Amundi MSCI Japan ETF: Drei Jahre in Folge zweistellige Renditen auf einem zuvor 30 Jahre vergessenen Markt

Über drei Jahrzehnte lang galt Japan an der Börse als vergessener Markt, seit einer stillen, aber tiefgreifenden Unternehmensreform hat sich das grundlegend geändert.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 2022 war ein schwieriges Jahr für japanische Aktien, seit 2023 folgten jedoch drei Kalenderjahre mit zweistelligen Renditen in Folge, getragen von einer stillen, aber tiefgreifenden Unternehmensreform.
- Erstmals seit der japanischen Internetblase im Jahr 2000 hat ein Technologiekonzern kürzlich den bislang größten Autobauer des Landes als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Japans abgelöst.
- Von insgesamt 100 verfügbaren Japan-ETFs zählt dieser Fonds zu den größten und zugleich günstigeren Möglichkeiten, um gezielt in den japanischen Aktienmarkt zu investieren.
Einer der größten und günstigsten Wege nach Japan
Der Amundi Core MSCI Japan UCITS ETF Acc bildet den MSCI Japan Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen des japanischen Aktienmarkts bündelt. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Von insgesamt rund 100 in Deutschland verfügbaren Japan-ETFs zählt dieser Fonds mit 5,3 Milliarden Euro Fondsvolumen zum drittgrößten Anbieter, nach dem iShares Core MSCI Japan IMI UCITS ETF und dem Xtrackers MSCI Japan UCITS ETF, aber noch vor dem ausschüttenden iShares MSCI Japan UCITS ETF. Bei den Kosten liegt er mit 0,12 Prozent pro Jahr auf demselben, vergleichsweise günstigen Niveau wie diese drei Wettbewerber. Noch deutlicher wird das Bild bei einem Blick allein auf die zwölf verfügbaren MSCI-Japan-ETFs: Zehn von ihnen verlangen exakt 0,12 Prozent, und unter diesen ist der Amundi-ETF nach Fondsvolumen die zweitgrößte Variante.
Warum sich eine Beimischung japanischer Aktien lohnen kann
Der japanische Aktienmarkt spielt in vielen deutschen Depots bislang eine untergeordnete Rolle, denn aus Aktiensicht steht meist die USA oder Europa im Fokus. Dabei hat sich in Japan seit einigen Jahren einiges getan, was für eine gezielte Beimischung sprechen könnte. Ausgangspunkt ist eine seit 2023 verschärfte Reform der Tokioter Börse, die börsennotierte Unternehmen unter Druck setzt, ihre Kapitaleffizienz zu verbessern, vor allem solche, die dauerhaft unter ihrem Buchwert gehandelt werden. Das hat zu deutlich mehr Aktienrückkäufen, höheren Dividenden und dem schrittweisen Abbau jahrzehntealter Überkreuzbeteiligungen zwischen japanischen Konzernen geführt und die Unternehmen stärker auf die Interessen ihrer Aktionäre ausgerichtet. Hinzu kommt, dass Japan nach jahrzehntelanger Deflation seit 2022 wieder spürbare Inflation und Lohnwachstum verzeichnet, was Konsum und Unternehmensgewinne stützt. Auch der über Jahre schwache Yen hat vielen Exportkonzernen bei der Umrechnung ihrer Auslandserlöse einen kräftigen Gewinnschub verschafft. Selbst Starinvestor Warren Buffett hat diese Entwicklung erkannt und seit 2020 kontinuierlich seine Beteiligungen an großen japanischen Handelshäusern ausgebaut, was international zusätzliches Vertrauen in den Markt geschaffen hat. Als Risiko bleibt vor allem die Demografie zu nennen: Japans Bevölkerung und damit sein Binnenmarkt schrumpfen kontinuierlich, was vor allem stark binnenmarktorientierte Branchen wie den Einzelhandel oder Regionalbanken belastet, während global tätige Exportkonzerne davon deutlich weniger betroffen sind.
Mitsubishi UFJ, Toyota und SoftBank: Die Schwergewichte im Fonds
Von den zehn größten Positionen kommen nur drei auf ein Gewicht von mehr als 3 Prozent, allein Mitsubishi UFJ Financial Group übersteigt mit 4,18 Prozent sogar die 4-Prozent-Marke, ein für einen Länder-ETF vergleichsweise geringer Konzentrationsgrad. Da japanische Unternehmen hierzulande wenig bekannt sind, lohnt sich ein genauerer Blick. Größte Position ist Mitsubishi UFJ Financial Group, Japans größter Finanzkonzern mit einem breit diversifizierten Bank- und Finanzdienstleistungsverbund, der neben dem Heimatmarkt auch ein bedeutendes internationales Netzwerk in Asien, Europa und Nordamerika unterhält. Die Bank kündigte zuletzt eine Investition in das Fintech-Unternehmen Noetra an sowie eine umfassende strategische Allianz mit dem Kreditkartenanbieter JCB für die ASEAN-Region. Zwei Schritte, welche die wachsende internationale Ausrichtung des Konzerns über den reifen japanischen Heimatmarkt hinaus unterstreichen. Auf Platz zwei folgt mit 3,49 Prozent Toyota Motor, der weltweit größte Automobilhersteller. Toyota treibt derzeit den eigenen Wandel vom klassischen Autobauer zum breiter aufgestellten Mobilitätskonzern voran und hat zuletzt gemeinsam mit Volvo Group und Daimler Truck eine bindende Vereinbarung unterzeichnet, als gleichberechtigter Anteilseigner beim Brennstoffzellen-Spezialisten Cellcentric einzusteigen, ein konkreter Schritt in Richtung alternativer Antriebstechnologien für Nutzfahrzeuge. An dritter Stelle steht mit 3,30 Prozent die SoftBank Group, ein japanischer Technologie- und Investmentkonzern, der zuletzt seine zweite Investitionstranche in das KI-Unternehmen OpenAI vollzogen hat. Getragen von dieser und weiteren KI-Beteiligungen hat SoftBank Group im Jahr 2026 erstmals seit der japanischen Internetblase im Jahr 2000 Toyota als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Japans abgelöst, ein anschauliches Beispiel dafür, wie stark der weltweite KI-Boom mittlerweile auch den japanischen Aktienmarkt prägt.
Vier Branchen mit rund 15 bis 25 Prozent: Eine angenehme Streuung
Nach Branchen zeigt sich eine recht ausgewogene Verteilung: Industrie führt mit 25,1 Prozent, ein Sammelbegriff, der von Maschinenbau über Robotik bis zu Handelshäusern breit gefächert sein kann, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 17,8 Prozent, Technologie mit 16,3 Prozent und zyklischen Konsumgütern, zu denen auch Automobilhersteller wie Toyota zählen, mit 15,1 Prozent. Diese Verteilung auf vier annähernd gleich gewichtete Branchen sorgt dafür, dass der Fonds nicht wie viele US-ETFs von einer einzigen Branche dominiert wird, was das Risiko branchenspezifischer Rückschläge streut, auch wenn die als Industrie zusammengefasste größte Gruppe selbst wieder sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle vereint.
Vom schwierigen Jahr 2022 zur Rekordjagd: Was die Rendite erklärt
2022 verlor der Fonds 11,9 Prozent, belastet durch dieselben globalen Leitzinserhöhungen, die auch andere Aktienmärkte unter Druck setzten, verstärkt durch einen zu dieser Zeit bereits deutlich schwächelnden Yen, der die in Euro umgerechneten Renditen zusätzlich schmälerte. Seit 2023 hat sich das Bild grundlegend gedreht. Drei Kalenderjahre in Folge erzielte der Fonds zweistellige Renditen zwischen 11,0 und 15,5 Prozent, im laufenden Jahr wird diese Serie bislang sogar nochmals übertroffen (aktuell ein Plus von 17,1 Prozent). Genau hier schließt sich der Kreis zu den zuvor beschriebenen Wachstumstreibern: Die verschärften Governance-Reformen der Tokioter Börse, das Ende der jahrzehntelangen Deflation, ein weiterhin vorteilhafter Yen für Exportkonzerne sowie zuletzt der KI-Boom rund um Beteiligungen wie jene von SoftBank haben gemeinsam für diesen mehrjährigen Aufschwung gesorgt. Beim Risiko zeigt sich allerdings eine Kehrseite. Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre durchgehend bei 19 bis 21 Prozent, spürbar höher als bei vielen anderen Industrieländer-ETFs. Positiv ist dabei, dass sich diese Schwankungsbreite bislang nicht in überdurchschnittlich hohen maximalen Kursrückgängen niedergeschlagen hat. Diese liegen über ein, drei und fünf Jahre bei minus 11,35 bis minus 19,9 Prozent, ein für einen Aktien-ETF nicht ungewöhnlicher Rahmen. Anleger müssen also grundsätzlich stärkere Schwankungen aushalten, ohne dass dies bislang zu übermäßig tiefen zwischenzeitlichen Verlusten geführt hätte.
Für welche Strategie sich dieser Japan-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung für Anleger, die ihr oft US- und europalastiges Depot um einen bislang unterrepräsentierten Markt ergänzen und von der seit 2023 laufenden Unternehmensreform sowie dem strukturellen Wandel japanischer Konzerne profitieren möchten. Als Risiken bleiben vor allem ein erneuter globaler Zinsschock, der wie 2022 besonders wachstumsorientierte Aktienmärkte trifft, sowie die schrumpfende japanische Binnenbevölkerung zu nennen, die vor allem stark heimatmarktorientierte Unternehmen belastet. Als Potenziale sprechen dagegen die seit 2023 sichtbare, nachhaltige Verbesserung der Unternehmensführung, ein weiterhin für Exporteure günstiger Yen sowie die wachsende Bedeutung japanischer Technologie- und Investmentkonzerne im globalen KI-Geschehen für eine Fortsetzung des seit 2023 laufenden Aufschwungs, auch wenn sich das nicht garantieren lässt.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
Weitere News
Bildquellen: yu_photo / Shutterstock.com, Andrey Orlov / Shutterstock.com
Nachrichten zu SoftBank Corp.
Analysen zu SoftBank Corp.
Keine Analysen gefunden.
