Euro am Sonntag-Interview

Fondsmanager Hansen: "DAX-Vorstände sind meist gute Entertainer"


Fondsmanager Hansen: "DAX-Vorstände sind meist gute Entertainer"

Jens Hansen, der Manager des ValueInvest LUX Global, über die Ertragskraft von Unternehmen und den Einfluss der Notenbanken.

Werte in diesem Artikel
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Aktien

148.30 EUR 0.75 EUR 0.51 %

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von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Der ValueInvest LUX Global ist langfristig einer der erfolgreichsten weltweit aktiven Aktienfonds. Gleich fünf Fondsmanager kümmern sich um das Portfolio, einer davon ist Jens Hansen. €uro am Sonntag sprach mit ihm über unterbewertete Aktien, ängstliche Anleger und unsinnige Unternehmensbesuche.

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Euro am Sonntag: Herr Hansen, gibt es eine allgemeingültige Definition für Value Investing oder versteht jeder Fondsmanager unter diesem Begriff etwas anderes?
Jens Hansen:
Value Investing ist eine Anlagestrategie, die sich auf den inneren Wert eines Investments konzentriert. Diesen ermitteln Fondsmanager jedoch meist sehr individuell, es werden die verschiedensten Analyseverfahren genutzt, um Unterbewertungen festzustellen.

Welchen Ansatz verfolgt der ValueInvest LUX Global?
Unser primäres Ziel ist es, Verluste zu vermeiden und langfristig eine positive Rendite zu erzielen. Wir suchen nach Large-Cap-Unternehmen mit geringer Verschuldung und konzentrieren uns vor allem auf die Ertragskraft. Ist diese unseren Analysen zufolge unterbewertet, ist die Aktie für uns interessant. Die wesentlichen Fragen, die wir uns vor einem Kauf stellen, sind: Würden wir auch als Unternehmer das Unternehmen kaufen? Und kann das Unternehmen jedes Jahr nachhaltige operative Erträge erwirtschaften? Lassen sich beide Fragen mit Ja beantworten, hat die Aktie Chancen, ins Portfolio aufgenommen zu werden.

Wie lange halten Sie die von Ihnen ausgewählten Titel?
Wir bleiben zwischen fünf und zehn Jahren investiert. So lange kann es auch dauern, bis sich die unterbewerte Ertragskraft von global agierenden Unternehmen wieder auflöst.
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Tendieren unterbewertete Aktien trotz des starken Einflusses der Notenbanken auf die Kurse auf lange Sicht immer noch hin zu ihrem fairen Wert?
Ja, wir sind davon weiterhin überzeugt und fokussieren uns ausschließlich auf die Unternehmen. Den Einfluss politischer Entwicklungen oder geldpolitischer Maßnahmen auf die Kurse können wir nicht prognostizieren. Wir wissen aber, dass Investoren sich bei ihren Anlageentscheidungen mitunter von Gier oder Angst leiten lassen. Wir versuchen, die sich daraus ergebenden Gelegenheiten zu nutzen beziehungsweise die Risiken zu vermeiden.

Können Sie das an Beispielen verdeutlichen?
Unserer Meinung nach beurteilten Anleger die Ertragskonsequenzen, die sich für den Sportartikelhersteller Adidas infolge der Russland-Sanktionen ergaben, in ihrer ersten Reaktion als zu negativ, und wir kauften daher bei einem Kurs von 55 Euro. Heute steht der Titel bei 144 Euro. Aufgrund der höheren Bewertung haben wir in den vergangenen Wochen daher Positionen abgebaut. Auch bei Swatch sehen wir Chancen. Der Markt überschätzt den Druck von Smart Watches auf die Ertragskraft des Unternehmens.

Viele Fondslenker halten es für notwendig, regelmäßig Unternehmen zu besuchen. Sie dagegen lesen ausschließlich die Bilanzen. Warum?
Die Vorstandsvorsitzenden großer Unternehmen sind meist gute Entertainer. Wir wollen uns davon aber nicht beeinflussen lassen. Wir glauben auch nicht, dass wir durch ein direktes Gespräch mit der Geschäftsführung etwas erfahren, was der Aktienmarkt noch nicht weiß. Und nicht zuletzt sparen wir Kosten, wenn wir nur die Bilanzen lesen.
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Vita:

Preisbewusster Fondsmanager
Jens Hansen lenkt den ValueInvest LUX Global, einen Klassiker für weltweite Aktien (siehe "Fonds im Fokus"). Er ist seit 2001 bei ValueInvest Asset Management, seit 2005 Head of Investments. Zuvor war er Wertpapierhändler.


Investor-Info

Fonds im Fokus
ValueInvest LUX Global

Nur elf von 451 weltweit anlegenden Aktienfonds tragen €uro FondsNote 1 - der ValueInvest LUX Global ist einer davon. In den vergangenen fünf Jahren beendete er nicht einen Monat im Minus. Jens Hansen (siehe Interview rechts) lenkt das Portfolio zusammen mit vier Kollegen. Nur wenn sie sich einig sind, wird ein Titel gekauft. Um ins Portfolio aufgenommen zu werden, muss eine Firma nach Ansicht der Fondsmanager deutlich unterbewertet sein. Der Abstand zwischen Börsenwert und dem errechneten fairen Wert sollte mindestens 35 Prozent betragen. Je zyklischer ein Unternehmen ist, desto höher muss die Sicherheitsmarge sein. Derzeit ist der Verbrauchsgütersektor sehr hoch gewichtet und macht die Hälfte des Vermögens aus.
Fazit: Defensiver und beständiger globaler Aktienfonds nach Value-Prinzipien.

Bildquellen: Sven Paustian für ValueInvest Asset Management S.A, Ufuk ZIVANA

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