Fed steuert auf Zinserhöhung zu: Warum Aktien-Anleger dennoch gelassen bleiben sollten
Vor der mit Spannung erwarteten Fed-Entscheidung zu den US-Leitzinsen am Abend liefert die UBS eine historische Rechnung, die viele Anleger überraschen dürfte.
- Historische Daten zeigen laut UBS ein überraschend robustes Bild für Aktienmarkt nach Zinswenden
- Mehrere Wall-Street-Häuser rücken das Gewinnwachstum in den Mittelpunkt
- Risiken durch aggressivere Straffung bleiben
Vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed rät die UBS Anlegern zur Gelassenheit, auch wenn der US-Leitzins steigt. Eine historische Analyse der Bank zeige demnach, dass sich der Aktienmarkt nach dem Beginn früherer Zinserhöhungszyklen tendenziell gut behauptet habe. Auch andere große Häuser stützen dieses Bild, verweisen jedoch auf einzelne Risikofaktoren.
Historie spricht für den S&P 500
Die UBS hat laut "Investing.com" seit 1954 insgesamt 16 Zinserhöhungszyklen ausgewertet und kam dabei zu einem klaren Befund: Im ersten Jahr nach der ersten Zinsanhebung habe der S&P 500 im Schnitt um 10,8 Prozent zugelegt. Die Strategen um David Lefkowitz betonten zudem, der Markt sei in den zwölf Monaten nach Beginn eines Zinserhöhungszyklus bislang noch nie in einen Bärenmarkt gerutscht.
Die UBS rückt zudem die reine Zinsentscheidung in den Hintergrund. Aus ihrer Sicht sei es weniger die erste Anhebung der Leitzinsen, die über die Kursentwicklung am Aktienmarkt bestimme, sondern das Gewinnwachstum der Unternehmen.
UBS: Straffungszyklus dürfte nicht aggressiv sein
Als Erklärungsgröße für die Reaktion nach Zinserhöhungen zieht die UBS die Auftragseingangskomponente des ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe heran. Angesichts eines expandierenden verarbeitenden Gewerbes und bis mindestens 2027 wachsender Investitionen in künstliche Intelligenz sieht die Bank das Umfeld eher mit einer fortgesetzten Expansion als mit einer Kontraktion vereinbar. Als größtes mittelfristiges Risiko benennt sie jedoch die Investitionen in die KI-Infrastruktur, allerdings erst bei einer deutlich stärkeren geldpolitischen Straffung als aktuell erwartet. "Wir erwarten keinen so aggressiven Straffungszyklus, wie er für mehrere frühere Phasen der Inflationsbekämpfung charakteristisch war", zitiert "Investing.com" die Analysten.
Die UBS hält daher an ihren Kurszielen für den S&P 500 von 8.100 Punkten zum Jahresende und 8.400 Punkten Mitte 2027 fest. Ihre Argumentation stützt sich dabei auch auf die Bewertung: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index sei von 22 zu Jahresbeginn auf rund 19,5 gesunken, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5 Prozent zusteuere. Ein Großteil der Bewertungskorrektur durch eine geldpolitische Straffung könne damit bereits eingepreist sein.
Auch andere Häuser sehen Spielraum für den S&P 500
Auch die Goldman-Sachs-Strategen um Ben Snider sehen die Unternehmensgewinne als wichtigsten Kurstreiber. Sie verwiesen laut "FXStreet" darauf, dass der S&P 500 in den drei Monaten nach dem Beginn früherer Zinserhöhungszyklen im Schnitt um 2 Prozent gefallen sei, in den zwölf Monaten danach aber um 9 Prozent zugelegt habe.
Auch JPMorgan-Strategen um Dubravko Lakos-Bujas halten laut der Nachrichtenseite einen flachen Zinserhöhungspfad für Aktien für verkraftbar, warnen jedoch, eine erneute Inflationsbeschleunigung mit breiterem Zinserhöhungspfad würde erhebliches Abwärtspotenzial für Aktien bedeuten, was jedoch nicht ihr Basisszenario sei.
Morgan-Stanley-Strategen um Michael Wilson wiesen außerdem darauf hin, dass sich Zykliker und Momentum-Titel nach der ersten Zinserhöhung typischerweise überdurchschnittlich entwickeln.
Der Fed-Termin selbst
Der aktuelle Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, seit Dezember 2025 hatte die Federal Reserve daran nach mehreren Zinssenkungen nichts mehr verändert. Die Bekanntgabe der Entscheidung ist für 20:00 Uhr deutscher Zeit angesetzt, gefolgt von einer Pressekonferenz um 20:30 Uhr mit dem seit Mai 2026 amtierenden Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
Ob die Fed die Leitzinsen tatsächlich zum ersten Mal seit 2023 wieder anhebt und wie deutlich, entscheidet sich mit der Bekanntgabe am Abend, danach dürfte sich zeigen, ob die historischen Muster der UBS-Analyse auch dieses Mal Bestand haben.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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