Bitwise Physical Bitcoin ETP: Der viertgrößte Bitcoin-ETP mit Fondsdomizil Deutschland statt Jersey oder Schweiz
Nach Monaten mit schwacher Kursentwicklung legte Bitcoin binnen weniger Tage um über 20 Prozent zu. Dahinter steht der einzige unter den vier größten Bitcoin-ETPs mit Fondsdomizil in Deutschland.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Unter den vier größten Bitcoin-ETPs ist dieses Produkt der einzige mit Fondsdomizil in Deutschland, zugleich aber auch der teuerste.
- Nach Monaten mit schwacher Kursentwicklung legte Bitcoin binnen der vergangenen 30 Tage um über 20 Prozent zu, ausgelöst durch eine Kombination aus politischen Signalen, Short-Eindeckungen und neuen Mittelzuflüssen.
- Die Volatilität von über 40 Prozent sowie ein maximaler Kursrückgang von bis zu 74 Prozent seit Auflage zeigen, wie außergewöhnlich hoch das Risiko dieser Anlageklasse im Vergleich zu klassischen Aktien-ETFs ausfällt.
Wie der ETP funktioniert, und was ihn von einer direkten Bitcoin-Investition unterscheidet
Der Bitwise Physical Bitcoin ETP bildet die Wertentwicklung der Kryptowährung Bitcoin nach. Rechtlich handelt es sich dabei um eine Inhaberschuldverschreibung, die zu jedem Zeitpunkt vollständig mit tatsächlich existierenden Bitcoin gedeckt ist, verwahrt komplett offline, ohne jede Verbindung zum Internet. Anleger erwerben damit wirtschaftlich einen Anteil an real existierenden Bitcoin, ohne selbst eine eigene Krypto-Wallet einrichten oder sich um die technische Verwahrung kümmern zu müssen. Der ETP ist im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen und wird über die Eurex Clearing zentral abgewickelt, was gegenüber dem direkten Kauf auf einer Kryptobörse ein reduziertes Abwicklungsrisiko bietet. Der wesentliche Unterschied zu einer direkten Bitcoin-Investition liegt also im Komfort und in der regulatorischen Einbettung. Der ETP lässt sich wie eine Aktie über das gewohnte Wertpapierdepot handeln, während eine direkte Investition eigene technische Kenntnisse rund um Wallets, private Schlüssel und Krypto-Börsen voraussetzt. Dafür fällt beim ETP eine laufende Kostenquote an, die bei einer direkten Bitcoin-Verwahrung in dieser Form nicht existiert.
Der teuerste unter den großen Anbietern, gibt es dafür einen Grund?
Mit einem Fondsvolumen von 725 Millionen Euro ist dieser ETP der viertgrößte Bitcoin-ETP am Markt. Bei den Kosten liegt er mit 2,00 Prozent pro Jahr allerdings deutlich über den meisten größeren Wettbewerbern, die oft zwischen 0,15 und 1,00 Prozent verlangen, und ist damit die nach Kostenquote teuerste der vier größten Varianten. Einen belastbaren Grund für diesen deutlichen Preisaufschlag gibt es nicht, die Kostenquote ist schlicht Teil der individuellen Preisgestaltung des Anbieters Bitwise für dieses konkrete Produkt. Diese hohe Gebühr ist Teil einer Strategie, bei der das etablierte Flaggschiff-Produkt teuer bleibt, während Bitwise mit dem Bitwise Core Bitcoin ETP auch eine wesentlich günstigere Alternative (0,05 % TER) anbietet. Wer ausschließlich auf möglichst niedrige laufende Kosten achtet, findet also unter den größeren Bitcoin-ETPs durchaus günstigere Alternativen bei vergleichbarer physischer Besicherung.
Fondsdomizil Deutschland: Vorteil oder nur ein Detail?
Unter den vier größten Bitcoin-ETPs ist dieses Produkt das einzige mit Fondsdomizil in Deutschland, während die größeren Wettbewerber in Jersey oder der Schweiz aufgelegt sind. Für deutsche Anleger ergibt sich daraus in erster Linie ein Vorteil bei der rechtlichen Nähe und Einordnung. Ein in Deutschland aufgelegtes und an der Frankfurter Börse zugelassenes Produkt unterliegt unmittelbar der deutschen Finanzaufsicht und den hiesigen Transparenzvorgaben, was für manche Anleger ein zusätzliches Gefühl der Vertrautheit schaffen kann. Ein grundsätzlicher wirtschaftlicher Sicherheitsvorteil gegenüber einer physisch ebenso vollständig besicherten Variante mit Domizil in Jersey oder der Schweiz, beides etablierte und regulierte Finanzplätze mit eigenen strengen Aufsichtsstandards, lässt sich daraus aber nicht pauschal ableiten. Für die meisten Anleger dürfte das Fondsdomizil deshalb ein nachrangiges Kriterium gegenüber Kosten, Fondsgröße und Handelsliquidität bleiben.
Warum der Kurs zuletzt so stark drehte
Im laufenden Jahr steht trotz der jüngsten Erholung noch ein Minus von 9,6 Prozent zu Buche, nach einem bereits schwachen Jahr 2025 mit minus 20,2 Prozent. Allein in den vergangenen 30 Tagen legte der Kurs aber um über 20 Prozent zu. Auslöser dieser Kehrtwende war eine Ankündigung des US-Finanzministeriums zu verstärkten Anleihe-Rückkäufen, die Anleihe-Renditen sinken ließ und Kapital wieder in risikoreichere Anlagen wie Bitcoin lenkte. Verstärkt wurde die Bewegung durch die Auflösung gehebelter Wetten auf fallende Kurse im Umfang von rund 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar, die sogenannte Short-Positionen betrafen und deren Auflösung den Kursanstieg zusätzlich befeuerte, sowie durch neue Nettozuflüsse in US-amerikanische Bitcoin-ETFs von über einer Milliarde US-Dollar binnen weniger Tage. Analysten weisen allerdings darauf hin, dass ein erheblicher Teil der institutionellen Zukäufe bereits vor der eigentlichen Kursbewegung stattfand, während am Tag des stärksten Kursausschlags selbst nur vergleichsweise geringe neue Mittel flossen, ein Hinweis darauf, dass die kurzfristige technische Marktdynamik einen erheblichen Anteil an der Rally hatte.
Was die Jahre 2022 bis 2025 über die Funktionsweise von Bitcoin verraten
2023 legte der Kurs um 141,7 Prozent zu und 2024 um weitere 134,8 Prozent, getragen von der zunehmenden institutionellen Akzeptanz von Bitcoin sowie der Zulassung großer US-amerikanischer Bitcoin-ETFs. 2022 hatte der Kurs dagegen 62,5 Prozent verloren, ausgelöst durch die damaligen globalen Leitzinserhöhungen, die risikoreiche Anlagen insgesamt unter Druck setzten, verstärkt durch mehrere prominente Zusammenbrüche großer Krypto-Handelsplattformen in jenem Jahr. Der ETP entwickelt sich damit in der Regel besonders stark in Phasen sinkender Zinsen, hoher Liquidität im Finanzsystem sowie steigender institutioneller Nachfrage über regulierte Fonds, während er in Phasen restriktiver Geldpolitik, allgemeiner Risikoaversion an den Märkten oder negativer Schlagzeilen aus der Kryptobranche besonders anfällig für heftige Kursrückgänge ist.
Eine Schwankungsbreite, die mit klassischen Aktien-ETFs nicht vergleichbar ist
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 41,3 und 50,2 Prozent, ein Vielfaches dessen, was Anleger von klassischen Aktien-ETFs gewohnt sind, selbst konzentrierte Themen- oder Länder-ETFs bewegen sich meist deutlich darunter. Diese extreme Schwankungsbreite ergibt sich aus dem noch jungen, in weiten Teilen von Spekulation, technischer Marktdynamik und regulatorischen Nachrichten getriebenen Charakter des Kryptomarkts, der zusätzlich durch gehebelte Positionen am Terminmarkt verstärkt wird, wie die jüngste Rally eindrücklich gezeigt hat. Kursbewegungen von 20 Prozent oder mehr binnen weniger Tage sind bei Bitcoin keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Entsprechend hoch fällt auch der maximale Kursrückgang aus, über ein und drei Jahre bei minus 52,8 Prozent, seit fünf Jahren sogar bei minus 74,0 Prozent. Wer in dieses Produkt investiert, muss deshalb in der Lage sein, auch derart heftige, zwischenzeitliche Verluste über längere Zeiträume auszuhalten, ohne die eigene langfristige Überzeugung von Bitcoin dadurch infrage zu stellen.
Für welche Anleger sich dieser Bitcoin-ETP eignet
Der ETP eignet sich ausschließlich für Anleger mit einer klaren, langfristigen Überzeugung von Bitcoin als Anlageklasse, die bereit sind, einen möglichen Totalverlust des eingesetzten Kapitals einzukalkulieren, und die die außergewöhnlich hohe Schwankungsbreite emotional wie finanziell verkraften können. Angesichts der im Vergleich zu Wettbewerbern höheren Kostenquote sollten kostenbewusste Anleger prüfen, ob nicht ein günstigerer, ebenso physisch besicherter Bitcoin-ETP eines anderen Anbieters die wirtschaftlich sinnvollere Wahl darstellt, sofern das deutsche Fondsdomizil für die eigene Anlageentscheidung kein entscheidendes Kriterium ist. Eine Investition sollte grundsätzlich nur als kleine, spekulative Beimischung zu einem bereits breit gestreuten Depot erfolgen, keinesfalls als Grundbaustein der eigenen Geldanlage.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen und darauf basierende ETPs unterliegen extremen Kursschwankungen bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Sie sollten nur mit Kapital investiert werden, dessen vollständiger Verlust verkraftbar ist.
Anzeige: Der Bitwise Physical Bitcoin ETP und tausende weitere ETPs provisionsfrei bei finanzen.net zero.
Bildquellen: gualtiero boffi / Shutterstock.com, Bad Man Production / Shutterstock.com