Umweltbundesamt: Treibhausgasemissionen in Deutschland 2022 konstant
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Die Treibhausgasemissionen in Deutschland, die vom Europäischen Emissionshandelssystem erfasst werden (EU-ETS), waren im vergangenen Jahr angesichts des Ukraine-Krieges und der gestiegenen Kohleverfeuerung konstant. Nach Angaben des Umweltbundesamts erreichten die Kohlendioxid-Äquivalente 2022 insgesamt 354 Millionen Tonnen, nach 355 Millionen Tonnen im Vorjahr. Demnach stiegen die Emissionen der Energieanlagen um 3 Prozent, die der Industrie gingen um 6 Prozent zurück. Die Behörde rief zu mehr Anstrengungen auf, um die Emissionen zu verringern.
"Vor der Covid-19-Pandemie gab es deutliche Emissionsrückgänge bei den deutschen EU-ETS-Anlagen. Dieser Trend ist vorerst gestoppt", sagte Dirk Messner, Präsident der UBA. "Als Folge der Russland-Aggression stagnieren die Emissionen auf dem Vor-Pandemie-Niveau und bei der Kohleverfeuerung beobachten wir sogar einen erneuten Anstieg." Nun müsse man "entschieden gegensteuern" und weg von den fossilen Energien kommen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien brauche noch mehr Tempo und Deutschland müsse bis 2030 aus der Kohle aussteigen. "Der nun reformierte Emissionshandel, mit deutlich abgesenkten Emissionsobergrenzen ab 2024 kann hierfür spürbare Impulse setzen", sagte Messner.
Kohlekraftwerke waren wirtschaftlicher als Gaskraftwerke
Dem Bericht zufolge stiegen die Emissionen aus der Energieversorgung um 3 Prozent auf 242 Millionen Tonnen CO2-Äq und damit das zweite Jahr in Folge. Trotz der seit Einführung des EU-ETS höchsten Preise von durchschnittlich über 80 Euro pro Emissionsberechtigung seien viele Kohlekraftwerke im Betrieb wirtschaftlicher als Gaskraftwerke gewesen.
Die Emissionen der Industrie sanken dem Bericht zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 112 Millionen Tonnen CO2-Äq, weil weniger produziert wurde. Damit erreichten die Emissionen das niedrigste Niveau seit 2013, so die Behörde. Am meisten gingen die Emissionen in der chemischen Industrie (18 Prozent) zurück, gefolgt von den Nichteisenmetallen (15 Prozent).
Ein deutlicher Anstieg war bei den Emissionen der von Deutschland verwalteten Luftfahrzeugbetreiber zu verzeichnen. Diese stiegen 2022 um 55 Prozent auf etwa 7,2 Millionen Tonnen CO2-Äq. Die Emissionen lagen aber weiterhin unter dem Niveau vor der Covid-19-Pandemie - sie erreichten etwa drei Viertel der Emissionen von 2019, so das Umweltbundesamt.
Innerhalb der kompletten Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen veränderten sich 2022 die Emissionen ebenso nur geringfügig. Nach Angaben der Europäischen Kommission sanken die Emissionen im Jahr 2022 um 1 Prozent und lagen bei rund 1,32 Milliarden Tonnen CO2-Äq. Maßgeblich für diese Entwicklung waren demnach - analog zur Situation in Deutschland - ein Anstieg der Kohleverstromung und Rückgänge in der Industrieproduktion.
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July 07, 2023 05:03 ET (09:03 GMT)