Vermögensverwalter-Kolumne

Im Raubtiergehege

20.04.26 13:51 Uhr

Im Raubtiergehege | finanzen.net

Nach dem positiven Jahresstart im Januar und Februar sorgte die Offensive von USA und Israel gegen den Iran im März zu einem starken Rückgang an den globalen Kapitalmärkten.

Vor allem die steigenden Energiepreise infolge der Schließung der Straße von Hormus machen den Investoren Sorgen. Dabei gerieten die Aktienmärkte in Deutschland, Europa und Japan besonders unter Druck. US-Aktien hingegen fielen aufgrund der geringeren Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Nahen Osten weniger stark und haben sich großteils nach ersten Entspannungsanzeichen nun schon fast komplett wieder erholt.

Zumindest ist ein befürchteter Großangriff auf die iranische Energieinfrastruktur zunächst ausgeblieben und es gibt Hoffnung auf eine Verhandlungslösung. Allerdings machen es Trumps Raubtiermanieren weder Diplomaten noch Anlegern einfach, eine sinnvolle Lösung des Konflikts zu erkennen. Im besten Fall nimmt der Iran weniger Geld ein, aber der Druck auf die Weltwirtschaft wird nicht kleiner. Im schlechtesten Fall verliert Trump die Geduld und schlägt militärisch umso härter zu.

Selbst bei einer diplomatischen Lösung ist der angerichtete Schaden bereits so groß, dass die Energiepreise wohl auf erhöhtem Niveau verharren und die Weltwirtschaft weiter belasten werden. Das Rohstoffangebot wird knapper. Die Preise und die Inflationsrisiken steigen.

Wie man aber bereits sieht, kann aufgrund der sehr negativen Stimmung am Markt und der vorsichtigen Positionierung vieler Anleger eine Entspannung im Nahen Osten kurzfristig schnell zu nennenswerten Kurserholungen führen. Doch die Ausblicke der Unternehmen in der kommenden Berichtssaison des ersten Quartals werden wohl eher verhalten ausfallen. Und da die Börse lieber die Zukunft als die Gegenwart handelt, dürfte es eine Börsenachterbahn bleiben, die vom Katz-und-Maus-Spiel im Weißen Haus getriggert wird.

Ein Trost bleibt: nur ein Bruchteil des Trump-Aktionismus wirkt sich längerfristig marktbeeinflussend aus; das Meiste stellt sich schon nach wenigen Tagen als irrelevant bzw. allenfalls als gesellschaftlich bedenklich heraus.

von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

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