Das Ethereum von morgen wird völlig anders - Vitalik Buterin legt seine Vision offen
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin skizziert die Zukunft des Netzwerks: Bis 2030 soll sich Ethereum von der klassischen Blockchain zum "cryptographic world computer" wandeln.
Werte in diesem Artikel
- Buterin beschreibt Ethereum künftig als "cryptographic world computer"
- Zero-Knowledge-Technik und optimierter Proof of Stake sollen zentrale Rollen übernehmen
- Ethereum-Roadmap sieht weitere Schritte bei Skalierung, Sicherheit und Quantenresistenz vor
Buterin skizziert Ethereum der Zukunft
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hat am 27. September seine langfristige Vorstellung für die technische Entwicklung von Ethereum vorgestellt. In einem Blogbeitrag beschreibt er, wie sich das Netzwerk in den kommenden Jahren von einer klassischen Blockchain zu einem System entwickeln könnte, das er als "cryptographic world computer" bezeichnet. Bis 2030 erwartet Buterin erhebliche Veränderungen bei zentralen Eigenschaften des Netzwerks.
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Bereits heute unterscheidet sich Ethereum technisch deutlich von frühen Blockchain-Systemen. Das Netzwerk setzt auf Proof of Stake, unterstützt allgemeine Berechnungen und nutzt Layer-2-Netzwerke sowie Zero-Knowledge-Verfahren für Skalierung und Privatsphäre. Für die kommenden Jahre nennt Buterin unter anderem einen stärker optimierten Proof-of-Stake-Mechanismus, verschiedene Formen der Blockerstellung durch mehrere Beteiligte und eine wesentlich größere Rolle von Zero-Knowledge-Beweisen direkt auf der Basisschicht. Auch die Verifizierung soll sich verändern. Statt sämtliche Daten herunterzuladen und Berechnungen erneut auszuführen, sollen Verfahren wie PeerDAS und kryptografische Beweise eine effizientere Überprüfung ermöglichen.
Buterin zufolge verschiebt sich damit auch die grundlegende Architektur des Netzwerks. Ethereum soll langfristig Blockchain-Technologie mit kryptografischen Verfahren für Privatsphäre und Verifizierung sowie leistungsfähigen dezentralen Komponenten außerhalb der eigentlichen Blockchain verbinden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass bei der Umsetzung noch technische Herausforderungen bestehen. Dazu zählen insbesondere ausreichend effiziente und sichere Zero-Knowledge-Beweise sowie die Verwaltung und parallele Verarbeitung sehr großer Zustandsmengen.
Hegotá soll den Übergang markieren
Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die weitere Ethereum-Roadmap. Zunächst befindet sich das Glamsterdam-Upgrade in Entwicklung, das für das vierte Quartal 2026 vorgesehen ist. Geplant sind unter anderem eine im Protokoll verankerte Trennung von Blockerstellung und Blockvorschlag sowie sogenannte Block-Level Access Lists. Diese sollen Abhängigkeiten vorab erfassen und dadurch unter anderem parallele Ausführung und schnellere Datenzugriffe ermöglichen. Der Zeitplan ist nicht endgültig und kann sich im weiteren Entwicklungsprozess noch ändern.
Für 2027 ist anschließend Hegotá vorgesehen. Geplant sind unter anderem sogenannte Fork-choice Enforced Inclusion Lists, kurz FOCIL, mit denen mehrere Validatoren Einfluss darauf erhalten sollen, welche gültigen Transaktionen in einen Block aufgenommen werden müssen. Ebenfalls vorgesehen sind sogenannte Frame Transactions. Dabei entscheidet das jeweilige Konto selbst, unter welchen Bedingungen eine Transaktion gültig ist. Dies soll unter anderem den Einsatz neuer Signaturverfahren ermöglichen. Der konkrete Umfang des Upgrades steht noch nicht endgültig fest.
Buterin bezeichnet Hegotá in seinem Blogbeitrag als voraussichtlich letzten "normalen" Fork, dessen Technologien für Entwickler aus den Anfangsjahren von Ethereum noch weitgehend vertraut wären. Danach sollen unter anderem rekursive STARKs, automatisierte formale Verifizierung, stärker optimierte Konsensverfahren und quantensichere Technologien eine größere Rolle spielen. Die Transformation zum „cryptographic world computer“ soll nach Hegotá zum zentralen Thema der weiteren Ethereum-Entwicklung werden.
Ethereum bereitet sich auf Quantencomputer vor
Ein Bestandteil dieser Entwicklung ist die langfristige Absicherung gegen leistungsfähige Quantencomputer. Derzeit gibt es keinen Quantencomputer, der die von Ethereum eingesetzte Kryptografie brechen könnte. Da eine Umstellung kryptografischer Verfahren jedoch mehrere Jahre dauern kann, laufen bereits Vorbereitungen für mögliche künftige Bedrohungen. Die Ethereum Foundation gründete dafür im Januar 2026 ein eigenes Post-Quantum-Security-Team. Zu den Bereichen, die langfristig angepasst werden müssen, gehören Signaturen von Validatoren und Konten sowie kryptografische Verfahren für Datenverfügbarkeit und Zero-Knowledge-Beweise.
Einen möglichen technischen Baustein bildet EIP-8288, ein im Juni 2026 von Vitalik Buterin und Thomas Coratger eingereichter Ethereum Improvement Proposal. Der Vorschlag befindet sich noch im Entwurfsstadium und sieht vor, kryptografische Signaturen und STARK-Beweise außerhalb der Blockchain zusammenzufassen und anschließend über einen einzelnen rekursiven STARK zu verifizieren. Hintergrund sind die hohen Datenmengen und Kosten, die quantenresistente Signaturen und Zero-Knowledge-Beweise bei einer direkten Verarbeitung verursachen können.
Für Anleger handelt es sich bei den vorgestellten Änderungen zunächst um eine langfristige technische Roadmap. Geplante Upgrades, deren konkreter Umfang und die genannten Zeitpläne können sich im weiteren Entwicklungsprozess noch verändern. Reguläre Nutzer müssen sich auf kommende Netzwerk-Upgrades in der Regel nicht selbst vorbereiten, während Betreiber von Nodes ihre Software aktualisieren müssen und sich für Anwendungsentwickler technische Änderungen ergeben können. Konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen der beschriebenen Pläne auf den Kurs von Ether enthalten die zugrunde liegenden Informationen nicht.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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