Trotz schwächerer Konsolen-Verkäufe: Nintendo überrascht mit massivem Gewinnsprung - Aktie im Blick
Nintendo verdient in drei Monaten fast doppelt so viel wie erwartet. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie viel davon Einmaleffekte sind.
Werte in diesem Artikel
- Nintendo übertrifft im ersten Quartal Umsatz- und Gewinnprognosen deutlich
- Zollrückerstattung und günstigerer Umsatzmix treiben den Gewinn nach oben
- Switch 2 verkauft sich im Quartal 34 Prozent schwächer als vor einem Jahr
Zahlen deutlich über dem Konsens
Der Umsatz sank zwar von 572,3 auf 517,8 Milliarden Yen, ein Rückgang von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, lag damit aber rund 16 Prozent über dem Marktkonsens von etwa 445 Milliarden Yen. Der Gewinn, der den Aktionären zusteht, stieg um 53,5 Prozent auf 147,4 Milliarden Yen und übertraf die Erwartung von rund 78 Milliarden Yen fast um das Doppelte. Der operative Gewinn sprang um 150,5 Prozent auf 142,6 Milliarden Yen. Zum ordentlichen Gewinn von 206,2 Milliarden Yen trugen zudem Wechselkursgewinne von 16,8 Milliarden Yen, ein Anteil von 30,3 Milliarden Yen aus nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen und Zinserträge von 13,1 Milliarden Yen bei.
Switch 2 verkauft sich deutlich schwächer
Beim Hardware-Absatz verkaufte Nintendo im Quartal 3,82 Millionen Switch 2-Konsolen, ein Rückgang von 34,4 Prozent gegenüber dem Startquartal vor einem Jahr, als die Konsole im Juni 2025 auf den Markt kam. Seit dem Marktstart wurden damit 23,68 Millionen Geräte verkauft, mehr als der Vorgänger GameCube in seiner gesamten Lebensdauer erreichte. Auch der Absatz der klassischen Switch brach um 31,8 Prozent auf 0,66 Millionen Einheiten ein. Software-Verkäufe stützten dagegen das Geschäft: Switch 2-Spiele legten um 9,2 Prozent auf 9,46 Millionen Einheiten zu, während Switch-Software dank Rückwärtskompatibilität sogar auf 33,81 Millionen Einheiten wuchs. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Nintendo weiterhin mit 16,5 Millionen verkauften Switch 2-Konsolen und damit einem Rückgang von rund einem Fünftel gegenüber dem bisherigen Rekordjahr.
Woher der Gewinnsprung wirklich kommt
Nintendo beschreibt den Absatz der Switch 2 offiziell als weiterhin solide und verweist auf das zweite Jahr der Konsole am Markt. Der Blick auf die Zahlen relativiert das: Ein gutes Drittel weniger verkaufte Geräte ist ein deutlicher Rückgang, auch wenn Nintendo ihn mit dem hohen Vergleichswert aus dem Startquartal und einer bereits erfolgten Preiserhöhung in Japan erklärt. Der kräftige Gewinnsprung wiederum speist sich nicht allein aus dem laufenden Geschäft. Nintendo selbst nennt als Ursache den höheren Softwareanteil am Umsatz und die Erstattung zuvor gezahlter US-Einfuhrzölle. Dass daneben auch das Konsolengeschäft an Stärke gewonnen hätte, legen die Zahlen nicht nahe: Sowohl Switch 2 als auch die klassische Switch verkaufen sich im Quartal deutlich schwächer als vor einem Jahr.
Software und Filme treiben den Mix
Zum Umsatzplus im Software-Geschäft trugen digitale Verkäufe bei, die um 90,0 Prozent auf 132,7 Milliarden Yen zulegten, sowie das IP-Geschäft rund um Filme und Lizenzen, das dank des Kinoerfolgs von The Super Mario Galaxy Movie um 107,4 Prozent auf 34,8 Milliarden Yen wuchs. Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz lag bei 77,9 Prozent. Wer die Zahlen auf das operative Geschäft mit Konsolen reduziert, sieht damit ein deutlich weniger glänzendes Bild als die Gewinnzeile suggeriert.
Nintendo lässt die eigene Jahresprognose unverändert: 2,05 Billionen Yen Umsatz, ein Rückgang von 11,4 Prozent, sowie 310 Milliarden Yen Gewinn, ein Minus von 26,9 Prozent gegenüber dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Ob diese Prognose hält, entscheidet sich auch daran, wie der Markt auf die zum 1. September 2026 geplante Preiserhöhung der Switch 2 im Westen reagiert. Der nächste Blick auf die Zahlen zum zweiten Quartal dürfte dazu erste Hinweise liefern.
So reagiert die Nintendo-Aktie in Tokio
Auf die Zahlen konnten Anleger in Japan jedoch noch nicht reagieren: Die Nintendo-Aktie schloss in Tokio bereits vor Vorlage der Zahlen am Donnerstag 2,87 Prozent im Plus bei 7.641 Yen.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Ein Teil des aktuellen Gewinnsprungs beruht auf einmaligen Effekten wie der Zollrückerstattung, die sich in künftigen Quartalen nicht in gleicher Höhe wiederholen dürften.
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