Sentix erwartet wegen Ukraine-Krieg Konjunktureinbruch in Deutschland


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Der russische Überfall auf die Ukraine führt nach Erkenntnissen des Beratungsunternehmens Sentix zu einem drastischen Konjunktureinbruch in Deutschland und im Euroraum. Der für Deutschland ermittelte Konjunkturindex sinkt auf minus 5,2 (Februar: plus 17,9) Punkte, den niedrigsten Stand seit Juli 2020. Die Erwartungen kollabieren auf minus 19,3 (plus 15,8) Punkte, während der Rückgang der Lagebeurteilung mit plus 10,0 (plus 20,0) Punkten moderater ausfällt.

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"Die Abhängigkeit der Deutschen von russischer Energie ist immens, die geografische Nähe zur Krisenregion lassen zudem die Ängste in der Bevölkerung hochschnellen", schreibt Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy in der Mitteilung. Auch die Bewältigung des Flüchtlingsstroms dürfte die EU, aber auch Deutschland vor einer großen Herausforderung stellen.

Der Konjunkturindex des Euroraums geht auf minus 7,0 (plus 16,6) Punkte zurück. Der Lageindex sinkt auf plus 7,8 (plus 19,3) Punkte und der Erwartungsindex stürzt auf minus 20,8 (plus 14,0) Punkte, den tiefsten Stand seit August 2012. Einen solchen Erwartungsrückgang habe es in der Indexhistorie noch nie gegeben, konstatiert Hussy. "Die mehr als 1.200 von Sentix befragten Anleger sehen eine weit größere Beeinträchtigung auf die Wirtschaft in Euroland zukommen, als dies bislang allgemein erwartet wurde."

Der Einbruch sei weitaus dynamischer, als dies die rund 2 Prozent erwarten ließen, die Russland am Jahresumsatz deutscher Unternehmen habe. Es bestehe vielmehr die Angst, dass die stark steigenden Energiekosten und der hohe Preisdruck auf Nahrungsmittel die Inflation weiter anheizen dürften, und deshalb der Handlungsspielraum der Notenbanken dieses Mal begrenzt sei.

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"Darauf deutet das Sentix-Themenbarometer Inflation hin, das im März einen neuen Allzeitrekord erreicht", sagte Hussy. Dies verdeutliche das Dilemma, in dem sich die Europäische Zentralbank (EZB) befinde. Die Inflationstendenzen machten eine frische Stimulierung der Konjunktur nahezu unmöglich. Im besten Fall könnte der angekündigte, restriktivere Kurs abgesagt beziehungsweise weit in die Ferne verschoben werden.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

March 07, 2022 04:30 ET (09:30 GMT)

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