Vermögensverwalter-Kolumne

Wer profitiert vom EU-Mercosur-Deal aus Latein-Amerika?


Das EU-Mercosur-Abkommen, dessen Handelsteil seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet wird, markiert einen Wendepunkt für die europäische Wirtschaft.

Nach über zwei Jahrzehnten der Verhandlungen entsteht eine der weltweit größten Freihandelszonen, die rund 720 Millionen Menschen umfasst. Welche Unternehmen profitieren durch den Wegfall von Zöllen in Höhe von jährlich etwa 4 Mrd. Euro, fragt von Marc Gabriel, CIIA®, CESGA®, Kundendirektor bei Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung in Kleve.

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Strategische Chancen für Unternehmen

Der Kern des Abkommens liegt in der umfassenden Liberalisierung des Warenverkehrs: Über 90 Prozent der Zölle zwischen der EU und den Mercosur-Staaten - darunter Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay - werden schrittweise abgebaut. Damit verbessert sich vor allem die Kosteneffizienz europäischer Unternehmen erheblich. Bislang waren viele Produkte durch hohe Zollbarrieren belastet, was sie im Wettbewerb verteuerte. Mit dem Wegfall dieser Kosten sinken die Preise für Endverbraucher vor Ort, wodurch europäische Marken ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und Marktanteile gegenüber Anbietern aus China und den USA ausbauen können.

Ein weiterer zentraler Fortschritt ist der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. Erstmals öffnen die Mercosur-Staaten ihre Beschaffungsmärkte, sodass auch börsennotierte Infrastruktur- und Dienstleistungsunternehmen aus Europa gleichberechtigt an staatlichen Projekten teilnehmen können. Allein das Volumen öffentlicher Aufträge in Brasilien wird auf über acht Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Darüber hinaus gewinnt das Abkommen für die Rohstoffsicherung der europäischen Industrie strategische Bedeutung. Insbesondere für Unternehmen aus den Bereichen E-Mobilität und Halbleiter ist der erleichterte Zugang zu kritischen Ressourcen wie Lithium, Kupfer und seltenen Erden entscheidend. Exportbeschränkungen für diese Rohstoffe werden untersagt, wodurch stabile Lieferketten gesichert und die Grundlage für die europäische Energiewende gestärkt werden.

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Lateinamerika - Profiteure: Top-Sektoren

Die Agrarindustrie und der Nahrungsmittelsektor zählen traditionell zu den stärksten Bereichen der Mercosur-Staaten. Durch die Senkung von Zöllen und die Ausweitung von Quoten erhalten lokale Produzenten einen erleichterten Zugang zum kaufkräftigen EU-Markt. Besonders im Bereich Rindfleisch und Geflügel ergeben sich deutliche Vorteile: Brasilien und Argentinien profitieren von einer Quote von 99.000 Tonnen Rindfleisch zu einem reduzierten Zollsatz von 7,5 Prozent, während die Zölle für Geflügel mit einem Volumen von 180.000 Tonnen über einen Zeitraum von fünf Jahren vollständig abgebaut werden. Zu den wichtigsten Unternehmen in diesem Segment zählen JBS S.A. als weltweit größter Fleischproduzent sowie BRF S.A. als bedeutender Geflügelspezialist aus Brasilien, ergänzt durch argentinische Exporteure wie Cresud.

Auch im Bereich Orangensaft und Ethanol eröffnen sich neue Chancen: Brasilien ist global führend im Orangensaftmarkt, und durch das Abkommen entfallen hier künftig die Zölle. Gleichzeitig verbessern sich die Exportmöglichkeiten für Ethanol, insbesondere für chemische Anwendungen. Wichtige Akteure sind dabei Raízen als großer Ethanolproduzent sowie Agrarkonzerne wie São Martinho.

Bergbau & Kritische Rohstoffe

Ein zentraler Aspekt des Abkommens aus Sicht der EU ist die Sicherung strategisch wichtiger Rohstoffe für die Energiewende, wovon insbesondere große Bergbauunternehmen in Lateinamerika profitieren. So spielt Argentinien als Teil des sogenannten "Lithium-Dreiecks" eine Schlüsselrolle bei der Versorgung mit Lithium. Das Abkommen erleichtert dabei nicht nur den Export, sondern schafft auch Anreize für Investitionen in die lokale Weiterverarbeitung. Zu den bedeutenden Akteuren zählt Arcadium Lithium, das aus der Fusion von Livent und Allkem hervorgegangen ist und eine starke Präsenz in Argentinien aufweist.

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Auch im Bereich Eisenerz und Niob nimmt Brasilien eine herausragende Stellung ein: Bereits heute deckt das Land über 80 Prozent des EU-Bedarfs an Niob, einem essenziellen Rohstoff für die Herstellung von Spezialstählen. Der Wegfall von Exportabgaben verbessert dabei die Margen der Produzenten deutlich. Zu den wichtigsten Unternehmen zählen Vale S.A., einer der größten Bergbaukonzerne weltweit, sowie die Companhia Brasileira de Metalurgia e Mineração, die zwar nicht börsennotiert ist, jedoch als systemrelevant für den globalen Niobmarkt gilt.

EU - Profiteure: Sektoren im Fokus

Bestimmte Branchen aus Europa profitieren auch überproportional von der neuen Handelsarchitektur.

Fazit für Anleger und Unternehmen

Das Mercosur-Abkommen bietet eine strategische Diversifizierung in einer geopolitisch instabilen Welt. Für börsennotierte Unternehmen bedeutet die vorläufige Anwendung ab Mai 2026 eine unmittelbare Senkung der Transaktionskosten und eine höhere Planungssicherheit. Anleger profitieren am einfachsten über ein Investment in einen Fonds oder ETF mit Schwerpunkt auf Lateinamerika. Der iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF oder der Amundi MSCI EM Latin America UCITS ETF sind kostengünstig, während der JPM Latin America Equity Fund mit seiner Überdurchschnittlichen Performance und der Templeton Latin America Fund als einer der Klassiker mit einem langjährigen Management-Team vor Ort überzeugen.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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