D-Wave Quantum-Aktie nach Rally leichter: Rekordaufträge verpuffen trotz Wachstum
Trotz Rekordaufträgen verliert die D-Wave-Aktie an Dynamik. Analysten senken ihre Kursziele. Hohe Kosten, die Bewertung und neue Risiken bremsen die Fantasie am Markt.
Werte in diesem Artikel
• Mizuho senkt Kursziel deutlich, bleibt aber bullish
• Rekordaufträge treffen auf steigende Kosten und operative Risiken
• Lieferkettenprobleme und eine hohe Bewertung belasten die Aktie
D-Wave unter Druck trotz Auftragsboom
Die Aktie von D-Wave Quantum kommt trotz operativer Fortschritte nicht in Schwung. Zwar meldet das Unternehmen das stärkste Auftragswachstum seiner Geschichte, doch an der Börse überwiegt die Skepsis. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 hat das Papier rund 45 Prozent an Wert verloren und kann sich auch von zwischenzeitlichen Erholungen nur schwer lösen. Nachdem am Vortag kräftige Gewinne verbucht wurden, setzte am Donnerstag nun eine Gegenbewegung ein: Letztlich verlor das Papier im NYSE-Handel 4,84 Prozent auf 13,87 US-Dollar.
Auslöser der jüngsten Zurückhaltung ist eine Neubewertung des gesamten Quantum-Computing-Sektors. Das Analysehaus Mizuho Securities hat sein Kursziel für D-Wave deutlich von 40 auf 31 US-Dollar gesenkt, die Einstufung jedoch weiterhin auf "Outperform" belassen. Hintergrund sind steigende Kosten im Sektor sowie ein intensiver werdender Wettbewerb.
Analysten weiterhin optimistisch
Trotz der Kurszielsenkung des Analysehauses Mizuho bleibt das Analystenbild eindeutig positiv: Insgesamt liegen 13 Einschätzungen vor, alle mit Kaufempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 38,18 US-Dollar und signalisiert damit ein Aufwärtspotenzial von rund 162 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs von 14,57 US-Dollar.
Wachstum trifft auf steigende Kosten
Die insgesamt positive Analysteneinschätzung überrascht mit Blick auf die operativen Fortschritte nicht: Allein in den ersten beiden Monaten 2026 sammelte das Unternehmen Aufträge im Wert von 32,8 Millionen US-Dollar ein. Damit wurde bereits ein Niveau erreicht, das in früheren Jahren oft erst nach zwölf Monaten erzielt wurde. Großaufträge im zweistelligen Millionenbereich unterstreichen die Dynamik, wie aus einem Bericht von Stock World hervorgeht.
Gleichzeitig steigen die Kosten deutlich. Die Betriebsausgaben sollen im laufenden Jahr um rund 15 Prozent zulegen, getrieben durch Investitionen in Forschung, Entwicklung und Personal sowie den Ausbau der Gate-Modell-Technologie, wie aus einer Analyse von Ad-hoc News hervorgeht. Auch die Übernahme von Quantum Circuits belastet die Kostenstruktur kurzfristig.
Bewertung und Lieferketten als Risiko
Neben der Kostenentwicklung rückt ein weiterer Faktor in den Fokus: die Bewertung. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 95 ist bereits viel Zukunftspotenzial eingepreist, so Stock World. Investoren reagieren in einem von Zinsen geprägten Marktumfeld zunehmend sensibel auf solche Bewertungsniveaus.
Zusätzlich entstehen neue Unsicherheiten in der Lieferkette. Der Wettbewerber IonQ hat mit der Übernahme von SkyWater Technology Zugriff auf einen wichtigen Chip-Zulieferer erhalten. Das könnte langfristig zu strategischen Nachteilen für D-Wave führen.
Ein zentrales Problem bleibt zudem die Verzögerung bei der Umsatzrealisierung. Aufgrund langer Installationszeiten schlagen sich Systemverkäufe oft erst Monate später in den Bilanzen nieder.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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