VXN nahe Zwei-Dekaden-Hoch: Techsektor-Angst unter dem Radar

Während der klassische Angstindikator VIX an der Wall Street oberflächliche Ruhe signalisiert, brodelt es im Tech-Sektor gewaltig.
• Experte: VIX ist derzeit nicht das richtige Maß
• VXN nähert sich 20-Jahres-Hoch
• Nervosität im Technologiesektor steigt
Der klassische Angstindikator der Wall Street täuscht. Während der Cboe Volatility Index (VIX) am Dienstag unter seinem langfristigen Durchschnitt von knapp 20 Punkten notierte, sendet ein weniger beachteter Indikator ein deutlich schärferes Signal: Der Cboe Nasdaq Volatility Index (VXN), der auf Optionen des NASDAQ 100 basiert, zeigt eine Nervosität im Technologiesektor, die der breite VIX schlicht nicht abbildet. Das Verhältnis beider Indizes kletterte bis zum 16. Juni auf rund 1,64, den höchsten Stand seit Juli 2017, bevor es zum Wochenbeginn auf etwa 1,5 zurückging.
VXN zu VIX: Was das Verhältnis verrät
Ein VXN-zu-VIX-Verhältnis über 1,0 bedeutet, dass die Optionsmärkte im NASDAQ 100 größere Schwankungen erwarten als im S&P 500. Je höher der Wert, desto konzentrierter ist die erwartete Turbulenz auf den Technologiesektor. Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, macht das Verhältnis laut MarketWatch auf Daten bis zum 16. Juni sichtbar und stellt fest: Solche Niveaus gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur Mitte der 2000er-Jahre und kurz im Jahr 2017. Weit vom Extrem der Dotcom-Ära entfernt ist das Verhältnis dennoch, denn damals überschritt es in den Jahren 2000 und 2001 die Marke von 3.
Was der VIX nicht mehr zeigt
"Ich würde sagen, dass der VIX im Moment nicht das richtige Maß darstellt", sagte Mike Treacy, Leiter Marktrisiko bei Apex Fintech Solutions. Die Diskrepanz zwischen einem ruhigen Gesamtmarktindikator und einem erhöhten Tech-Volatilitätsmaß signalisiert gezielte Sorgen statt flächendeckender Panik. Anleger zahlen höhere Preise für Absicherungen im NASDAQ 100, während die implizite Volatilität im S&P 500 vergleichsweise gering bleibt.
Konzentration als Verstärker
Dass sich diese Nervosität unmittelbar auf breite Indizes überträgt, zeigte sich am Dienstag. Der iShares Semiconductor ETF verlor 7 Prozent gegenüber dem Vortag, der S&P 500 gab 0,9 Prozent nach, der NASDAQ Composite 1,3 Prozent. Megacap-Tech- und KI-Aktien haben die Kursgewinne dieses Jahres maßgeblich getragen und mittlerweile ein so hohes Indexgewicht erreicht, dass selbst eine begrenzte Bereinigung im Technologiesegment die breiteren Märkte bewegt. "Die Streuung des Portfolios wird das Thema des Jahres sein", sagte Treacy. Während sich die letzten Jahre vor allem um die sieben größten Unternehmen drehten, habe sich der Technologieboom seither auf weitere Nutznießer des KI-Booms ausgeweitet, erklärte er. "Es war fast schon beängstigend, wie stark wir auf diese wenigen konzentriert waren", sagte er und fügte hinzu, dass das aktuelle Umfeld deutlich besser aussehe.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Maßgeblich für die weitere Entwicklung sei, ob das VXN-zu-VIX-Verhältnis auf dem aktuellen Niveau verharrt oder weiter steigt. Überschreitet es erneut die Marke von 1,64, wäre das ein Signal, dass die Optionsmärkte eine weitere Zuspitzung im Technologiesektor einpreisen.
Evelyn Schmal, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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