30 Prozent unter dem Hoch - warum Goldminenaktien jetzt interessant werden
Der Goldpreis hat seit seinem Allzeithoch Ende Januar 2026 bei rund 5.600 US-Dollar je Unze um knapp 25 Prozent korrigiert - und Goldminenaktien gleich mit nach unten gezogen. Gewinnmitnahmen und ein stärkerer US-Dollar belasteten den Preis.
Seit Jahresbeginn 2026 (Eröffnung: 4.310 Dollar) hat Gold rund vier Prozent verloren und notiert aktuell bei rund 4.150 Dollar je Unze. Newmont, der weltgrößte Goldproduzent, verlor seit Jahresbeginn 3 Prozent und vom Allzeithoch sogar rund 30 Prozent. Viele Anleger trennten sich von ihren Positionen - obwohl sich die Fundamentaldaten der Branche in den vergangenen Jahren grundlegend verbessert haben. Genau darin könnte eine Chance liegen.
Der Hebel-Effekt - und warum er diesmal funktionieren könnte
Goldminenunternehmen gelten als gehebeltes Goldinvestment. Der Grund: Die Förderkosten einer Mine sind kurzfristig weitgehend fix. Steigt der Goldpreis, fließt ein Großteil des Mehrerlöses direkt in die Gewinnmarge - und umgekehrt. Dieser operative Hebel macht Minenaktien chancenreicher als das Edelmetall selbst, aber auch schwankungsanfälliger.
Was diesmal für Minenaktien spricht, ist die verbesserte Ausgangslage der Unternehmen: Schulden wurden abgebaut, Kosten gesenkt, Bilanzen gestärkt. Die All-in Sustaining Costs (AISC) - Förderkosten plus Erhaltungsinvestitionen - lagen laut World Gold Council im Branchenmedian zuletzt bei rund 1.700 Dollar je Unze. Bei einem Goldpreis von rund 4.050 Dollar ergibt sich daraus eine operative Marge von gut 2.300 Dollar je Unze. Die daraus resultierende starke Cashflow-Generierung verschafft den Unternehmen Spielraum für Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen.
Bewertung, Risiken und der Weg ins Investment
Auch die Bewertung spricht für einen näheren Blick. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei großen Produzenten wie Newmont und Barrick aktuell knapp unter 10 - verglichen mit einem KGV von rund 27 für den MSCI World ein deutlicher Abschlag. Hinzu kommt: Das globale Goldangebot wächst nur langsam, da die Erschließung neuer Minen aufwändiger und kostenintensiver wird. Das begrenzte Angebot dürfte den Goldpreis langfristig stützen.
Dennoch sollten Anleger die Risiken klar im Blick behalten. Fällt der Goldpreis weiter, trifft das Minenaktien überproportional. Steigende Förderkosten oder politische Risiken in den Förderländern können die Margen empfindlich belasten. Auch die allgemeine Aktienmarktentwicklung spielt eine Rolle. Goldminenaktien eignen sich daher als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio - nicht als Kernanlage.
Für den Einstieg bieten sich neben Einzelwerten auch ETFs an, die das Einzelwertrisiko streuen. Beispielhaft seien hier zwei ETFs genannt:
· iShares Gold Producers UCITS ETF (WKN: A1JKQJ)
· VanEck Gold Miners UCITS ETF (WKN: A12CCL)
Fazit: Hohe Gewinnmargen, solide Bilanzen, attraktive Bewertungen - und ein Goldpreis, der langfristig strukturell unterstützt bleibt. Wer zwischenzeitliche Kursrückschläge aushält und Gold als strategische Portfoliokomponente betrachtet, findet in Goldminenaktien derzeit ein Segment mit attraktivem Chancen-Risiko-Verhältnis.
von Stefanie Dyballa, KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg
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