RWI sieht 2020 höheren BIP-Rückgang und 2021 mehr Wachstum
Von Andreas Kißler
ESSEN/BERLIN (Dow Jones)--Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat seine Prognose für die deutsche Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr gesenkt. Das Essener Institut geht laut einer Mitteilung davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 5,4 Prozent zurückgeht. Im September hatte es noch einen Rückgang von 4,7 Prozent erwartet. Für 2021 prognostiziert das RWI aber statt 4,5 jetzt 4,9 Prozent Wirtschaftswachstum, und für 2022 hob das Institut seine Prognose von 2,3 Prozent auf 2,8 Prozent an.
Grund für die Revision des diesjährigen Wachstums sei der erneute Lockdown zum Jahresende. Er sorge mit dafür, dass die Produktion laut RWI-Prognose im vierten Quartal um 1,7 Prozent zurückgeht. Der Rückgang wäre deutlich stärker, wenn nicht ein günstiges internationales Umfeld und wirtschaftspolitische Maßnahmen die deutsche Konjunktur stützen würden.
Von den Nachfragekomponenten dürfte der private Konsum den neuerlichen Lockdown am stärksten spüren, wenn auch schwächer als im Frühjahr dieses Jahres. Die Wirtschaftszweige seien unterschiedlich stark betroffen. Das Produzierende Gewerbe werde sich wohl weiter erholen. Die Dienstleistungen hingegen würden stark von den neuerlichen Lockdown-Restriktionen betroffen.
"Durch die Verschärfung des Lockdowns ist zu erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen wieder steigen wird", erklärten die Ökonomen. Erst mit der Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen im Verlauf des kommenden Jahres dürfte die Arbeitslosigkeit allmählich wieder zurückgehen. Die Arbeitslosenquote wird nach der Prognose 2021 bei 5,9 Prozent und 2022 bei 5,4 Prozent liegen.
Rekorddefizit bei den öffentlichen Haushalten
Die Inflationsrate dürfte demnach im nächsten Jahr 1,5 Prozent und im übernächsten Jahr 1,7 Prozent betragen. Die öffentlichen Haushalte würden in diesem Jahr mit einem Rekorddefizit von 166 Milliarden Euro abschließen. Es werde 2021 auf etwa 144 Milliarden Euro, 2022 auf 90 Milliarden Euro sinken.
Der aktuellen RWI-Konjunkturprognose liegt die Annahme zugrunde, dass die Anzahl der Corona-Neuinfektionen durch den erneuten Lockdown deutlich gesenkt werden kann, so dass die Maßnahmen vom Dezember bereits Mitte Januar zumindest schrittweise wieder aufgehoben werden können. Zudem wird angenommen, dass das Infektionsgeschehen mit Beginn des Frühjahrs durch Impfungen und vermehrte Aktivitäten im Freien abnimmt und der vermehrte Einsatz von Schnelltests die Ausbreitung der Infektionen dämpft. Treffe all dies zu, dürfte die Wirtschaftsaktivität zum Ende des kommenden Jahres das Vorkrisenniveau erreichen.
"Die stabile Auslandsnachfrage und wirtschaftspolitische Maßnahmen sorgen dafür, dass die deutsche Wirtschaft vom aktuellen harten Lockdown weniger stark getroffen wird als vom ersten im Frühjahr dieses Jahres", sagte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. "Die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr wird stark vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen, sowohl in Deutschland als auch international."
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December 16, 2020 05:00 ET (10:00 GMT)