TACO-Trade

TACO-Trade ist zurück: Wall Street feiert Trumps nächsten Rückzieher - Formel verrät Wendepunkt


TACO-Trade ist zurück: Wall Street feiert Trumps nächsten Rückzieher - Formel verrät Wendepunkt

Nach Trumps abgesagtem Angriff auf Iran ist an der Börse ein vertrautes Muster zurück, für das Analysten sogar eine mathematische Formel entwickelt haben.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

89.32 USD 1.60 USD 1.82 %

83.24 USD 1.11 USD 1.35 %

Indizes

7,728.20 USD -24.91 USD -0.32 %

  • Trump sagt geplanten Angriff auf Iran ab, Wall Street reagiert mit Kursplus
  • Formel von Signum Global Advisors berechnet Trumps Rückzieherschwelle
  • Ölpreise fallen deutlich, Börsen mit Rekorden
Werbung

Zum wiederholten Mal hat Donald Trump am Wochenende einen bereits angekündigten Militärschlag gegen Iran abgesagt, und die US-Börsen reagieren direkt mit einer breiten Erleichterungsrally. Gleichzeitig brachen die Ölpreise ein. Für Marktbeobachter ist das Muster längst vertraut: Es ist die Rückkehr des sogenannten TACO-Trades.

Woher der TACO-Trade seinen Namen hat

Den Begriff prägte der Kolumnist Robert Armstrong von der Financial Times im Mai 2025, als er ein wiederkehrendes Verhaltensmuster der US-Regierung im Zollstreit beschrieb: schnelle Eskalation durch Drohungen, gefolgt von einer Rücknahme, sobald die Märkte empfindlich reagieren. TACO steht für "Trump Always Chickens Out", zu Deutsch etwa "Trump kneift immer". Was als spöttischer Kommentar begann, hat sich seither zu einer eigenständigen Handelsstrategie entwickelt: Investoren kaufen gezielt nach einem Kurseinbruch, weil sie darauf setzen, dass der Präsident seine Drohung zurücknimmt und sich die Kurse erholen. Allein im Kontext des andauernden Kriegs zwischen den USA, Israel und Iran zählt die Zeitung The National inzwischen mindestens sieben größere Kehrtwenden.

Die Formel, die Trumps Rückzieher berechnet

Wie berechenbar dieses Verhalten inzwischen wirkt, zeigt eine Formel der Beratungsgesellschaft Signum Global Advisors unter Leitung von Andrew Bishop. Das Team wertete laut MarketWatch vier Marktgrößen aus, den Brentölpreis, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die Anzahl der Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus und den S&P 500, und glich sie mit früheren Wendepunkten ab. Dazu gewichteten die Analysten diese Komponenten und bewerteten die Empfindlichkeit des Präsidenten gegenüber diesen Faktoren. Das Ergebnis: Eine Marktbewegung von 2,3 bis 3,4 Standardabweichungen, im Schnitt 2,9, bringt den Präsidenten zum Umdenken. Auf dieser Basis sagte Signum Ende Juli 2026 einen Rückzieher zwischen dem 22. und 30. Juli voraus, mit dem 26. Juli als wahrscheinlichstem Termin, und lag damit nahe an der Realität.

Werbung

Warum die Erleichterung nicht ungetrübt bleibt

Ganz ungetrübt fällt die Freude an den Börsen jedoch nicht aus. Tatsächlich erklärte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums, es gebe keine unmittelbaren Pläne für neue Friedensgespräche, obwohl Trump ein Treffen bereits für den Wochenbeginn angekündigt hatte. Zwar erklärte Teheran laut dem Staatssender Press TV, man verhandle erfolgreich mit dem anderen Anrainerstaat der Meerenge, dem Oman, jedoch wurde betont, dass dies noch keine zügige Öffnung der Straße von Hormus bedeute. Genau darin liegt das Risiko des TACO-Trades: Ein einziger tatsächlich durchgezogener Angriff könnte Verluste bringen, die frühere Gewinne übersteigen.

Was das TACO-Muster für Anleger bedeutet

Für Anleger bedeutet das TACO-Muster vor allem eines: erhöhte Schwankungsbreite bei politischen Nachrichten aus Washington. Wer auf einen Rückzieher wettet, kann von kurzfristigen Erholungsbewegungen wie jener vom 3. August 2026 profitieren, trägt aber das Risiko, dass Trump seine Drohung irgendwann tatsächlich wahrmacht. Die Formel von Signum Global Advisors liefert dabei keine Gewissheit, sondern lediglich einen statistischen Anhaltspunkt dafür, wie viel Marktdruck der Präsident in der Vergangenheit ausgehalten hat, bevor er einlenkte.

Ob aus der jüngsten Kehrtwende tatsächlich dauerhafte Gespräche werden, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen. Bestätigt Iran die von Trump angekündigten neuen Verhandlungen, wäre das ein erster Test dafür, ob der TACO-Trade dieses Mal über eine kurzfristige Kurserholung hinausträgt.

Werbung

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Bildquellen: Win McNamee/Getty Images, Jeff Swensen/Getty Images