Euro am Sonntag-Interview

Fondsmanager Zinser: "Unterhalb der Gürtellinie bei Wirecard"


Fondsmanager Zinser: "Unterhalb der Gürtellinie bei Wirecard"

Der Manager des Prévoir Gestion Actions, Armin Zinser, spricht im Interview über den Brexit, ambivalente Franzosen, Wirecard und Autokonzerne.

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Fonds

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Aktien

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322.15 EUR 0.75 EUR 0.23 %

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von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Armin Zinser ist einer der erfolgreichsten und auch eigenwilligsten Manager von Europafonds. Der gebürtige Schwabe lebt seit vielen Jahren in Paris und lenkt von dort aus zwei Portfolios: den Prévoir Ges­tion Actions (siehe "Fonds im Fokus") und den auf Nebenwer­te spezialisierten Prévoir Per­spectives (ISIN: FR 000 707 193 1). Zinsers Spezialität und seine "Marktnische in Frankreich", wie er sagt, sind Investments in deutsche Mittelständler. Zu den jeweiligen Firmenchefs habe er einen guten Draht, weil er ihre Sprache spreche. Ansonsten schätzt er es, "vom Eiffelturm auf Deutschland runterzublicken", also einen etwas distanzierteren Blick zu haben.

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€uro am Sonntag: Herr Zinser, Europas Aktienmärkte sind seit Jahresanfang wieder im Aufwärtstrend. Wird die gute Laune der Anleger anhalten?
Armin Zinser:
Ich sehe durchaus das Potenzial für eine Oster- Rally mit weiteren Kurszuwächsen von rund fünf Prozent. Vor allem, wenn es US-Präsident Trump gelingt, ein Abkommen mit China zustande zu bringen und der Brexit verschoben wird.

Das scheint ja möglich zu sein.
Ich bin schon seit sechs Monaten überzeugt, dass es keinen harten Brexit zum 29. März geben wird. Politische Deadlines sind im Zweifel ja nur dazu da, um verlängert zu werden.

Wie blicken eigentlich die ­Franzosen auf den Brexit?
In dieser Sache sind sie ambivalent. Auf der einen Seite bedauern sie natürlich, dass ein Nettoeinzahler ins Eurosystem wegfällt. Denn das bedeutet, dass sie finanziell möglicherweise mehr stemmen müssen. Auf der anderen Seite sehen sie die Chance, dass sich eine andere Mehrheit in Europa ergibt - von Ländern, die nicht so sehr dem Stabilitätsmechanismus anhängen wie bisher der Block aus Deutschen, Skandinaviern und Engländern.
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Sie sind aktuell optimistisch ­gestimmt für Europas Aktienmärkte. Wie spiegelt sich das in Ihren Portfolios wider?
Mit denen bin ich schon sehr dynamisch unterwegs. Das war im vierten Quartal 2018 natürlich nicht so gut. Da hätte ich stärker in Dividenden- statt in Wachstumstitel investiert sein sollen. Aber ich habe an meinen Posi­tionen festgehalten, und es hat sich inzwischen herausgestellt, dass dies richtig war. Mit dem Prévoir Gestion Actions liege ich seit Jahresanfang etwa 15 Prozent im Plus - und das trotz des Kursdebakels bei Wirecard, die ich übergewichtet habe.

Dem DAX-Konzern wird Bilanzbetrug vorgeworfen. Sie halten der Aktie aber die Treue.
Ja, weil ich das Management gut kenne und die Vorwürfe für unbegründet halte, selbst wenn sich Einzelne in dem Unternehmen vielleicht nicht richtig verhalten haben. Aber wir sprechen hier von einer möglichen Belastung von sechs Millionen Euro. Und das bei einer Firma, die mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz macht. Wirecard hat nun an die fünf Milliarden Euro Börsenkapitalisierung verloren - durch Leute, die unterhalb der Gürtellinie handeln.

Sie meinen sogenannte Shortseller, die von sinkenden Aktien­kursen profitieren.
Ja, diese Leute gehen mit ihren Wetten ein extrem hohes Risiko ein und können sich im Zweifel nur bereichern, indem sie Gerüchte streuen. Wirecard-Chef Markus Braun führt ein Unternehmen, das mit hervorragenden Wachstumsraten glänzt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er das bewusst aufs Spiel setzen würde. Was mich vielmehr irritiert, ist, dass noch keine der Branchengrößen wie Apple oder Visa versucht hat, Wirecard zu kaufen. 20 Milliarden Euro für die Firma zu zahlen, wäre keine so große Sache.
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Von Wirecard und ähnlichen Firmen aus dem Wachstumssegment sind Sie also weiterhin überzeugt. Welche Unter­nehmen meiden Sie aktuell?
Ich habe keine Automobilkonzerne und -zulieferer im Fonds. Denn zum einen droht noch immer die Einführung von Strafzöllen durch Trump. Und zum anderen haben wir mit der Einführung der E-Mobilität eine disruptive Situation, in der die Karten komplett neu gemischt werden. Dafür ist der Bereich Digitalisierung und Informatik in den Fonds übergewichtet.

Fonds im Fokus
Prévoir Gestion Actions

In diesem Jahr zählt das von Armin Zinser gemanagte Portfolio zu den besten Europa- Aktienfonds. Auch langfristig glänzt es mit einer überdurchschnittlich starken Wertentwicklung, wie der €uro-FundAward 2019 für die Zehn-Jahres-Performance beweist. Zinser investiert in mittel- und großkapitalisierte Unternehmen der Europäischen Union. Dabei setzt er seinen Schwerpunkt auf Firmen aus dem deutschen Mittelstand. Rund 40 Prozent des Fondsvermögens hat er aktuell hierzulande investiert. Bei den Branchen bevorzugt er Technologie, produzierendes Gewerbe und Gesundheit. Wichtig sind dem überzeugten Stockpicker nachhaltiges Wachstum und ein hoher Exportanteil der Unternehmen.
Fazit: Sehr guter europäischer Wachstumsfonds für langfristig orientierte Anleger.







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Bildquellen: Laurence de Terline

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