September-Effekt: Warum der schwächste Börsenmonat Anleger nervös macht
Seit 1928 ist kein Monat für den S&P 500 im Schnitt so schwach wie der September, doch hinter der berüchtigten Statistik steckt mehr, als die nackte Zahl verrät.
- September seit 1928 im Schnitt schwächster Börsenmonat des Jahres
- Dünne Sommerumsätze und wenig frische Nachrichten als mögliche Faktoren
- Historisch folgt auf den schwachen September oft ein starkes Schlussquartal
Wenn die Sommerpause endet, kehrt an den Börsen ein alter Bekannter zurück. Der September gilt als der schwächste Börsenmonat des Jahres, und die Zahlen geben dem Ruf recht. Seit 1928 verliert der US-Leitindex S&P 500 in diesem Monat im Schnitt rund 1,2 Prozent, nach Daten von RBC Wealth Management der einzige Kalendermonat mit einer klar negativen Durchschnittsrendite. Für Anleger heißt das nicht, dass Verluste programmiert sind. Aber die Statistik erklärt, warum die Nervosität pünktlich zum Herbstauftakt steigt.
Ein Muster, das sich seit fast 100 Jahren hält
Die Schwäche zieht sich quer durch die Statistik. Der S&P 500 schloss den September seit 1928 in etwa 55 Prozent der Jahre im Minus, häufiger als in jedem anderen Monat, und neun der 40 schwersten Monatsverluste der Indexgeschichte fielen in diese Wochen. Auch der deutsche Leitindex DAX trägt das Muster: Erhebungen deutscher Börsen zeigen über die vergangenen 36 Jahrzehnte einen durchschnittlichen Verlust im September von rund 2,2 Prozent, das Research der DZ BANK beziffert das Minus seit dem Jahr 2000 auf knapp 1,9 Prozent.
Woher die Herbstschwäche kommt
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Als ein möglicher Faktor gilt die dünne Handelsdecke des Spätsommers, denn wenn die Umsätze niedrig bleiben, schlagen negative Nachrichten stärker auf die Kurse durch. Hinzu kommt eine Nachrichtenlücke, weil die breite Berichtssaison für das dritte Quartal typischerweise erst im Oktober anläuft und frische Impulse fehlen. Hinzu kommen mögliche Portfolioanpassungen institutioneller Anleger, etwa sogenanntes Window Dressing zum Ende von Fiskal- oder Quartalsperioden. Belastbar ist der kausale Zusammenhang zum Kalender aber nicht. Der negative Schnitt wird von wenigen schweren Ausverkäufen wie 2002, 2008 und 2022 stark verzerrt, der Median fällt spürbar milder aus.
Was 2026 zusätzlich zählt
Jeder September hat seine eigene Ausgangslage. 2026 trifft der schwache Ruf auf ein bislang starkes Börsenjahr, zu dem der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz wesentlich beigetragen und die großen Indizes im Frühjahr und Sommer auf neue Rekordstände geführt hat. Historische Analysen der Bank of America zeigen zudem, dass sich das September-Muster abschwächt, wenn der S&P 500 bis Ende August bereits eine positive Jahresbilanz aufweist. Zudem rücken mit den US-Zwischenwahlen politische Unsicherheiten stärker in den Fokus. Entscheidend bleiben ohnehin die harten Termine, also Notenbanksitzungen, Inflationsdaten und die Quartalszahlen der Technologieriesen.
Für Anleger ist der September damit vor allem eine statistische Randnotiz, kein Fahrplan. Wie tragfähig das Muster in diesem Jahr ist, dürfte sich an den kommenden Notenbankentscheidungen und Inflationszahlen zeigen. Und daran, ob auf einen schwachen Herbstauftakt erneut das folgt, was die Statistik ebenfalls kennt, nämlich ein saisonal starkes Schlussquartal, das dem S&P 500 seit 1950 im Schnitt über vier Prozent gebracht hat.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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