S&P 500 im Spannungsfeld: Tom Lee setzt auf Aktienrally, Ed Yardeni warnt - was Anleger wissen müssen
Tom Lee hält trotz des jüngsten Fed-Schocks an seiner Prognose einer kräftigen Aktienmarktrally fest. Ein anderer Experte wird dagegen vorsichtiger.
- Tom Lee erklärt, warum seine Rally-Prognose weiterhin aufgehen soll
- Kevin Warshs Fed-Pressekonferenz markiert für ihn einen Wendepunkt
- Ed Yardeni sieht die Risiken für den Markt dagegen wachsen
Fundstrat-Stratege Tom Lee hält an seiner Prognose einer heftigen Aktienmarktrally fest, auch wenn diese bislang ausgeblieben ist. In einem Videokommentar mit Anspielungen auf "Game of Thrones" und "Die Simpsons" erklärte er, die Bewegung komme lediglich später als geplant. Als Auslöser für die Verzögerung nennt er die restriktive Haltung der US-Notenbank nach der jüngsten Zinsentscheidung vom September.
Fundstrat-Stratege hält an Rally-These fest
Tom Lee bezeichnete die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh im Anschluss an die Fed-Zinsentscheidung als "Peak Hawkish Fed". Damit deutete er an, dass die Notenbank ihren restriktivsten Punkt erreicht haben könnte. Seiner Einschätzung nach dürften weitere Fed-Vertreter Warshs restriktiven Ton in den kommenden Wochen relativieren, was den Markt wieder empfänglicher für expansive Signale machen könnte. Lee hatte bereits vor der Fed-Sitzung eine deutliche Aktienrally erwartet.
Im Kursbild sieht Lee einen wasserfallartigen Rückgang bei gleichzeitig steigenden Relative-Stärke-Index-Werten, ein Muster, das er mit der Lage im August dieses Jahres vergleicht, kurz bevor damals eine Rally einsetzte. Seine zuvor prognostizierte, von ihm selbst als "face ripper" bezeichnete Rally sei deshalb nicht vom Tisch, sondern lediglich verschoben. Fundstrat bekräftigte nach der Fed-Entscheidung, dass Lee trotz des zunächst negativen Marktimpulses an seiner positiven Einschätzung festhält.
Fahrplan: Rücksetzer vor dem nächsten Anstieg
Konkret rechnet Lee zunächst mit einem Anstieg des S&P 500 auf 7.900 bis 8.000 Punkte bis Ende September 2026. Danach erwartet er im Oktober oder Anfang November einen zwischenzeitlichen Rücksetzer von rund 7 Prozent, bevor die eigentliche Rally über die Marke von 8.200 Punkten hinausführen soll. Auf CNBC sagte er zum vierten Quartal, es könne der Beginn einer der größten Marktrallys unserer Lebenszeit sein.
Als Argumente für seinen Optimismus nennt Lee an der Seitenlinie geparkte Barmittel, bereits eingepreisten Pessimismus sowie anhaltende Investitionen in Künstliche Intelligenz. Darüber hinaus rechnet er mit einem historischen Boom über die kommenden 18 bis 24 Monate, der damit über das laufende Jahr hinausreicht.
Yardeni senkt S&P-500-Ziel
Nicht jeder an der Wall Street teilt diesen Optimismus. Ed Yardeni von Yardeni Research senkte sein Jahresend-Kursziel für den S&P 500 unlängst von 8.400 auf 7.900 Punkte und verschob das ursprüngliche Ziel von 8.400 Punkten auf Mitte 2027. Zugleich erhöhte er die von ihm angenommene Wahrscheinlichkeit eines bearischen Szenarios von 20 auf 30 Prozent. Als Gründe nannte er unter anderem höhere Anleiherenditen sowie die gestiegenen Risiken für die Konjunktur in den kommenden drei bis sechs Monaten.
Was bedeutet das für Aktien-Anleger?
Für Anleger bleibt damit vor allem die Entwicklung der kommenden Wochen entscheidend. Lees Szenario setzt auf eine zunächst mögliche Korrektur und anschliessende Erholung, während Yardeni auf gestiegene Risiken durch Inflation, Energiepreise und Anleiherenditen verweist. Entsprechend stehen neben dem S&P 500 insbesondere die weitere Entwicklung der US-Renditen und die Signale der Fed im Fokus. Wer sich an Lees Szenario orientiert, sollte zudem berücksichtigen, dass dessen zeitlicher Fahrplan bislang nicht aufgegangen ist und sich die Marktlage kurzfristig weiter verändern kann.
Ob sich Lees Fahrplan bewahrheitet, dürfte sich zunächst am Kursverlauf des S&P 500 in den kommenden Wochen zeigen. Entscheidend wird dabei auch sein, ob der von ihm erwartete Rücksetzer im Oktober oder November tatsächlich eintritt und wie weitere Fed-Vertreter auf Warshs restriktive Töne reagieren.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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