Familienunternehmen sehen in Corona-Bonds "moralische Verblendung"


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die deutschen Familienunternehmen lehnen eine gemeinsame europäische Schuldenaufnahme über Corona-Bonds ab und sehen in diesen Anleihen eine "moralische Verblendung". Bundeskanzlerin Angela Merkel solle beim bevorstehenden EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs bei ihrer Ablehnung dieses Instruments bleiben. "Die Idee einmaliger Notfallbonds birgt eine gefährliche Kettenreaktion in sich: Erst sind sie Ausnahmen, dann gewöhnt man sich daran und sie werden zur neuen Normalität. Und letztendlich mutieren sie zu einem dauerhaften Instrument internationaler Umverteilung von Steuergeldern", erklärte Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands Die Familienunternehmer.

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Besonders aus Italien waren Forderungen nach der Einführung von Corona-Bonds gekommen, bei denen alle Länder der Europäischen Union gemeinsam haften. Der Vorschlag soll am Donnerstag bei EU-Gipfel diskutiert werden. "Wenn Italien nun frisches und billiges Geld aus Europa bekommen will, dann bitte nur, wenn es auch für die Rückzahlung haftet", mahnte von Eben-Worlée. Es reiche nicht nur Geld irgendwohin zu pumpen. Die italienische Regierung müsse konkret sagen, wie hoch der finanzielle Bedarf des Staates sei, wofür die Mittel verwendet und wie und wann sie zurückgezahlt würden.

Wolle die EU dauerhaft solidarisch sein, müsse sie die Finanzstabilität aller Mitglieder des Euroraums im Blick behalten. Eurobonds würden diese erheblich erodieren. Wichtig sei, dass alle zusätzlichen europäischen Finanzhilfen in Höhe und Dauer begrenzt seien und es sich dabei um zurückzahlbare Kredite handeln müsse. "Es gibt wesentlich bessere Alternativen, die finanzielle Solidarität unter dem Staat sicherzustellen. Auch ein EU-Fonds für die Ausreichung direkter Kredite für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft insgesamt wäre denkbar", so der Präsident der Familienunternehmen.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/cbr

(END) Dow Jones Newswires

April 22, 2020 04:19 ET (08:19 GMT)

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