Aktien von Western Digital, Sandisk & Seagate sacken ab: Warum die Speicherwerte wegen Toshiba einbrechen
Ein Bericht aus Japan über ein Werk auf den Philippinen schickt zwei der gefragtesten KI-Profiteure im US-Leitindex auf Talfahrt.
Werte in diesem Artikel
- Toshiba will seine Kapazität für KI-Festplatten laut Nikkei Asia verdoppeln
- Anleger fürchten um die Preissetzungsmacht von Western Digital und Seagate
- Analyst Jordan Klein von Mizuho zweifelt am ehrgeizigen Zeitplan der Japaner
Ein Bericht über die Ausbaupläne des japanischen Konkurrenten Toshiba schickt die Aktien von Western Digital und Seagate Technology deutlich ins Minus. So rutschte Western Digital auf an der NASDAQ letztlich um 10,22 Prozent auf 415,29 US-Dollar ab, Seagate ebenso um 10,21 Prozent auf 848,99 US-Dollar. Für Seagate zeichnete sich damit der größte Tagesverlust seit April vergangenen Jahres ab, dem Tag nach den umfassenden Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Sandisk kam im Sog der beiden Speicherchipwerte mit einem Minus von 3,79 Prozent auf 1.719,99 US-Dollar vergleichsweise glimpflich davon. Wie MarketWatch berichtet, treibt die Anleger vor allem die Sorge um, dass zusätzliche Konkurrenz aus Übersee die starke Preissetzungsmacht der beiden US-Hersteller, Western Digital und Seagate, schmälern könnte.
Toshiba will Festplattenkapazität für KI verdoppeln
Auslöser ist ein Bericht von Nikkei Asia. Demnach plant Toshiba, seine Fertigungskapazität für Festplatten, die in KI-Anwendungen zum Einsatz kommen, im Geschäftsjahr 2027 zu verdoppeln. Das Geschäftsjahr des Konzerns endet jeweils im März. Barron's nennt weitere Details aus dem Bericht: Rund 380 Millionen US-Dollar sollen in den Ausbau des Werks auf den Philippinen fließen, der Marktanteil bei Festplatten soll von rund 10 Prozent auf bis zu 30 Prozent steigen. Bemerkenswert ist der Schritt auch aus einem anderen Grund, denn wie MarketWatch hervorhebt, wäre es die erste nennenswerte Investition von Toshiba in das Festplattengeschäft seit fünf Jahren. Bestätigt sind die Pläne bislang jedoch nicht.
Warum die Western Digital-Aktie so empfindlich reagiert
Dass schon ein unbestätigter Bericht derart durchschlägt, erklärt der Blick auf die Marktlage. Festplatten sind zu einem zentralen Baustein des KI-Ausbaus geworden, weil Rechenzentren gewaltige Datenmengen speichern müssen. Speicherkomponenten sind knapp, die Hersteller können ihre Produkte deshalb zu hohen Preisen absetzen und hohe Gewinne erzielen, schreibt MarketWatch. Diese Knappheit hat Western Digital und Seagate Rekordgewinne beschert und beide seit Mitte 2025 zu den gefragtesten Werten im S&P 500 gemacht. Genau dieses Fundament steht nun zur Debatte, denn jede zusätzliche Kapazität entspannt das Angebot. Rechenzentrumsbetreiber dürften mehr Angebot dagegen begrüßen.
Mizuho zweifelt an Toshibas Zeitplan
Ganz so dramatisch, wie die Kursreaktion vermuten lässt, muss es allerdings nicht kommen. Barron's verweist darauf, dass Toshiba mit Abstand der kleinste der drei Festplattenhersteller ist. Für das Geschäftsjahr 2027, das bei Seagate und Western Digital im Juni 2027 endet, rechnen Analysten bei den beiden US-Konzernen mit Investitionen von zusammen 1,7 Milliarden US-Dollar. Die 380 Millionen US-Dollar aus Japan dürften kaum reichen, um den eigenen Marktanteil zu verdreifachen. Jordan Klein, Technologiespezialist bei der Mizuho Financial Group, kommentierte die Pläne in einer Notiz mit einem Vergleich aus dem Baseball: Er wolle auch für die New York Yankees spielen, das heiße aber noch lange nicht, dass es dazu komme.
Langfristverträge bremsen den Preisdruck
Selbst wenn das zusätzliche Angebot tatsächlich kommt, dürften die Preise nicht sofort einbrechen. Wie Barron's analysiert, haben Western Digital und Seagate ihre Preise vorsichtiger angehoben als Speicherchiphersteller wie Micron Technology. Das hat die Margenausweitung kurzfristig begrenzt, verringert aber zugleich die Fallhöhe, falls das Angebot zur Nachfrage aufschließt. Hinzu kommen langfristige Lieferverträge, mit denen beide Konzerne Preiskonditionen festschreiben und mehr Klarheit über die künftige Nachfrage gewinnen. Neue Kapazitäten von Toshiba könnten Kunden in diesen Verhandlungen zwar mehr Gewicht verleihen, spürbar werde das aber erst 2028, argumentiert Klein.
Seine erste Reaktion sei, die Nachricht zum Kauf zu nutzen, schreibt der Mizuho-Experte - er rät aber zur Geduld: Der noch unbestätigte Bericht werde den Markt eine Weile beschäftigen, und kaum jemand halte das Einjahresziel von Toshiba für realistisch. Entscheidend wird damit, ob der japanische Konzern die Pläne offiziell bestätigt und mit einem konkreten Zeitplan unterlegt. Eine solche Stellungnahme ist der nächste belastbare Datenpunkt für die Aktien der Festplattenhersteller.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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