Unternehmen wollen Aktivitäten in USA und Deutschland ausbauen


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die transatlantisch tätigen Unternehmen wollen in den USA und Deutschland ihre Aktivitäten laut einer neuen Umfrage der American Chamber of Commerce in Germany (AmCham Germany) trotz schwieriger geopolitischer Gesamtlage ausbauen. Die an der Business Barometer-Umfrage beteiligten US-Unternehmen in Deutschland und deutsche Unternehmen in den USA blickten trotz Sorgen angesichts der geopolitischen Gesamtlage positiv auf ihre Geschäftsaussichten. Die Zeichen stehen laut der Kammerorganisation auf Wachstumskurs: 90 Prozent der befragten US-Unternehmen in Deutschland erwarteten einen Umsatzanstieg. Mehr als die Hälfte plane, die Anzahl ihrer Beschäftigen und die Investitionen 2022 zu erhöhen.

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"Es ist in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten unerlässlich, die Standorte auf beiden Seiten des Atlantiks zu stärken", sagte die Präsidentin von AmCham Germany, Simone Menne. "Die Politik muss zur Gestaltung der Zeitenwende die transatlantische Zusammenarbeit in allen wirtschaftspolitischen Bereichen ganz oben auf die Agenda zu setzen." Die transatlantischen Unternehmen sähen Handlungsbedarf vor allem bei der Handelsliberalisierung und in der Senkung von Zöllen. Die Zusammenarbeit im EU-US Trade and Technology Council bei einer Reihe von Themen sei ein richtiger Schritt, die Verhandlungspunkte gingen jedoch nicht weit genug. "Ein wichtiger Impuls für die Unternehmen wäre ein klarer Fahrplan zur perspektivischen Abschaffung aller Zölle", sagte Menne.

Die LNG-Vereinbarungen zur Energieversorgung zwischen der EU und den USA zeigten, "dass transatlantische Kooperationen schnell und effektiv vereinbart werden können". Der Energiebereich biete viele weitere transatlantische Kooperationsmöglichkeiten, zu denen die Unternehmen in den Startlöchern stünden. Auch die digitalpolitische Kooperation müsse weiter ausgebaut werden. Die Einigung von EU und USA auf neue Regeln für den Transfer personenbezogener Daten sei ein wichtiger Schritt. Es bestehe jetzt die Chance, einen gemeinsamen Digitalen Transatlantischen Wirtschaftsraum zu schaffen. Über 60 Prozent der befragten Unternehmen sähen die gemeinsame transatlantische Positionierung bei digitalpolitischen Fragen als wichtigstes Handlungsfeld.

Aufholbedarf bei digitaler Infrastruktur

Laut einer Kurzumfrage unter den Kammermitgliedern erwarteten 93 Prozent eine Zunahme der Bedeutung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Der Standort Deutschland werde von 59 Prozent der hier tätigen US-Unternehmen als gut oder sehr gut bewertet. 43 Prozent rechneten damit, dass sich die Standortbedingungen in den nächsten drei bis vier Jahren verbessern. Aufholbedarf werde bei der Qualität der digitalen Infrastruktur, der Unternehmensbesteuerung, den Arbeits- und den Energiekosten gesehen.

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2021 konnten laut der Umfrage viele US-Unternehmen in Deutschland ihr Geschäft ausbauen. Sie verzeichneten einen Anstieg im Umsatz (61 Prozent), in der Zahl der Beschäftigten (47 Prozent) und bei den Investitionen (44 Prozent). 90 Prozent der Unternehmen gingen von steigenden Umsätzen in diesem Jahr aus und 61 Prozent sagten, dass sie ihre Aktivitäten in den kommenden drei bis vier Jahren ausbauen würden. "Die Zahlen zeigen, dass Deutschland für US-Unternehmen ein Wachstumsmarkt ist", sagte Marcus Berret, Global Managing Director von Roland Berger. "Das wird in der Zukunft aber nur dann weiter funktionieren, wenn Deutschland seine Standortbedingungen kontinuierlich weiterentwickelt."

Die Mehrheit der befragten deutschen Unternehmen in den USA erwartet für das laufende Jahr steigende Umsätze und einen Zuwachs bei den Mitarbeitern. 89 Prozent der Befragten gaben an, ihre Aktivitäten in den USA weiter auszubauen. Die Standortbedingungen würden von 78 Prozent als gut oder sehr gut bewertet. 58 Prozent erwarteten eine Verbesserung der Standortbedingungen. Die deutschen Unternehmen schätzten besonders das Potenzial als Absatzmarkt (91 Prozent), die Rahmenbedingungen für Start-ups und Unternehmertum (82 Prozent) und die Qualität der digitalen Infrastruktur (73 Prozent). Den größten Verbesserungsbedarf sahen sie bei der Qualität der Infrastruktur, den Arbeitskosten, der Visaerteilung und allgemeinen Verlässlichkeit der Politik.

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