ZIA: Stimmung in der Immobilienwirtschaft erreicht Tiefstand
BERLIN (Dow Jones)--Die Stimmung in der Immobilienwirtschaft hat sich aufgrund des Ukraine-Kriegs, hoher Baukosten und schwacher Konjunktur deutlich verschlechtert. Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex des Spitzenverbands der Immobilienwirtschaft (ZIA) fiel erstmals auf einen negativen Wert und erreichte minus 5,5 nach 30,7 im Vormonat. Wegen der hohen Inflationsraten, steigender Baukosten und Rohstoffpreise sowie pessimistischer Konjunkturprognosen sei die Eintrübung erwartet worden. Besonders im Bürosektor und Wohnungssegment hat sich die Stimmung eingetrübt. Wichtig ist aber laut ZIA, dass trotz des schwierigen Umfelds der Wohnungsbau weiter vorangetrieben werde.
"Bezahlbares Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Daran ändern auch die schwierigen Rahmenbedingungen nichts. Es muss einen Konsens aller Beteiligten geben, um auch in unruhigen Zeiten das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dafür brauchen wir als Branche unbedingt politische Unterstützung", erklärte Iris Schöberl, Vizepräsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses.
Der ZIA identifizierte zehn Stellschrauben zum Erreichen der Wohnungsbauziele. Dazu zählt er die drastische Reduzierung der Anhandgabezeiträume für städtische Grundstücke, die wichtigste Quelle für Bauland in Deutschland. Aus Sicht des ZIA reichen die Anerkennung der gemeinsamen städtebaulichen Projektidee und der jeweilige Kaufpreis dazu aus. Darüber hinaus müssten das Plan- und Baurecht deutlich vereinfacht werden, da sich in der Praxis zahlreiche Stolpersteine für dringend benötigte Projektentwicklungen fänden.
Während des Ukraine-Kriegs sollten zudem steuerliche Verschärfungen etwa bei der Grunderwerbsteuer ausgesetzt werden, da diese zusätzlich den Wohnungsbau belasten. Eine weitere Stellschraube sieht der ZIA in der neuen Ausgestaltung der Finanzierungsaufsicht. und -regulierung, damit die Finanzierung von Immobilienprojekten auch in Zukunft ermöglicht werde. Aktuell drohten sonst - etwa durch die EU-Taxonomie - Kreditklemmen für Immobilienfinanzierungen.
"Die Immobilienwirtschaft ist ein sehr kapitalintensiver Sektor. Wir haben Verständnis für sämtliche Kapitalmarktziele der Europäischen Union und Bundesregierung, doch müssen sie praxisorientiert sein. Dafür brauchen wir einen gemeinsamen Immobilienfinanzierungsgipfel", erklärte Oliver Wittke, Hauptgeschäftsführer des ZIA.
Im Bürosektor sank das Immobilienklima von plus 49,3 auf minus 1,7, im Handelsimmobiliensektor von plus 40,5 auf plus 3,5 und im Wohnsegment von plus 22,6 auf minus 19,5. Auch bei Projektentwicklern hat sich der Indexwert verschlechtert und von plus 19,7 auf minus 6,9 gedreht.