Umweltverbände fordern "Zeitenwende für echte Energiesicherheit"
BERLIN (Dow Jones)--Die deutschen Umweltverbände haben die Bundesregierung bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zu einer beschleunigten "Zeitenwende für echte Energiesicherheit" aufgefordert. Die Ampel-Koalition müsse mehr tun, als mit kurzfristigen Hilfsprogrammen Entlastungen mit der Gießkanne zu verteilen sowie fossile Verbräuche und Infrastrukturen zu zementieren.
"Was es jetzt jedoch braucht, ist eine deutliche Beschleunigung der Transformation, statt weitere fossile Rollen rückwärts. Wir erwarten, dass der Klimaschutzminister nicht nur alte fossile Energiepolitik durch neue ersetzt, sondern nun ebenso ernsthaft bei der Energiewende in die Vollen geht und Fachkräfte und Windanlagenbauer anwirbt", erklärte Kai Niebert, Präsident Deutscher Naturschutzring (DNR).
Die Bundesregierung sollte eine Solar- und Windreserve aufbauen und eine staatliche Abnahmegarantie für erneuerbare Energien gewähren. "Nur so werden wir die Produktion wieder nach Europa, nach Deutschland zurückholen", sagte Niebert.
"Sektorscharfe" Ziele nötig
Verena Graichen, stellvertretende Bundesvorsitzende Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte, dass es verbindliche Primär- und Endenergieeinsparziele festgelegt werden müssten. Aus einem Effizienzgesetz müssten "sektorscharfe" Ziele abgeleitet werden. "Damit der Energieverbrauch über die derzeitige Krise hinaus langfristig sinkt, ist ein gesetzlicher Rahmen unverzichtbar", sagte Graichen. So sei es etwa ein falsches Signal, den geplanten Anstieg des CO2-Preises pro Tonne im nächsten Jahr auszusetzen.
Sanierung von schlechten Gebäuden und Verkehrswende nötig
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe, forderte eine drastische Senkung des Energieverbrauch und insbesondere Gasverbrauch. So müssten etwa die schlechtesten Gebäude zuerst saniert und die Förderung auf 25 Milliarden Euro jährlich angehoben werden. Auch bei der Mobilität müssten Veränderungen angepackt werden.
"Im Verkehrssektor sind Öleinsparung und Klimaschutz nur möglich mit einer echten Verkehrswende. Statt eines gesetzwidrigen Sofortprogramms ohne nennenswerte Fortschritte, braucht es wirklichen Wandel mit einem Tempolimit 100/80/30, einem bundesweit gültigen 365-Euro-Klimaticket sowie einer Begrenzung der milliardenschweren Dienstwagenförderung auf 30.000 Euro und Fahrzeuge, die den CO2-Grenzwert der EU von 95 Gramm pro Kilometer einhalten."