iShares STOXX Europe 600 ETF: Zweitgrößter Anbieter, aber gleichzeitig einer der teuersten, lohnt sich der Aufpreis?
Eine einzige Position wiegt mehr als doppelt so schwer wie jede andere. Ein Blick auf Europas wichtigsten Chip-Ausrüster zeigt, warum sein Einfluss auf die künftige Wertentwicklung so hoch ist.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Der iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE) ist der viertgrößte ETF auf den europäischen Aktienmarkt und der zweitgrößte auf den STOXX Europe 600 Index.
- ASML Holding bringt es mit 5,00 Prozent auf mehr als das Doppelte der zweitgrößten Position, ein für einen 600 Werte umfassenden Index ungewöhnlich hoher Einzeleinfluss.
- Fünf Länder und mehrere Branchen tragen den Fonds annähernd gleichmäßig, ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen Standard-ETFs.
Zweitgrößter Anbieter, aber einer der teuersten
Der iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE) bildet den STOXX Europe 600 Index nach, der 600 große, mittelgroße und kleine Unternehmen aus 17 europäischen Industrieländern bündelt und dabei rund 90 Prozent des investierbaren europäischen Marktes abdeckt. Gewichtet wird nach frei handelbarer Marktkapitalisierung, wobei das Gewicht einer einzelnen Position bei jeder vierteljährlichen Überprüfung auf maximal 20 Prozent begrenzt wird. Mit einem Fondsvolumen von 9,7 Milliarden Euro ist der Fonds der viertgrößte ETF auf den europäischen Aktienmarkt insgesamt und der zweitgrößte auf den STOXX Europe 600 Index, deutlich hinter dem Amundi Core Stoxx Europe 600 UCITS ETF. Bei den Kosten liegt er mit 0,20 Prozent pro Jahr allerdings am oberen Ende. Kein anderer ETF auf diesen Index ist teurer, während der günstigste Anbieter mit 0,07 Prozent nur ein Drittel der Kosten verlangt. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, schüttet seine Erträge vierteljährlich aus und wurde bereits im Februar 2004 aufgelegt.
Warum die Top-10-Positionen trotz ASML nur einen moderaten Anteil ausmachen
Die zehn größten Positionen vereinen zusammen nur 20,2 Prozent des Fondsvermögens, bei 600 enthaltenen Unternehmen ein für einen breiten Europa-ETF erwartungsgemäß niedriger Wert. Innerhalb dieser Top 10 sticht allerdings eine einzelne Position deutlich heraus: ASML Holding mit 5,00 Prozent, mehr als doppelt so viel wie die zweitgrößte Position HSBC Holdings mit 2,13 Prozent. Anders als bei vielen anderen ETFs, bei denen die größten Positionen zwar ebenfalls hohe Einzelanteile haben, untereinander aber meist nur geringe Abstände aufweisen, ist der Einfluss von ASML auf die künftige Wertentwicklung dieses Fonds damit besonders ausgeprägt.
ASML: Warum ein einziges Unternehmen die halbe Weltchipindustrie beeinflusst
ASML ist ein niederländischer Konzern und weltweit der einzige Hersteller von Lithografie-Anlagen, die für die Fertigung modernster Computerchips zwingend benötigt werden, insbesondere von sogenannten EUV-Systemen. Das Unternehmen ist dabei keineswegs nur in Europa aktiv, sondern beliefert praktisch die gesamte globale Halbleiterindustrie, von Auftragsfertigern in Taiwan über Speicherchip-Hersteller in Südkorea bis zu Chipherstellern in den USA. Ohne ASML-Maschinen könnte keiner dieser Konzerne seine fortschrittlichsten Chips produzieren. Für das zweite Quartal 2026 meldete ASML einen Nettoumsatz von 9,3 Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Mrd. Euro, getragen von der weiterhin sehr hohen Nachfrage nach modernster Chipfertigungstechnik im Zuge des globalen KI-Booms. Zusätzlich erreichte der Konzern zuletzt einen wichtigen Reifegrad-Meilenstein für seine neueste High-NA-EUV-Technologie, die erstmals ein Logik-Produkt in hohem Volumen erreicht hat, was einen wichtigen Fortschritt für die nächste Generation modernster Chipfertigung darstellte. Aktuell und mittelfristig profitiert ASML damit vor allem vom anhaltenden weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur, der die Nachfrage nach immer leistungsfähigeren und kleiner strukturierten Chips kontinuierlich antreibt, was ASML von praktisch jedem großen Fortschritt in der globalen Chipindustrie profitieren lässt, unabhängig davon, welcher einzelne Chiphersteller gerade die Nase vorn hat.
Fünf Länder, mehrere Branchen: Eine für Standard-Depots sinnvolle Ergänzung
Bei der Länderverteilung führt Großbritannien mit 21,2 Prozent, gefolgt von der Schweiz mit 15,0 Prozent, Frankreich mit 14,0 Prozent, Deutschland mit 12,8 Prozent und den Niederlanden mit 10,1 Prozent, insgesamt also fünf Länder mit jeweils zweistelligem Gewicht. Nach Branchen führt Finanzwesen mit 25,6 Prozent, vor Industrie mit 17,2 Prozent, Gesundheitswesen mit 12,1 Prozent und Technologie mit 10,4 Prozent, ebenfalls eine ganze Reihe von Branchen mit relevantem Einfluss. Diese Streuung über mehrere Länder und Branchen reduziert die Abhängigkeit von der Entwicklung eines einzelnen Landes oder einer einzelnen Branche erheblich im Vergleich zu vielen anderen Standard-ETFs, die oft von einem einzigen Land oder einer dominanten Technologiebranche geprägt werden. Dass ausgerechnet Großbritannien und das Finanzwesen an der Spitze stehen, bringt dabei sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Der britische Aktienmarkt gilt aktuell als attraktiv bewertet und profitiert von sinkenden Zinsen sowie einer sich aufhellenden Wirtschaftsstimmung, während der europäische Finanzsektor von den in den vergangenen Jahren gestiegenen Zinserträgen sowie umfangreichen Aktienrückkäufen profitiert hat. Als Risiko bleibt die grundsätzliche Zinsabhängigkeit des Finanzsektors zu nennen, dessen Ertragslage sich mit den mittlerweile wieder sinkenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank tendenziell normalisieren dürfte.
Warum es 2022 nach unten ging, und wie sich das mit Volatilität und Drawdown verbindet
2023 legte der Fonds um 16,0 Prozent zu, 2024 um 8,7 Prozent und 2025 sogar um 20,4 Prozent, in zwei der vergangenen drei Jahre also mindestens 16 Prozent, getragen von sinkenden Zinsen, starken Zinserträgen im Bankensektor sowie der Nachfrage nach Technologiezulieferern wie ASML im Zuge des KI-Booms. 2022 verlor der Fonds dagegen 10,6 Prozent, ausgelöst durch die damaligen schnellen Leitzinserhöhungen sowie die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 12,1 und 13,8 Prozent, ein für einen breit gestreuten Europa-ETF moderater Wert, der die stabilisierende Wirkung der Streuung über mehrere Länder und Branchen widerspiegelt. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 20,6 Prozent und geht auf den Zinsschock des Jahres 2022 zurück, während der maximale Verlust seit Auflage im Februar 2004 mit minus 58,1 Prozent deutlich höher ausfällt, ein Wert, der auf die globale Finanzkrise 2008 zurückgeht, die den zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre etablierten Fonds und insbesondere den stark gewichteten europäischen Bankensektor besonders hart traf.
Für welche Strategie sich dieser Europa-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die eine besonders breite Streuung über 600 europäische Unternehmen unterschiedlicher Größe, Länder und Branchen suchen, und die dafür bereit sind, im Vergleich zu günstigeren Anbietern auf denselben Index einen spürbaren Kostenaufschlag zu zahlen. Wer ausschließlich auf die niedrigsten verfügbaren Kosten bei praktisch identischer Zusammensetzung achtet, findet mit dem Amundi Core Stoxx Europe 600 UCITS ETF eine deutlich günstigere Alternative. Wichtig bleibt für Anleger, sich der überdurchschnittlichen Bedeutung von ASML für die kurzfristige Wertentwicklung sowie der Tatsache bewusst zu sein, dass der Fonds in Ausnahmekrisen wie 2008 deutlich stärker fallen kann als in den vergangenen, vergleichsweise ruhigeren Jahren.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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