SPDR S&P Global Dividend Aristocrats ETF: Über 4 Prozent Ausschüttungsrendite und ein Verlagshaus mit 32 Jahren steigender Dividende
Weder Immobiliengesellschaften noch ein Telekomkonzern stehen normalerweise an der Spitze eines ETFs, bei diesem schon. Ein Blick auf die besondere Auswahlmethodik zeigt, warum das kein Zufall ist.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Aufgenommen werden nur Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 10 Jahren nicht gesenkt haben.
- Gewichtet wird nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach aktueller Dividendenrendite, mit einer Kappungsgrenze von 20 Prozent je Einzeltitel.
- Mit 4,35 Prozent Ausschüttungsrendite im vergangenen Jahr liegt der Fonds deutlich über dem, was die meisten Aktien-ETFs bieten.
Strenge, aber weltweite Auswahlkriterien statt reiner US-Fokus
Der State Street SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF bildet den S&P Global Dividend Aristocrats Index nach und ist der einzige verfügbare ETF, der genau diesen Index abbildet. Das Anlageuniversum bildet der S&P Global Broad Market Index mit etwa 15.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weltweit. Aufgenommen werden daraus nur Unternehmen, die für mindestens 10 aufeinanderfolgende Jahre eine kontrollierte Dividendenpolitik mit steigenden oder zumindest beständigen Ausschüttungen verfolgt haben, ergänzt um zusätzliche Substanzkriterien wie eine positive Eigenkapitalrendite und einen positiven operativen Cashflow. Das unterscheidet den Fonds deutlich von der bekannteren, strengeren 25-Jahre-Regel klassischer US-Dividendenaristokraten, gleichzeitig aber auch von Ansätzen wie dem Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield, der schlicht die dividendenstärkere Hälfte eines breiten Weltindex ohne historische Mindestanforderung auswählt.
Entscheidend ist zudem die Gewichtungsmethodik. Statt wie die meisten Indizes nach Marktkapitalisierung zu gewichten, richtet sich das Gewicht hier nach der aktuellen Dividendenrendite der ausgewählten Unternehmen, begrenzt durch Kappungsgrenzen auf Einzeltitel-, Sektor- und Länderebene von bis zu 20 Prozent. Für Anleger ergibt sich daraus ein zweifacher Vorteil. Erstens qualifizieren sich durch das 10-Jahres-Kriterium statt 25 Jahren auch jüngere, aber bereits nachweislich verlässliche Dividendenzahler aus aller Welt, nicht nur aus den USA. Zweitens sorgt die Gewichtung nach Dividendenrendite statt Marktkapitalisierung dafür, dass gerade besonders dividendenstarke, aber nicht zwangsläufig besonders große Unternehmen ein spürbares Gewicht erhalten, statt von wenigen Mega-Konzernen dominiert zu werden. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, schüttet vierteljährlich aus und wurde bereits im Mai 2013 aufgelegt.
Fünftgrößter, aber teuerster: Lohnt sich der Aufpreis?
Unter 31 verfügbaren weltweiten Dividenden-ETFs ist dieser Fonds mit 1,5 Milliarden Euro der fünftgrößte, bei den Kosten mit 0,45 Prozent pro Jahr aber der zweitteuerste unter den fünf größten Anbietern, während etwa der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF nur 0,29 Prozent verlangt. Ob sich dieser Aufpreis lohnt, hängt maßgeblich davon ab, wie stark Anleger die beschriebene, methodisch anspruchsvollere Auswahl mit weltweiter statt marktkapitalisierungsgewichteter Streuung honorieren. Da es sich um den einzigen Fonds auf genau diesen Index handelt, existiert keine direkte, günstigere Alternative mit identischer Methodik. Wer also die spezifischen Vorzüge dieses Ansatzes sucht, muss den höheren Preis in Kauf nehmen. Wer dagegen in erster Linie eine möglichst kostengünstige, breite Dividendenstrategie sucht, ist mit den günstigeren Alternativen unter Umständen besser bedient, auch wenn deren Auswahlmethodik jeweils anders funktioniert.
Highwoods, Getty Realty, Verizon und John Wiley: Vier sehr unterschiedliche Dividendenzahler
Die zehn größten Positionen vereinen mit 16,5 Prozent einen für einen ETF vergleichsweise geringen Anteil und keine Einzelposition ist übermäßig stark gewichtet. Größte Position ist mit 2,10 Prozent Highwoods Properties, ein börsennotierter US-Immobilien-Investmenttrust, der Büroimmobilien in wachstumsstarken Sunbelt-Metropolen wie Atlanta, Charlotte und Raleigh besitzt und vermietet, bei einer aktuellen Dividendenrendite von 6,3 Prozent. Auf Platz zwei folgt mit 1,81 Prozent Getty Realty, ein weiterer US-REIT, spezialisiert auf freistehende Immobilien für Tankstellen, Convenience Stores und Autowaschanlagen, die langfristig über sogenannte Triple-Net-Leases vermietet werden, bei denen die Mieter selbst für Steuern, Versicherung und Instandhaltung aufkommen, bei einer Dividendenrendite von 5,8 Prozent. An dritter Stelle steht mit 1,79 Prozent Verizon Communications, einer der größten Telekommunikationskonzerne der USA, der seine Dividende seit 20en in Folge erhöht und damit zwar noch kein offizieller 25-Jahre-Aristokrat ist, aber die 10-Jahres-Anforderung dieses Index deutlich übertrifft und das bei einer Dividendenrendite von 5,6 Prozent. Auf Platz vier folgt mit 1,70 Prozent John Wiley & Sons, ein bereits 1807 gegründeter amerikanischer Fachverlag für wissenschaftliche, technische und medizinische Literatur, der seine Dividende seit 32 Jahren in Folge erhöht und damit selbst die strengste 25-Jahre-Definition eines Dividendenaristokraten erfüllt, bei einer im Vergleich moderateren Dividendenrendite von 2,7 Prozent. Diese vier Beispiele zeigen anschaulich, wie unterschiedlich die einzelnen Dividendenhistorien innerhalb dieses einen Fonds ausfallen können, von noch jungen, aber verlässlichen Zahlern bis zu jahrzehntealten Aristokraten.
Finanzwerte und Versorger statt Technologie: Ein anderer Branchenmix
Mit 53,1 Prozent entfällt etwas mehr als die Hälfte des Fonds auf die USA, spürbar weniger als die für einen klassischen Welt-ETF üblichen 68 bis 70 Prozent, ergänzt um Kanada, Großbritannien und eine breite Streuung über weitere Industrie- und Schwellenländer. Nach Sektoren führt Finanzwesen mit 38,2 Prozent klar vor Versorgern mit 14,5 Prozent, während Technologie mit nur 2,0 Prozent praktisch keine Rolle spielt. Für Anleger, die ihr Depot bereits über einen technologielastigen Welt-ETF aufgebaut haben, ergibt sich daraus ein doppelter Diversifikationseffekt: sowohl regional durch die geringere US-Konzentration als auch sektoral durch die Verschiebung hin zu Finanzwerten, Versorgern und Energie.
Warum die Rendite im laufenden Jahr die Vorjahre deutlich übertrifft
2022 verlor der Fonds nur moderat mit minus 1,2 Prozent, 2023 und 2025 folgten mit 3,2 beziehungsweise 3,5 Prozent eher verhaltene Jahre, doch 2024 legte er dagegen bereits um 14,6 Prozent zu. Im laufenden Jahr steht mit 13,0 Prozent erneut eine deutlich überdurchschnittliche Rendite zu Buche. Der Grund dafür liegt in der beschriebenen Branchenkonzentration. Finanzwerte profitierten in den vergangenen Jahren von hohen Zinserträgen und umfangreichen Kapitalrückführungen, während Versorger zunehmend vom steigenden Strombedarf durch KI-Rechenzentren profitieren, zwei Themen, die aktuell besonders stark zur Rendite dieses Fonds beitragen.
Eine ausgesprochen attraktive Ausschüttungsrendite, und ein moderates Risiko
Die Ausschüttungsrendite lag in den vergangenen vier Jahren zwischen 4,09 und 4,35 Prozent, ein für einen Aktien-ETF ausgesprochen attraktives Niveau, deutlich über dem, was die meisten breit gestreuten Welt- oder Dividenden-ETFs bieten. Bei der Volatilität zeigt sich der Fonds mit 9,7 Prozent über ein Jahr und jeweils 13,7 Prozent über drei und fünf Jahre vergleichsweise ruhig, was sich mit der defensiven Ausrichtung auf Finanzwerte, Versorger und Immobiliengesellschaften erklären lässt, die tendenziell weniger schwankungsanfällig sind als hoch bewertete Wachstumswerte. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 18,8 Prozent, ein für einen Aktien-ETF moderater Wert. Seit Auflage im Jahr 2013 liegt der maximale Verlust dagegen bei minus 42,6 Prozent, was zeigt, dass auch dieser defensiv ausgerichtete Fonds in Ausnahmekrisen wie dem pandemiebedingten Markteinbruch 2020 erheblich unter Druck geraten kann. Besonders anfällig ist der Fonds vor allem in Phasen stark steigender Zinsen, die REITs und Versorger wegen ihrer Kapitalintensität besonders belasten, sowie in breiten Finanzmarktkrisen, die den hoch gewichteten Bankensektor überproportional treffen.
Für welche Strategie sich dieser Dividenden-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt eine methodisch strenge, aber weltweit statt nur US-fokussierte Dividendenstrategie suchen und dafür bereit sind, einen im Vergleich zu einfacheren Dividenden-ETFs höheren Preis zu zahlen. Die Kombination aus attraktiver Ausschüttungsrendite, geringer Einzeltitelkonzentration und einer von Finanzwerten und Versorgern statt Technologie geprägten Zusammensetzung macht ihn zu einer sinnvollen Ergänzung für Depots, die bereits stark technologie- und USA-lastig aufgestellt sind.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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