WisdomTree European Natural Gas ETC: Von minus 46,8 Prozent auf plus 137 Prozent binnen eines Jahres
Plus 137 Prozent im laufenden Jahr 2026. Dieser europäische Erdgas-ETC zeigt eindrücklich, wie extrem sich geopolitische Krisen auf einzelne Rohstoffmärkte auswirken können.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Im laufenden Jahr 2026 hat nur der WisdomTree Heating Oil ETC unter allen ETFs und ETCs eine noch höhere Rendite erzielt als dieser europäische Erdgas-ETC.
- Während dieser europäische Erdgas-ETC seit Auflage um 95,29 Prozent zulegte, verlor das vergleichbare, auf den US-Markt ausgerichtete Produkt desselben Anbieters im selben Zeitraum über 27 Prozent.
- Die Volatilität von 74 Prozent binnen eines Jahres liegt in einem Bereich, den man von einem Aktien-ETF praktisch nie zu Gesicht bekommt.
Warum Erdgas und Heizöl 2026 zu den stärksten Rohstoffen überhaupt wurden
Im laufenden Jahr 2026 zählen sowohl Erdgas als auch Heizöl zu den mit Abstand renditestärksten Basiswerten unter allen verfügbaren ETFs und ETCs. Übertroffen wird die Rendite des WisdomTree European Natural Gas ETC von 137 Prozent dabei einzig vom WisdomTree Heating Oil ETC mit 146 Prozent Plus. Der gemeinsame Auslöser dieser außergewöhnlichen Entwicklung liegt in der eskalierenden Krise am Persischen Golf. Seit Anfang 2026 sorgt der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran wiederholt für Blockaden und Angriffe rund um die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssigerdgashandels läuft. Verschärft wurde die Lage zusätzlich durch einen Produktionsstopp des katarischen Staatskonzerns QatarEnergy, nachdem dessen Flüssigerdgas-Anlagen angegriffen wurden. Katar allein steht für rund ein Fünftel der weltweiten Flüssigerdgas-Exportkapazität. Diese Kombination aus Transportblockaden und ausfallenden Exportmengen hat die Preise für Energie-Rohstoffe weltweit in die Höhe getrieben.
Warum ausgerechnet Erdgas zuletzt stärker zulegte als Heizöl
Während der Erdgas-ETC in den vergangenen drei Monaten um 29,5 Prozent zulegte, kam der Heizöl-ETC im selben Zeitraum nur auf 12,3 Prozent. Sowohl die erneute Schließung der Straße von Hormus nach dem Bruch der Waffenruhe am 8. Juli 2026 als auch der Produktionsstopp von QatarEnergy betreffen den Flüssigerdgas-Handel unmittelbarer und direkter als den allgemeinen Ölmarkt, da Katar spezifisch ein Flüssigerdgas-Exporteur ist und ein erheblicher Teil seiner Exporte über genau diese Meerenge läuft. Hinzu kommt, dass die europäischen Gasspeicher zur Jahresmitte 2026 mit rund 51 Prozent deutlich unter dem saisonüblichen Durchschnitt lagen, während gleichzeitig verschärfter Wettbewerb mit Asien um die verbleibenden, knappen Flüssigerdgas-Lieferungen herrscht. Diese Gemengelage trifft den Erdgasmarkt damit aktuell noch spezifischer als den Heizölmarkt.
Ein Kontinent, zwei völlig unterschiedliche Erdgaspreise
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zum ebenfalls von WisdomTree angebotenen, auf den US-amerikanischen Henry-Hub-Erdgaspreis ausgerichteten ETC, der im selben Zeitraum um 27,5 Prozent verloren hat. Der US-Erdgasmarkt ist durch die starke heimische Förderung, unter anderem aus dem Perm-Becken, weitgehend unabhängig von Importen und wurde 2026 sogar von Überkapazitäten und einem vergleichsweise milden Winter belastet, was den Preis fallen ließ. Der europäische Markt ist dagegen strukturell stark von Importen abhängig, insbesondere von Flüssigerdgas, das teilweise durch die Straße von Hormus transportiert wird, und reagiert entsprechend empfindlich auf genau die geopolitischen Risiken, die den US-Markt kaum berühren. Dieser fundamentale Unterschied erklärt, warum ein und derselbe globale Rohstoff, Erdgas, in zwei unterschiedlichen Regionen aktuell eine komplett entgegengesetzte Kursentwicklung zeigen kann.
Wie der ETC funktioniert, und wie er für Anleger eine Rendite erwirtschaftet
Der WisdomTree European Natural Gas ETC bildet den BNP Paribas Rolling Futures W0 TZ Index nach, der wiederum die Wertentwicklung von Terminkontrakten, sogenannten Futures, auf den niederländischen TTF-Erdgaspreis abbildet, dem wichtigsten europäischen Referenzpreis für Erdgas. Anleger kaufen über diesen ETC also keinen physischen Rohstoff, sondern erhalten über ein vollständig besichertes Swap-Geschäft Zugang zur Wertentwicklung dieser Terminkontrakte. Da Futures-Kontrakte ein festes Ablaufdatum haben, muss die Position vor Fälligkeit automatisch in den nächstfälligen Kontrakt umgeschichtet werden, ein Vorgang, der als Rollen bezeichnet wird. Je nachdem, ob spätere Liefertermine am Terminmarkt teurer oder günstiger gehandelt werden als der aktuell fällige Kontrakt, kann dieses Rollen die Rendite zusätzlich zur eigentlichen Preisentwicklung des Erdgases selbst positiv oder negativ beeinflussen. Zu deutlichen Kursabstürzen kommt es bei diesem ETC vor allem dann, wenn sich eine akute Angebotsknappheit auflöst, etwa durch eine politische Entspannung, milde Witterung mit geringerem Heizbedarf oder eine unerwartet schnelle Erholung der Fördermengen, sowie wenn sich die Terminkurve ungünstig entwickelt und das Rollen der Kontrakte zusätzlich Rendite kostet.
Von minus 46,8 Prozent zu plus 137,1 Prozent: Eine kurze, aber extreme Geschichte
2025 verlor der ETC zuletzt 46,8 Prozent, in einem Jahr, in dem sich die Lage nach den Krisenjahren zuvor weitgehend normalisierte, ohne die akuten geopolitischen Schocks, die den Markt seither wieder antreiben, und vermutlich zusätzlich belastet durch ungünstige Rolleffekte am Terminmarkt. Im laufenden Jahr 2026 dagegen steht mit 137,1 Prozent eine der stärksten Renditen unter allen verfügbaren ETFs und ETCs zu Buche, direkte Folge der bereits beschriebenen Kombination aus Hormus-Blockaden, dem Produktionsstopp bei QatarEnergy und den kritisch niedrigen europäischen Gasspeicherständen.
Eine Volatilität, wie man sie bei Aktien-ETFs so gut wie nie sieht
Die Volatilität der vergangenen zwölf Monate liegt bei 74,0 Prozent, ein Wert, der bei einem Aktien-ETF praktisch undenkbar wäre. Der maximale Kursrückgang im selben Zeitraum liegt bei minus 37,4 Prozent und damit höher als der maximale Verlust vieler Aktien-ETFs über die vergangenen fünf Jahre oder sogar seit ihrer Auflage insgesamt. Diese extreme Schwankungsbreite ist typisch für Rohstoff-Terminkontrakte auf einen einzelnen, regional begrenzten Energiemarkt, der zusätzlich stark von unvorhersehbaren geopolitischen Ereignissen abhängt. Anleger, die eine derartige Kombination aus enormem Renditepotenzial und ebenso enormem Verlustrisiko eingehen, sollten sich dieser Größenordnung in vollem Bewusstsein stellen.
Für welche Anleger sich dieser Erdgas-ETC eignet
Der ETC eignet sich ausschließlich für sehr erfahrene, risikobewusste Anleger mit einer konkreten, kurzfristigen Markteinschätzung zur weiteren Entwicklung der Krise am Persischen Golf und ihren Auswirkungen auf den europäischen Erdgasmarkt. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass sich eine politische Entspannung, eine milde Witterung oder eine schnellere als erwartete Normalisierung der Liefermengen jederzeit in einem heftigen Kursrückgang niederschlagen kann, wie es 2025 bereits der Fall war. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist dieses Produkt nicht gedacht, es eignet sich allenfalls als sehr kleine, taktische Beimischung für Anleger, die aktiv am Rohstoffmarkt spekulieren möchten und einen möglichen Totalverlust des eingesetzten Kapitals einkalkulieren.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Rohstoff-ETCs auf Terminkontrakte sind mit einem sehr hohen Risiko verbunden und unterliegen extremen Kursschwankungen bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Sie sind in erster Linie für kurzfristige, taktische Positionen konzipiert, nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.
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