Carry Trade meldet sich zurück: Goldman Sachs sieht bestes Umfeld seit der Jahrtausendwende

Nach dem Ausverkauf im Sommer 2024 erlebt der Devisen-Carry-Trade laut einem Bericht von Goldman Sachs eine bemerkenswerte Renaissance.
Werte in diesem Artikel
• Laut Goldman Sachs-Stratege Stuart Jenkins ist der Carry Trade derzeit so relevant wie fast nie
• Carry-Strategien hätten 2026 bislang rund 8 Prozent Rendite erzielt
• Bevorzugte Finanzierungswährungen: Japanischer Yen, Schweizer Franken, Euro, Kanadischer Dollar
Was den Carry Trade wieder attraktiv macht
Beim Carry Trade leihen sich Anleger Kapital in einer Währung mit niedrigem Zinsniveau, um es in einer höher verzinsten Währung anzulegen. Nach einem Bericht von Bloomberg vom 10. Juli 2026 schrieb Goldman Sachs-Stratege Stuart Jenkins in einer Notiz, die Zinsen der großen Industrienationen hätten sich infolge der Post-Corona-Inflation und zuletzt des Nahost-Energieschocks auf einem hohen und zugleich stark unterschiedlichen Niveau eingependelt, wodurch ungewöhnlich weite Zinsdifferenzen entstanden seien. Gleichzeitig sei die Wechselkursvolatilität historisch niedrig.
Wie es weiter heißt, hätten Zinsdifferenzen rund 70 Prozent der Renditeschwankungen bei den wichtigsten Dollar-Währungspaaren im ersten Halbjahr erklärt. Das Verhältnis von Carry zu Volatilität liege bei Paaren wie US-Dollar/Kanadischer Dollar und Euro/Schweizer Franken nahe historischen Mehrjahrzehnt-Höchstständen. Bemerkenswert sei zudem, dass Carry Trades historisch besonders anfällig für Rückschläge an den Aktienmärkten gewesen seien, dieser Zusammenhang habe sich 2026 jedoch praktisch aufgelöst.
Bevorzugte Fundingwährungen - und ein bearisher Yen-Ausblick
Als langfristig aussichtsreichste Finanzierungswährung gilt laut Jenkins der japanische Yen, der nahe einem 40-Jahres-Tief zum Dollar notiert. Diese Einschätzung deckt sich mit einem separaten Goldman Sachs-Bericht vom 6. Juli 2026: Laut Bloomberg hob Goldman Sachs-Strategin Karen Reichgott Fishman darin die 12-Monats-Prognose für USD/JPY von 155 auf 165 an und reihte die Bank damit unter die pessimistischsten Häuser im Bloomberg-Konsens ein. Als Treiber nannte Fishman laut Bloomberg Japans fiskalische Belastungen, dauerhaft hohe US-Anleiherenditen und die nur graduellen Zinsschritte der Bank of Japan. Der Devisenoptionsmarkt preise Bloomberg zufolge eine Wahrscheinlichkeit von rund 72 bis 76 Prozent ein, dass USD/JPY bis Juni 2027 die Marke von 165 erreicht. Etwaige Interventionen der japanischen Notenbank dürften nach Fishmans Einschätzung laut Bloomberg nur von kurzer Dauer sein.
Darüber hinaus sieht Goldman Sachs mit Bezug auf Jenkins' Notiz Chancen in einer Long-Position im Dollar gegenüber der schwedischen Krone. In sogenannten "risikoneutralen" Szenarien favorisiere die Bank den Euro gegenüber dem Schweizer Franken sowie den australischen gegenüber dem neuseeländischen Dollar.
Die Zwei-Jahres-Renditen verdeutlichen die Zinsdifferenzen Goldman Sachs zufolge (Stand: Anfang Juli 2026): In den USA liegen sie über 4 Prozent, in Deutschland bei 2,6 Prozent, in Japan bei 1,4 Prozent und in der Schweiz bei rund 0,1 Prozent.
Risiken bleiben bestehen
Das größte Risiko für Carry-Trade-Gewinne bleibt eine plötzliche Zunahme der Volatilität: Steigt die Finanzierungswährung stark, oder schwächt sich die Anlagewährung ab, drohen Verluste oder eine erzwungene Auflösung der Position. Da sich Zinserträge nur allmählich aufbauen, während Kursverluste innerhalb weniger Minuten entstehen können, berge ein plötzlicher Volatilitätsschub laut Bloomberg das Risiko einer raschen Auflösung von Positionen mit Ausstrahlungseffekten auf andere Märkte.
Auch die Bank Barclays warnte, wie Bloomberg erklärt, in derselben Woche, dass die aktuelle Ruhe an den Devisenmärkten im Widerspruch zur erhöhten globalen wirtschaftlichen Unsicherheit stehe. Laut dem hauseigenen Modell sei ein Anstieg der Volatilität wahrscheinlicher als ein weiterer Rückgang.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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