Mexiko mit neuem Präsidenten: Was Anleger vom Reformer erwartet
Den neu gewählten Staatspräsidenten müssen Investoren nicht fürchten. López Obrador will den Haushalt entlasten und die Korruption bekämpfen. Das bietet Chancen für Investoren.
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von Jörg Billina, Euro am Sonntag
Andrés Manuel López Obrador wird zwar erst im Dezember für sechs Jahre die Amtsgeschäfte übernehmen. Doch schon jetzt setzt der mit 53 Prozent zum Staatspräsidenten Mexikos gewählte Politiker Zeichen, die Investoren Ängste vor einem Linksruck und anziehender Staatsverschuldung nehmen. Seit der Wahlentscheidung am 1. Juli stieg der Aktienindex MSCI Mexico um zehn Prozent. Die Investmentbank Morgan Stanley sieht weiter Potenzial. Sie stufte Mexiko von "neutral" auf "übergewichten". Auch mexikanische Staatsanleihen sind gesucht.
Um den Haushalt zu entlasten, kappt Obrador das Präsidentengehalt um 60 Prozent und gibt sich mit 108.000 Pesos - rund 4.900 Euro - im Monat zufrieden. Zugleich kündigte er Gehaltskürzungen für hohe Staatsangestellte an. Ex-Präsidenten will er die staatlichen Pensionen komplett streichen. Die Sparmaßnahmen sind notwendig: Das Haushaltsdefizit beträgt 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Weitere Entlastungen will Obrador erzielen, indem er gegen die ausufernde Korruption vorgeht. Im von Transparency International veröffentlichten Korruptionswahrnehmungsindex rangiert Mexiko mittlerweile auf Platz 135 von 180 Ländern. Im Jahr 2004 hatte das Land noch den weit besseren Platz 63 belegt. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass Bestechung Mexiko jährlich zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts kostet.
Investitionen in Energiesektor
In den vergangenen 25 Jahren legte die Wirtschaft im Schnitt nur um zwei Prozent zu. Mexiko lag damit deutlich unter den Zuwachsraten anderer Schwellenländer. Obrador will das ändern. Einen Teil der im Zuge erfolgreicher Korruptionsbekämpfung gewonnenen Mittel plant er in den so wichtigen Öl- und Gassektor zu investieren. Der trägt zwei Drittel zu den Staatseinnahmen bei. Innerhalb von zehn Jahren gingen die Fördermengen laut Germany Trade & Invest jedoch um 33 Prozent zurück.
Der staatliche Ölkonzern Pemex hatte es versäumt, in moderne Technik zu investieren. Die 2014 auf den Weg gebrachte Energiereform erlaubt es dem Energieriesen, mit privaten Unternehmen aus dem Ausland zu kooperieren und von deren Know-how zu profitieren. Obrador hatte diese Vereinbarung seinerzeit kritisiert. Doch schon im Wahlkampf beruhigte er die Investoren mit der Ankündigung, er wolle nur geschlossene Verträge prüfen, die Reform aber keinesfalls rückgängig machen.
Entspannungssignale an die USA
Positiv beurteilen Anleger auch Obradors Politik gegenüber Washington. Entgegen den Befürchtungen sucht er nicht die Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump. Die USA nehmen 80 Prozent der Exporte Mexikos ab. Bislang erfolgt der Warenaustausch gemäß dem Handelsabkommen NAFTA. Derzeit verhandeln die USA, Mexiko und Kanada über neue Regeln.
Trump brachte ein separates, bilaterales Abkommen mit Mexiko ins Spiel. Es habe dazu bereits sehr gute Gespräche mit Obrador gegeben. Möglicherweise verzichtet Washington auf neue Handelshemmnisse. Bislang haben die USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängt, Mexiko antwortete mit Zöllen auf US-Agrarimporte. Schon am Donnerstag plant der mexikanische Wirtschaftsminister Guajardo, nach Washington zu reisen und zunächst mit US-Delegationen, danach mit Vertretern aus Kanada Gespräche zu führen.
Um Vertrauen bei den Investoren wirbt auch Carlos Urzua. Mexikos künftiger Finanzminister gelobte, die Teuerungsrate niedrig halten zu wollen und die Unabhängigkeit der mexikanischen Zentralbank zu respektieren. Diese hatte vor Kurzem wegen anziehender Inflation den Leitzins auf 7,75 Prozent angehoben. Hält Urzua sein Versprechen, sind weitere Zinsanhebungen wohl nicht erforderlich.
Dennoch gib es Risiken. Obradors Morena-Partei besitzt im mexikanischen Parlament die absolute Mehrheit. In der Partei haben sich Abtrünnige der bisherigen Regierungspartei PRI versammelt, aber auch Ex-Marxisten finden sich in ihren Reihen. Sicher ist es nicht, dass diese stets den gleichen Reformeifer aufbringen wie Obrador.
Investor-Info
iShares MSCI Mexico
Auf Erholungskurs
Der ETF bildet die Wertentwicklung von
57 mexikanischen Unternehmen ab. Konsumtitel wie Walmart de México sind in dem Indexpapier derzeit mit fast 30 Prozent gewichtet. Auf Aktien aus dem Telekombereich wie América Móvil entfallen rund 18 Prozent. Der Finanzsektor ist mit 16 Prozent vertreten. Nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten hat das Papier deutlich verloren. Seit Anfang Juli ziehen die Kurse wieder an. Für einen Einstieg ist es noch nicht zu spät.
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