Öl-Sorgen treiben Nachfrage

Brent vor dem nächsten Sprung? Bank of America warnt vor extremer Ölpreis-Rally


Brent vor dem nächsten Sprung? Bank of America warnt vor extremer Ölpreis-Rally

Die Ölstrategen der Bank of America stellen sich auf einen länger anhaltenden Konflikt am Golf ein, doch die eigentliche Warnung steckt in einem Extremszenario.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

102.22 USD -0.09 USD -0.09 %

91.13 USD -1.74 USD -1.87 %

  • Bank of America erwartet für Brent im zweiten Halbjahr 95 US-Dollar
  • Störungen in der Straße von Hormus dürften sich nur langsam auflösen
  • Im Extremfall halten die Analysten mehr als 150 US-Dollar für möglich
Werbung

Die Bank of America hat ihre Prognose für den Ölpreis der Sorte Brent deutlich angehoben und stellt sich damit auf einen länger anhaltenden Versorgungsengpass am Persischen Golf ein. In einer Studie vom 21. September erhöhten die Analysten ihre Erwartung für das zweite Halbjahr 2026 auf 95 US-Dollar je Barrel, nach zuvor 83 US-Dollar.

Warum die Bank of America beim Ölpreis umdenkt

Den Ausschlag für die deutlich höher als erwarteten Preise gibt eine veränderte Grundannahme. Wie Reuters berichtete, sind anhaltende geopolitische Spannungen bis zum Jahresende für die Bank inzwischen das Basisszenario. Zwar hätten alternative Transportrouten und eskortierte Tanker durch die Straße von Hormus einen Teil der Ausfälle aufgefangen. Beschädigte Infrastruktur und die hohe Spannungslage machten eine rasche Normalisierung der Lieferströme jedoch unwahrscheinlich, so die Analysten.

Straße von Hormus bleibt das zentrale Nadelöhr

Kurz nachdem die USA und Israel Ende Februar einen gemeinsamen Angriff auf den Iran gestartet hatten, schränkte Teheran den Schiffsverkehr durch die Meerenge massiv ein. Vor Kriegsbeginn lief rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases durch die Straße von Hormus. Die Bank of America schätzt, dass die Ausfälle in der Spitze rund 14 Millionen Barrel pro Tag erreicht haben könnten. Zuletzt lagen die Mengen nach ihrer Rechnung im Schnitt noch 4 bis 8 Millionen Barrel täglich unter dem Vorkriegsniveau.

Werbung

Erste Zeichen von Widerstandskraft gibt es dennoch. Saudi-Arabien konnte seine Rohöllieferungen durch die Meerenge offenbar wieder steigern: Nach von Reuters zitierten Satellitendaten lag der Sechstagesdurchschnitt Ende September bei rund 2,9 Millionen Barrel pro Tag und damit deutlich über dem August-Niveau von rund 700.000 Barrel pro Tag.

Zweite Engstelle am Bab el-Mandeb

Seit der Verkehr durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt ist, nutzt Saudi-Arabien verstärkt alternative Exportrouten. Rohöl wird dabei über die East-West-Pipeline vom Osten des Landes zum Terminal Yanbu am Roten Meer transportiert und kann von dort über das Rote Meer auf die Weltmärkte gelangen. Eine wichtige Passage auf dieser Route ist die Meerenge Bab el-Mandeb.

Genau dort hat sich der Konflikt ausgeweitet: Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi und verschiedene mit Saudi-Arabien verbündete Kräfte um Gebiete, die den Zugang zur Meerenge beeinflussen. Zusätzlich störten Angriffe eine wichtige Pipeline, die Rohöl quer durch das Königreich vom Osten an die Westküste transportiert.

Werbung

Diplomatisch hatten sich Hoffnungen auf Fortschritte am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gerichtet. Einem Medienbericht zufolge bot der Iran an, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder zu öffnen, wenn die USA im Gegenzug ihren militärischen Druck verringern und die Blockade beziehungsweise Sanktionen lockern. Zuletzt liefen erneut Gespräche zwischen den USA und dem Iran über Vermittler, konkrete Fortschritte waren jedoch weiterhin nicht bekannt.

Auch Ukraine-Krieg bleibt für den Ölmarkt relevant

Parallel zu den Gesprächen über den Iran-Konflikt gibt es Bewegung bei den Beziehungen zwischen den USA und Russland. Einem US-Regierungsvertreter zufolge sprach der russische Präsidentengesandte Kirill Dmitriev in Washington mit US-Vertretern über eine mögliche Beendigung des Ukraine-Kriegs und mögliche Energieinitiativen zwischen beiden Ländern für die Zeit nach dem Krieg. Konkrete Vereinbarungen wurden dabei nach den vorliegenden Informationen nicht bekannt.

Eine mögliche Annäherung zwischen Washington und Moskau könnte langfristig auch für die Energiemärkte relevant sein. Für die kurzfristige Entwicklung des Brentpreises bleibt nach Einschätzung der Bank of America jedoch vor allem entscheidend, wie lange die Störungen rund um die Straße von Hormus und die dadurch ausgelösten Lieferengpässe anhalten.

Was die Bank of America für 2027 erwartet

Für das kommende Jahr rechnet die Bank im Basisszenario mit einem durchschnittlichen Brentpreis von rund 80 US-Dollar je Barrel. Damit hat sie ihre Prognose ebenfalls angehoben: Zuvor waren 75 US-Dollar erwartet worden. Anhaltende Lagerabbauten stützten dieses Niveau, erklärte Rohstoff- und Derivatestratege Francisco Blanch laut CNBC. Die wichtigste Veränderung sei jedoch ein wachsendes Extremrisiko: Strategische und kommerzielle Reserven würden immer dünner, und der physische Markt signalisiere über eine ausgeprägte Backwardation bereits akute Knappheit. Bei dieser Marktlage notieren kurzfristig lieferbare Kontrakte deutlich über späteren Terminen.

Halten die Störungen bis ins Frühjahr 2027 an oder verschärfen sich die Schäden an der Ölinfrastruktur, könnte der Brentkontrakt mit der nächsten Fälligkeit nach Einschätzung der Bank weit über 150 US-Dollar je Barrel steigen. Erst ein solcher Preisschub würde nach Einschätzung der Bank die weltweite Nachfrage spürbar drosseln.

Entscheidend für die Prognose wird damit, wie lange die Lieferstörungen rund um die Straße von Hormus und die alternativen Transportwege anhalten. Das Szenario von mehr als 150 US-Dollar ist dabei ausdrücklich als Extremszenario der Bank of America zu verstehen und nicht als deren Basisszenario.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: William Potter / Shutterstock.com, William Potter / Shutterstock.com

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.