Christian Scheid-Kolumne

Bayer: Der Druck wurde zu groß


Bayer: Der Druck wurde zu groß | finanzen.net

Eigentlich sollte der wegen der kostspieligen Monsanto-Übernahme und des damit ins Haus geholten milliardenteuren Glyphosat-Rechtsstreits oft kritisierte Bayer-Chef Werner Baumann 2024 gehen.

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Doch um den Jahreswechsel wurden bei dem Pharma- und Agrarchemiekonzern die Rufe nach vorzeitigen Veränderungen lauter. Zuletzt meldete sich die Fondsgesellschaft Deka zu Wort und forderte einen schnellen Wechsel an der Unternehmensspitze. Zwar laufe der Vertrag von Vorstandschef Werner Baumann noch ein Jahr, allerdings werde der Kapitalmarkt so viel Geduld nicht mehr aufbringen, sagte Ingo Speich, der beim Fondsanbieter der Sparkassen den Bereich Nachhaltigkeit und Corporate Governance leitet. Der neue Chef müsse von außen kommen, forderte Speich. Der aktuelle Vorstand sei zu sehr mit der bisherigen Strategie verbunden.

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Den größten Druck übte zuletzt der aktivistische Investor Bluebell Capital aus - ein recht kleiner Fonds, aber auch für ein aggressives Vorgehen bekannt. So wurde Bluebell 2021 trotz einer nur sehr kleinen Beteiligung am Lebensmittelkonzern Danone zum Sprachrohr vieler frustrierter Investoren, die den Rücktritt des damaligen Konzernchefs Emmanuel Faber forderten, der letztlich seinen Hut nehmen musste.

Auch bei Bayer hatte der Fonds, der zuletzt viele Verbündete um sich scharte, Erfolg: Bau¬mann geht bereits zum 1. Juni dieses Jahres. Das Ruder soll Bill Anderson übernehmen. Baumann wird Ende Mai in den Ruhestand gehen. Bis dahin wird er eng mit Anderson zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. Bayer war seit Mitte vergangenen Jahres auf der Suche. Der studierte Chemieingenieur Anderson war zuletzt Chef der Pharma-Sparte von Roche. Davor leitete er den Biotechkonzern Genentech. Das sorgt für Phantasie. Denn nun scheint auch eine Aufspaltung von Bayer möglich - Bluebell drängt auf einen solchen Schritt. Da für reichlich Phantasie gesorgt ist, können Anleger bei Bayer wieder in die "kontrollierte Offensive" gehen, und zwar mit einem Discount Call von BNP Paribas (ISIN DE000PE4HAV9).

Christian Scheid ist seit rund 18 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig, davon seit circa zehn Jahren als freier Autor. Aktuell schreibt er für mehrere deutschsprachige Fachmagazine und -zeitungen in den Bereichen Aktien und Derivate, darunter Börse Online, Capital, Euro am Sonntag und Zertifikate // Austria. Per 1. Juli 2014 kehrte er zum ZertifikateJournal zurück, wo er bis Ende 2009 schon einmal tätig war und die damalige Österreich-Ausgabe des ZJ verantwortete.

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