S&P: Mehr Gegen- als Rückenwind für globalen Rückversicherungssektor
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FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rückversicherungsbranche machen laut einer Studie der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die hohe Inflation, teure Naturkatastrophen und die Volatilität an den Kapitalmärkten zu schaffen. "Wir sehen weiterhin mehr Gegenwind als Rückenwind für den globalen Rückversicherungssektor", sagte Analyst Johannes Bender bei einem Pressegespräch anlässlich des am kommenden Wochenende stattfindenden Rückversicherungstreffens in Monte Carlo. Allerdings gibt es laut S&P durchaus positive Tendenzen, die für eine Trendwende sorgen könnten.
So seien die 21 größten Rückversicherer, die die Ratingagentur beobachtet, nach wie vor sehr gut kapitalisiert. Es sei davon auszugehen, dass die Kapitalisierung trotz Marktschwankungen stark bleiben wird in der Branche, sagte Analyst Bender. Außerdem rechnet er mit höheren Kapitalanlagerenditen dank der steigenden Zinsen. Nicht zuletzt dürfte sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre bei den Preisen fortsetzen, in einigen Bereichen könne man sogar von einem "harten Markt" sprechen. "Wir glauben, dass das Momentum auch 2023 weitergeht", so Bender. Es könne allerdings sein, dass "das eine oder andere Plus aufgefressen wird durch die Inflation".
Ertragskraft und Eigenkapitalrentabilität der Branche hätten sich schon 2021 verbessert. Das habe jedoch nach wie vor nicht ausgereicht, um die Kapitalkosten zu verdienen. "Das ist auch ein Grund, warum wir etwas vorsichtiger sind", sagte der Analyst. Laut der Agentur hat die Branche es seit 2017 nur im Jahr 2019 geschafft, die Kapitalkosten zu verdienen. Auch 2022 dürfte es schwierig werden, da mit höheren Zinsen auch die Kapitalkosten steigen.
Ukraine-Krieg könnte deutlich teurer werden für die Branche
Was zum negativen Blick auf die Branche überdies beitrage, sei der Krieg in der Ukraine. Bisher haben die 21 größten Rückversicherer in diesem Zusammenhang laut S&P Belastungen von 1,4 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr gebucht, hauptsächlich in den Bereichen Luftfahrt und Spezialversicherung. Es sei davon auszugehen, dass in den nächsten Quartalen weitere Verluste gebucht werden. "Es ist sehr unsicher, wann das kommt und in welcher Höhe", sagte Bender. Das vorteilhafteste Szenario von S&P sieht versicherte Schäden von 16 Milliarden US-Dollar vor, wobei die Hälfte von den großen Rückversicherern getragen würde.
Insgesamt bleibt die Agentur bei ihrer negativen Einstufung für den Sektor, weil es für die beobachteten Unternehmen mehr negative Ausblicke als positive gibt. Die große Mehrheit der Ratings ist aber mit einem stabilen Ausblick ausgestattet. Analyst Bender verweist zudem darauf, dass es sich um eine hoch bewertete Branche handelt.
Moody's stuft die Branche unterdessen mit einem stabilen Ausblick ein. Die Agentur hebt in ihrer Analyse die besseren Ertragsaussichten dank steigender Preise und die höheren Zinsen hervor. Aber auch die Moody's-Analysten verweisen auf Gegenwind durch die hohe Inflation und die Anfälligkeit der Branche für teure Schäden aus Naturkatastrophen.
Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@wsj.com
DJG/mgo/brb
(END) Dow Jones Newswires
September 06, 2022 06:31 ET (10:31 GMT)
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