen Folgen der Coronavirus-Pandemie die Chance auf staatliche Hilfen aus.
Einen Aufschlag von fast 11 Prozent verzeichneten die Papiere von RTL und machten ihre Vortagesverluste damit nahezu wett. Der Medienkonzern setzt nach erreichten Jahreszielen weiter auf den Ausbau seiner Streaming-Dienste in Deutschland und den Niederlanden. Bis 2025 sollen jährlich rund 350 Millionen Euro in die Inhalte von TV Now und Videoland fließen. Ein Goldman-Sachs-Analyst hob unter anderem das überraschend starke operative Ergebnis von RTL im vergangenen Jahr hervor.
Die Fraport-Aktien (Fraport) schwankten heftig und schlossen am Ende mehr als 5 Prozent tiefer. Der Flughafenbetreiber veröffentlichte nach den Februar-Verkehrszahlen am Vortag nun seine Jahresbilanz und machte Aussagen zum laufenden Jahr. Wegen der Flugstreichungen infolge der Coronavirus-Krise stellt sich der Konzern auf einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang ein. Eine konkrete Prognose sei jedoch noch nicht möglich, hieß es.
Der Medizintechnikhersteller Drägerwerk schließlich hatte von der Bundesregierung einen Auftrag über 10 000 Beatmungsgeräte erhalten. Die Anteilsscheine schnellten um gut 16 Prozent in die Höhe.
Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von ihrem Rekordtief bei minus 0,83 Prozent am Vortag auf minus 0,68 Prozent. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) fiel indes wieder deutlich um 3,75 Prozent auf 146,43 Punkte. Der Bund-Future sank um 1,54 Prozent auf 173,60 Zähler.
Der Kurs des Euro fiel: Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1104 (Donnerstag 1,1240) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9006 (0,8897) Euro./la/fba
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---