iShares Core EUR Corporate Bond ETF: Über 4.100 einzelne Anleihen mit insgesamt über 3 Prozent Dividendenrendite
Die zehn größten Anleihen machen zusammen nicht einmal ein Prozent des Fonds aus. Trotz dieser Streuung zeigt das Krisenjahr 2022, dass auch eine eigentlich sichere Anlageform mal ins Minus rutschen kann.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Über 4.100 einzelne Anleihen stecken in diesem Fonds, die zehn größten davon vereinen zusammen gerade einmal 0,83 Prozent des Fondsvermögens.
- 2022 verlor der Fonds 14,1 Prozent. Ein deutlicher Rückschlag für eine Anlageform, die gemeinhin als vergleichsweise sicher gilt.
- Mit einer Ausschüttungsrendite von zuletzt über 3 Prozent eignet sich der Fonds trotz überschaubarer Gesamtrendite gut zum Aufbau eines passiven Einkommens.
Was einen Anleihen-ETF von einem Aktien-ETF unterscheidet
Ein Anleihen-ETF investiert, anders als ein Aktien-ETF, nicht in Unternehmensanteile, sondern in Schuldverschreibungen von Unternehmen, die sich damit Fremdkapital am Kapitalmarkt beschaffen. Wer eine Unternehmensanleihe kauft, leiht dem ausgebenden Unternehmen für eine festgelegte Laufzeit Geld und erhält dafür regelmäßige Zinszahlungen, den sogenannten Kupon, sowie am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des investierten Betrags, solange das Unternehmen zahlungsfähig bleibt. Während eine Aktie einen Anteil am Unternehmenserfolg mit entsprechenden Chancen und Risiken darstellt, verspricht eine Anleihe eine im Vorfeld weitgehend bekannte, feste Verzinsung und Rückzahlung. Das typische Anlageziel eines Anleihen-ETFs ist deshalb weniger Wertsteigerung im Sinne eines Wachstumsinvestments, sondern vor allem ein planbarer, regelmäßiger Ertrag sowie eine Stabilisierung des Depots in Zeiten, in denen Aktienmärkte unter Druck stehen.
Der größte und einer der günstigsten Wege in europäische Unternehmensanleihen
Der iShares Core EUR Corporate Bond UCITS ETF (Dist) bildet den Bloomberg Euro Corporate Bond Index nach, der auf Euro lautende, öffentlich begebene Anleihen von Industrieunternehmen, Versorgern und Finanzunternehmen aus dem Euroraum bündelt, die zudem eine Mindestbonität im Investment-Grade-Bereich aufweisen müssen, also von Ratingagenturen als solide kreditwürdig eingestuft werden. Gewichtet wird nach dem ausstehenden Marktwert jeder einzelnen Anleihe, größere, häufiger begebene Anleihen erhalten also mehr Gewicht. Überprüft und angepasst wird das monatlich. Der Fonds bildet seinen Index über ein Sampling-Verfahren nach, hält also eine repräsentative Auswahl der Indexbestandteile statt jede einzelne Anleihe zu kaufen, und schüttet seine Erträge halbjährlich aus, üblicherweise im Januar und Juli. Unter 370 verfügbaren ETFs auf weltweite Unternehmensanleihen ist dieser Fonds mit einem Fondsvolumen von 8,7 Milliarden Euro der größte und mit 0,09 Prozent laufenden Kosten pro Jahr zugleich einer der günstigsten, innerhalb einer Preisspanne vergleichbarer Fonds von 0,08 bis 0,50 Prozent. Aufgelegt wurde der Fonds bereits im März 2009. Der Vorteil einer solch breiten, ausschließlich auf Investment-Grade-Anleihen konzentrierten Strategie liegt in der Kombination aus verlässlichem Ertrag und vergleichsweise geringem Ausfallrisiko. Der Nachteil liegt in der weiterhin bestehenden Abhängigkeit von der allgemeinen Zinsentwicklung, die den Kurswert aller enthaltenen Anleihen gleichzeitig beeinflussen kann.
Fast gleichgewichtete Top 10: Was das für Anleger bedeutet
Auffällig an der Zusammensetzung ist, dass die zehn größten Positionen mit 0,83 Prozent des Fondsvermögens nahezu gleichgewichtet sind, bei insgesamt 4.126 enthaltenen Anleihen ein für einen ETF außergewöhnlich niedriger Konzentrationsgrad. Da nach dem ausstehenden Marktwert jeder einzelnen Anleihe gewichtet wird und selbst große, häufig begebene Unternehmen zahlreiche unterschiedliche Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten und Kupons im Umlauf haben, verteilt sich das Gesamtvolumen eines einzelnen Unternehmens auf mehrere separate Positionen im Index, statt sich wie bei einer Aktie auf einen einzigen Wert zu konzentrieren. Für Anleger bedeutet das ein sehr geringes Einzelrisiko. Selbst wenn eine einzelne Anleihe ausfallen sollte, wäre der Effekt auf den Gesamtfonds praktisch vernachlässigbar.
Anheuser-Busch InBev, Amazon und JPMorgan Chase: Wie der Fonds konkret funktioniert
Ein Blick auf die drei größten Einzelpositionen verdeutlicht das Funktionsprinzip. Größte Position mit 0,09 Prozent ist eine Euro-Anleihe von Anheuser-Busch InBev, dem weltgrößten Bierkonzern, der sich über solche Anleihen Fremdkapital für sein internationales Geschäft beschafft. Gleichauf folgt eine Euro-Anleihe von Amazon.com. Dass ein US-amerikanischer Konzern wie Amazon in einem europäischen Unternehmensanleihen-Index auftaucht, mag zunächst überraschen, erklärt sich aber damit, dass viele große internationale Konzerne gezielt auch Anleihen in Euro begeben, um ihre Finanzierung zu diversifizieren, europäische Investoren anzusprechen oder ihr europäisches Geschäft direkt in der jeweiligen Landeswährung zu finanzieren. Ebenfalls mit 0,09 Prozent vertreten ist eine Euro-Anleihe von JPMorgan Chase, der größten US-Bank, die aus ähnlichen Gründen regelmäßig auch am europäischen Anleihemarkt aktiv ist. Diese drei Beispiele zeigen anschaulich, wie der Fonds funktioniert: Anleger werden über den Kauf von Fondsanteilen wirtschaftlich zu Miteigentümern eines riesigen Portfolios aus Kreditforderungen gegenüber ein sehr großen Menga an Unternehmen.
Frankreich, USA und Niederlande: Warum diese Länder den Fonds anführen
Bei der Länderverteilung führt Frankreich mit 15,6 Prozent knapp vor den USA mit 15,2 Prozent und den Niederlanden mit 11,8 Prozent. Zusammen vereinen diese drei Ländern bereits über 40 Prozent des Fonds auf sich, während kein einzelnes Land den Fonds klar dominiert. Frankreich profitiert von einer großen Zahl international tätiger, häufig Anleihen begebender Konzerne aus den Bereichen Luxusgüter, Energie und Pharma. Die Niederlande sind vor allem deshalb stark vertreten, weil zahlreiche internationale Konzerne aus steuerlichen und rechtlichen Gründen ihren juristischen Sitz dort haben, selbst wenn ihr operatives Geschäft überwiegend anderswo stattfindet. Der hohe USA-Anteil erklärt sich, wie am Beispiel Amazon und JPMorgan Chase bereits gezeigt, damit, dass viele der größten und finanzstärksten Anleihe-Emittenten der Welt aus den USA stammen und gezielt auch den europäischen Anleihemarkt für ihre Finanzierung nutzen. Für Anleger bedeutet diese Verteilung eine solide geografische Streuung über verschiedene Volkswirtschaften und Rechtsräume, auch wenn der Fonds naturgemäß in seiner Gesamtheit von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank abhängig bleibt, da alle enthaltenen Anleihen auf Euro lauten.
Kein Weg, um reich zu werden, aber ein solider Baustein für planbare Erträge
2023 legte der Fonds um 8,0 Prozent zu, 2024 um 4,6 Prozent und 2025 zuletzt um 3,2 Prozent. Werte, die deutlich zeigen, dass dieser Fonds nicht dazu gedacht ist, größere Vermögenszuwächse zu erzielen. Sein Zweck liegt vielmehr in einem planbaren, verlässlichen Ertrag sowie in der stabilisierenden Wirkung für ein Gesamtdepot. Dass es dennoch zu deutlichen Rückschlägen kommen kann, zeigt das Jahr 2022 mit einem Verlust von 14,1 Prozent. Der Grund dafür liegt im mechanischen Zusammenhang zwischen Zinsen und Anleihekursen. Steigen die Zinsen, wie es die Europäische Zentralbank 2022 in raschem Tempo tat, werden neu begebene Anleihen automatisch attraktiver verzinst, wodurch ältere, niedriger verzinste Anleihen im Kurs fallen müssen, um weiterhin eine vergleichbare Rendite zu bieten. Verstärkt wurde dieser Effekt 2022 zusätzlich durch sich ausweitende Risikoaufschläge, da Anleger angesichts drohender Rezessionssorgen höhere Entschädigungen für das Ausfallrisiko von Unternehmensanleihen forderten.
Attraktives passives Einkommen trotz überschaubarer Gesamtrendite
Bei der Ausschüttung zeigt sich der Fonds von seiner attraktivsten Seite. Die Ausschüttungsrendite lag in den vergangenen drei Kalenderjahren bei mindestens 2,65 Prozent, zuletzt bei 3,28 Prozent. Damit macht die Ausschüttung einen sehr hohen Anteil an der Gesamtrendite des Fonds aus, ein typisches Merkmal von Anleihen-ETFs, deren Wertentwicklung überwiegend aus den regelmäßigen Kuponzahlungen der enthaltenen Anleihen stammt und weniger aus Kurssteigerungen. Für Anleger, die gezielt ein passives Einkommen aufbauen möchten, ist das ein wichtiger Vorteil gegenüber vielen Aktien-ETFs, bei denen die Dividendenrendite oft einen deutlich geringeren Teil der Gesamtrendite ausmacht und die 3-Prozent-Marke häufig nicht erreicht wird.
Warum die Schwankungsbreite so gering ist und wann es trotzdem kritisch wird
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 2,82 und 4,06 Prozent, deutlich niedriger als bei einem klassischen Welt-ETF, der selbst schon als vergleichsweise sichere Anlageform gilt. Anders als bei Aktien ist die Rückzahlung am Ende der Laufzeit weitgehend bekannt und die hohe Kreditwürdigkeit der enthaltenen Unternehmen reduziert die Unsicherheit über mögliche Zahlungsausfälle erheblich. Der maximale Kursrückgang der vergangenen fünf Jahre liegt trotzdem bei minus 17,6 Prozent und ist zugleich der größte Rückgang seit Auflage im Jahr 2009, was zeigt, dass die schnelle Zinswende des Jahres 2022 für diesen Fonds die bislang stärkste Belastungsprobe seiner gesamten Geschichte darstellte, deutlicher noch als die europäische Staatsschuldenkrise der frühen 2010er-Jahre. Besonders kritisch wird es für einen solchen Fonds demzufolge dann, wenn Notenbanken die Zinsen unerwartet schnell und stark anheben, da sich dieser Effekt unmittelbar und nahezu mechanisch auf die Kurse sämtlicher enthaltener Anleihen auswirkt.
Für welche Strategie sich dieser Anleihen-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als stabilisierender Baustein für Anleger, die einen Teil ihres Depots in verlässlich verzinste, überwiegend kreditwürdige Unternehmensanleihen investieren möchten, sei es zur Ergänzung eines bereits aus Aktien bestehenden Depots oder zum gezielten Aufbau eines passiven Einkommens. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass auch ein derart breit gestreuter, auf Investment-Grade-Anleihen konzentrierter Fonds bei schnellen und starken Zinsänderungen deutlich an Wert verlieren kann, wie das Jahr 2022 gezeigt hat. Für den schnellen Vermögensaufbau ist der Fonds dagegen nicht gedacht, seine Stärke liegt in der Kombination aus geringem Einzeltitelrisiko, planbarem Ertrag und einer im Vergleich zu Aktien deutlich geringeren Schwankungsbreite.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Auch Anleihen-ETFs unterliegen Kursschwankungen, insbesondere bei Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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