Sparpläne

VW-Aktie tiefer: Autobauer berät über weitere Sparmaßnahmen - Belegschaft geht auf die Straße


VW-Aktie tiefer: Autobauer berät über weitere Sparmaßnahmen - Belegschaft geht auf die Straße

Begleitet von einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall berät bei VW am Donnerstag der Aufsichtsrat über neue Sparpläne des Vorstands.

Werte in diesem Artikel
Aktien

71.54 EUR -1.32 EUR -1.81 %

Um 14.30 Uhr kommen die Mitglieder des Kontrollorgans in Wolfsburg zur nicht-öffentlichen Sitzung zusammen. Die IG Metall ruft zeitgleich zum Protest an allen Standorten auf. In Wolfsburg ist unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung geplant.

Werbung

Das will der VW-Vorstand

VW-Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Laut "Spiegel" könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen.

VW bestätigte bisher nur, dass der Konzernvorstand "intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens" arbeite, nannte aber keine Details. Ziel sei eine "umfassende Transformation". Nach Befassung des Aufsichtsrats solle dies in die Umsetzung gebracht werden.

IG-Metall-Aktionstag gegen Stellenstreichungen

Vor der Aufsichtsratssitzung zu möglichen Einschnitten beim VW-Konzern haben die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat einen Aktionstag mit Gegenprotesten begonnen. Einen ersten Protest gab es am Vormittag am VW-Werk in Osnabrück, wo sich etwa 70 Vertrauensleute und Betriebsräte nach IG-Metall-Angaben vor dem Werkstor versammelten. Wie ein dpa-Fotograf vor Ort berichtete, pfiffen die Beschäftigten mit Trillerpfeifen und hielten ein Banner hoch - darauf stand: "Vereint für unsere Zukunft kämpfen". Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.

Werbung

Osnabrücks IG-Metall-Chef Stephan Soldanski sagte, er hoffe zusammen mit der Belegschaft auf Klarheit. "Wir brauchen aus Wolfsburg eine Zukunft für unseren Standort, aber auch für alle anderen Standorte. Das kann nur der Vorstand garantieren." Die Belegschaft sei kämpferisch.

In Osnabrück warteten die Beschäftigten nun schon seit zwei Jahren auf eine Entscheidung, wie es mit dem Werk weitergehen solle, sagte Soldanski. "Wir können uns sehr gut vorstellen, wie sich die Beschäftigten fühlen, wo spekuliert wird, was als Nächstes schließen soll." Der Gewerkschafter machte zudem deutlich, Aufgeben sei keine Option "Wir sind nicht hier, um den Laden abzuschließen, sondern wir wollen Zukunft.

Bei der Aufsichtsratssitzung könnte es nun zu einem heftigen Schlagabtausch kommen. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stellen dort die Mehrheit, und auch das Land lehnt Werksschließungen ab. Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt, Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und dessen Stellvertreterin Willie Hamburg sitzen dort im Aufsichtsrat. Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern sind sie in der Mehrheit - derzeit sogar deutlich, denn einer der eigentlich zehn Sitze der Kapitaleigner ist derzeit unbesetzt.

Werbung

IG-Metall: Kein Arbeitskampf

Die Proteste bezeichnete IG-Metall-Chefin Christiane Benner als "ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!" Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. "Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin." Stattdessen forderte sie Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden.

Laut IG Metall handelt es sich dabei nicht um einen Arbeitskampf. "Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks", heißt es in der Mitteilung. Bei Volkswagen gelte weiter die Friedenspflicht, Arbeitsniederlegungen seien daher zunächst nicht geplant.

Konzern will nach Aufsichtsrat rasch über Pläne informieren

VW zeigt Verständnis für die Proteste der IG Metall gegen mögliche Sparpläne - hält aber an seinem Kurs fest. "Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen werden heute zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert", sagte ein Sprecher. Dabei gehe es unter anderem darum, Komplexität zu reduzieren, Beteiligung zu straffen, Entwicklung und Produktion regionaler auszurichten: "Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen."

Nach der Aufsichtsratssitzung will Volkswagen zügig über mögliche Entscheidungen informieren, wie der Sprecher weiter sagte: "Über die Ergebnisse der heutigen Aufsichtsratssitzung und getroffene Entscheidungen werden wir schnellstmöglich informieren."

"Wir haben Verständnis für die öffentliche Meinungsäußerung der Mitarbeitenden, auch in Form der heute stattfindenden Aktionen an verschiedenen deutschen Standorten", sagte der Konzernsprecher. "Wir können nachvollziehen, dass sich die Belegschaft Sorgen um die Zukunft unseres Unternehmens macht."

Vorstand und Aufsichtsrat teilten diese Sorgen - und reagierten nun mit einem umfangreichen Zukunftsplan. "Ziel ist es, den Volkswagen Konzern inklusive aller Marken und Tochtergesellschaften schneller, robuster und wettbewerbsfähiger zu machen."

Ostbeauftragte warnt VW vor Kahlschlag in Ostdeutschland

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), hat den Volkswagen-Konzern vor einer Schließung des Werks in Zwickau gewarnt. "Ich erwarte vom VW-Vorstand eine klare Zukunftsperspektive für die vier infrage stehenden VW-Werke", sagte Kaiser vor einer Aufsichtsratssitzung, in der es um die geplanten Sparmaßnahmen geht.

Mit Blick auf Ostdeutschland dürfe es nicht zu einem Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen kommen. "Die Folgen einer Werksschließung in Zwickau wären fatal. Damit würde die ostdeutsche Automobilindustrie als ein wichtiger Innovationsmotor in Gänze getroffen." Schon jetzt sorge die Diskussion für enorme Verunsicherung in der Region, sagte Kaiser der "Leipziger Volkszeitung" und der "Sächsischen Zeitung".

Kaiser verwies auf die Unterstützung des Bundes für die Branche. "Die Bundesregierung weiß um die Schwierigkeiten der Automobilindustrie. Mit der neuen Kaufprämie für E-Fahrzeuge ist ein wichtiger Schritt zur Unterstützung gemacht worden."

Ostbeauftragte fordert: Investitionen statt Kahlschlag

Zugleich sprach sich die Politikerin für weitere Investitionen am Standort Zwickau aus: "Wenn die deutsche Automobilindustrie eine Zukunft haben will, muss sie genau dort investieren, wo in Ostdeutschland eines der modernsten Werke entstanden ist, mit großem Know-how und gut qualifizierten Beschäftigten."

Diskussion über Zwickau "vollkommen schleierhaft"

Der Geschäftsführer der Leipziger Initiative Automotive Cluster Ostdeutschland, Jens Katzek, sagte den beiden Zeitungen: "Mir ist vollkommen schleierhaft, wie man eine solche Diskussion über Zwickau führen kann." Und: "Wenn ich Aufsichtsrat wäre, würde ich darauf gucken: Wie kann ich gute Produkte in der Zukunft herstellen? Dafür brauche ich eine ziemlich gute Mannschaft und ich brauche neue Produktionsanlagen." Beides sei in Zwickau vorhanden, das Werk vollständig auf Elektromobilität umgestellt.

So lief es beim letzten Streit

Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Auch damals standen Werksschließungen und Stellenabbau im Raum. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.

Experten sicher: Strukturen bei VW müssen sich ändern

Beim angeschlagenen Autobauer VW muss sich nach Ansicht des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) Grundlegendes verändern. Man brauche einen tatsächlichen Umbruch in dem Konzern, um schneller und flexibler auf die Märkte und die Wettbewerbsintensität reagieren zu können, sagte IfA-Direktor Stefan Reindl am Morgen im Deutschlandfunk.

Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen könnten, ist noch unklar. "Aber ich glaube schon, dass es einen großen Anteil an deutschen Mitarbeitern treffen wird, weil wir eben auch Werke haben, die nicht ausgelastet sind, schon länger nicht ausgelastet sind. Und es muss dort was geschehen", sagte der Experte. "Die Strukturen müssen verändert werden, auch im Hinblick darauf, was wir heute Local for Local thematisieren. Das heißt, dass man in den Ländern, in denen man Fahrzeuge absetzt, auch produzieren muss."

Die Reaktion der Anleger auf die aktuelle Gemengelage ist eher negativ: Zeitweise notiert das Papier via XETRA 0,80 Prozent tiefer bei 71,80 Euro.

/fjo/DP/jha

WOLFSBURG/BERLIN/ZWICKAU (dpa-AFX)

Bildquellen: pokchu / Shutterstock.com, Bocman1973 / Shutterstock.com

Aktuelle Volkswagen (VW) vz. Aktie News

Werbung

Volkswagen (VW) vz. Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Volkswagen (VW) vz. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
DatumRatingAnalyst
29.06.26 Volkswagen (VW) vz Neutral UBS AG
29.06.26 Volkswagen (VW) vz Buy Jefferies & Company Inc.
27.06.26 Volkswagen (VW) vz Outperform RBC Capital Markets
26.06.26 Volkswagen (VW) vz Market-Perform Bernstein Research
25.06.26 Volkswagen (VW) vz Market-Perform Bernstein Research