ZEW: Mittelständische Unternehmen sind in Deutschland steuerlich im Nachteil
Von Andrea Thomas
DOW JONES--Mittelständische Unternehmen sind in Deutschland steuerlich im Nachteil. Das ergibt eine Studie des Instituts ZEW Mannheim im Auftrag der Implus-Stiftung, der Spitzenorganisation des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA), die die effektive Steuerbelastung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) untersucht. Demnach weist Deutschland im internationalen Vergleich eine der höchsten Unternehmenssteuerbelastungen auf. Gleichzeitig sind die steuerlichen Entlastungen für KMU im internationalen Vergleich gering. Der Durchschnitt der in der Studie verglichenen Steuerbelastungen von KMU liegt zwischen 28 und 30 Prozent. In Deutschland liegt diese Belastung zwischen 38 und 39 Prozent.
"Dies birgt die Gefahr einer erheblichen Benachteiligung von Unternehmen, die weder klein genug sind, um die Erleichterungen für KMU in Anspruch zu nehmen, noch groß genug, um internationale Steuerplanung zu betreiben", erklärte Julia Spix vom ZEW. "Dies betrifft insbesondere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, die aufgrund vergleichsweise hoher zu versteuernder Einkommen nicht von KMU-spezifischen Entlastungen profitieren können."
Der Untersuchung zufolge tendieren vor allem Länder mit einer hohen Gesamtsteuerbelastung dazu, Kleinst- und Kleinunternehmen zu entlasten, so auch Deutschland. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern seien die steuerlichen Anreize in Deutschland jedoch gering, sodass Deutschland als Investitionsstandort im internationalen Wettbewerb weiter an Attraktivität verliert.
Die in Deutschland wenigen, bereits existierenden Regelungen zur steuerlichen Entlastung von KMU verfehlen laut ZEW dabei insbesondere mit Blick auf den industriellen Mittelstand, wie etwa im Maschinen- und Anlagenbau, ihre entlastende Wirkung. Während beispielsweise Belgien die effektive Steuerbelastung für KMU im Vergleich zu großen Kapitalgesellschaften um bis zu 12,8 Prozentpunkte senke, betrage die Differenz in Deutschland nur 0,7 Prozentpunkte.
"Trotz bestehender Entlastungen bleibt Deutschland damit ein Hochsteuerland - mit negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere des Maschinen- und Anlagenbaus", so das ZEW.
ZEW plädiert für eine allgemeine Steuerreform zur Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen, von der der industrielle Mittelstand in Deutschland profitieren würde. Insbesondere größenunabhängige Anreize können in einem Hochsteuerland wie Deutschland wichtige steuerliche Erleichterungen bringen
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February 20, 2025 04:03 ET (09:03 GMT)