ROUNDUP: Hafenwirtschaft will wegen Corona-Krise Hilfe von der Politik


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HAMBURG (dpa-AFX) - Angesichts deutlicher Umschlagsrückgänge wegen der Corona-Krise hat der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) von der Politik mehr Engagement in der Hafenwirtschaft verlangt. "Durch die Corona-Pandemie kam es zu deutlichen Verlusten bei den Umschlagsmengen, die sich auch in den Betriebsergebnissen und bei der Investitionsfähigkeit der Unternehmen niederschlagen", sagte ZDS-Präsident Frank Dreeke am Montag in Hamburg. "Wir erwarten ein herausforderndes Jahr 2021 und benötigen von dieser und auch der nächsten Bundesregierung eine ehrgeizige Standortpolitik."

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Unter Verweis auf das Statistische Bundesamt teilte der ZDS mit, der Umschlag der deutschen Seehafenbetriebe sei im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum coronabedingt um 15 Millionen Tonnen auf 135,7 Millionen Tonnen gesunken. Der Containerumschlag sei im ersten Halbjahr um 11,3 Prozent zurückgegangen. Für das Gesamtjahr werde über alle Bereiche hinweg von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich ausgegangen.

"Beim Pkw-Umschlag kam das Geschäft im Frühjahr teilweise komplett zum Erliegen, sodass einzelne Standorte Rückgänge um 80 Prozent oder sogar mehr verzeichneten", sagte der ZDS-Präsident und Vorstandschef der Bremer BLG Logistics Group. Mit einer Erholung rechne er frühestens im übernächsten Jahr. Nicht viel besser laufe es beim Passagiertransport. So sei das Kreuzfahrtgeschäft in den ersten sieben Monaten um 94 Prozent eingebrochen, bei den Fährverbindungen gebe es ein Minus von etwa 62 Prozent.

Für einen fairen Wettbewerb forderte der Verband unter anderem, die Lkw-Maut zu senken und den Breitbandausbau zu verstärken. Es müssten in die Verkehrsinfrastruktur jedes Jahr mindestens 18 Milliarden Euro investiert werden und die Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter verkürzt werden. "Die deutsche Hafenwirtschaft braucht eine Politik des Bundes, die Wettbewerbsnachteile ausräumt und Innovation fördert", sagte Dreeke. Die deutschen Seehäfen seien entscheidend zur Sicherung der Position Deutschlands als Exportweltmeister. Bundesweit seien in der hafenabhängigen Industrie rund 1,3 Millionen Menschen beschäftigt.

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Der ZDS legte auch ein Positionspapier zur Rolle der Häfen bei der Energiewende vor. Demnach müsse die Infrastruktur für flüssiggasbetriebene Schiffe (LNG) deutlich verbessert werden. Die Häfen selbst sollten zudem bei der Entwicklung der Wasserstofftechnologie als Standorte für Forschung und Entwicklung genutzt werden. Darüber hinaus müsse der Ausbau der Offshore-Windenergie beschleunigt und der Landstrom für Schiffe "weiter rentabilisiert werden, um den Schadstoffausstoß von Schiffen in den Häfen zu reduzieren", sagte Verbandschef Dreeke.

Trotz des vorläufigen Endes von Wilhelmshaven als Standort für ein LNG-Terminal sieht der ZDS den seit Jahren kriselnden Jade Weser Port nicht in Gefahr. "Ja, wir brauchen viel Geduld, um die Auslastung des Jade-Weser-Ports tatsächlich in zufriedenstellendere Bahnen zu lenken", sagte Deeker. Doch auch wegen der bereits bei den Werften bestellten zahlreichen Großcontainerschiffe sei er optimistisch, dass der Tiefwasserhafen Wilhelmshaven eine Zukunft habe./klm/DP/stw

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